Schweiz

Scherze über Gott als Spanner und Kreuzfahrten mit Jesus

In der SRF-Sendung «Deville» nahm Satiriker Dominic Deville den Vatikan und die Schweizergarde aufs Korn. Den für Beschwerden zuständigen Ombudsmann brachte er ironischerweise gleich selbst ins Spiel.

Ueli Abt

Gibt es auch eine Satireshow im Papstfernsehen? Dies eine der rhetorischen Fragen von Satiriker Dominic Deville in seiner Satiresendung «Deville» im Schweizer Fernsehen SRF vom Sonntagabend. Die Antwort von Sidekick Patrick «Karpi» Karpiczenko: Ja, jeden Mittwoch gibt es von 10 bis 11 Uhr die Papstaudienz!»

Es war nicht der einzige Spass über die katholische Kirche in der jüngsten Sendung des jeweils mehrheitlich als Presseschau gestalteten Satireformats. Denn in der Spezialsendung drehte sich alles um Vatikan, Schweizergarde und den Papst. Wie üblich nahm «Deville» teils Bezug auf Berichte aus den Printmedien.

Screenshot SRF-Sendung "Deville" vom 12. Januar 2020

Vom Winde verweht

Eine Bildserie mit Aussenaufnahmen während Auftritten von Papst Franziskus, bei welchen der Wind dessen Soutane durcheinanderbrachte oder gar das Scheitelkäppchen davontrug, gehörte noch zu den liebevolleren und dabei kaum satirischen Beiträgen in der Sendung.

Auch der Vergleich von Papst und James Bond mochte noch zu den weniger beissenden Spässen gehören. Laut der Sendung jettet dieser wie jener «um die Welt», immer wieder ein anderer nehme dieselbe Rolle ein und er fahre immer einen «geilen Karren» (mit Einblendung des Papamobils) –. Wobei im Vergleich dann doch der von der 007-Serie bekannte geschüttelte – und nicht gerührte – Drink im Glas zu einer Anspielung auf einen altersbedingten Tremor und somit zu einer kleineren Bosheit wurde.

Wenn Satire ursprünglich unter anderem der Belehrung diente, so war das auch diesmal so: Anhand einer Karte ( «im Massstab 1:1») scherzten Deville und sein Sidekick über den kleinsten Staat der Welt, wobei auch Fakten einflossen wie etwa, dass der Staat Vatikanstadt in heutiger Form vor 90 Jahren entstand. Edukativ waren auch Devilles didaktische Darstellung des jüngsten Finanzskandals um eine Londoner Liegenschaft anhand von kleinen fotografischen Pappfiguren – inhaltlich mit einem Bericht der NZZ vom Dezember 2019 übereinstimmend.

Screenshot SRF-Sendung "Deville" vom 12. Januar 2020

Auftritte in der Sendung hatten zudem der bayerische Comedy-Star Michael Mittermeier. Dieser scherzte über den überalterten Klerus und angeblich kiffende Kardinäle während des Konklave. Gabriel Vetter trat in der Rolle eines fiktiven «Maxistranten» auf, der mit der angeblichen Vermietung von Ministranten die Sharing Economy auf ein neues Gebiet anwenden wollte.

Natürlich gab es auch Anspielungen auf missbrauchende Priester, Witze über statistische Kuriosa wie etwa den hohen Pro-Kopf-Weinkonsum im Vatikan sowie die Uniform der Schweizergarde (»der schlechteste Tarnanzug aller Zeiten»). Deville scherzte auch über die katholische Sexualmoral: Es sei eine beliebte Mutprobe unter «Vatikaner» Jugendlichen, in der Apotheke nach Kondomen zu fragen.

Ausgehend von der Form des Petersplatzes sagte Deville in der Sendung weiter, das sei quasi ein Schlüsselloch, durch welches «der Gott» durchblicke, um «auf die Menschheit zu schauen, der alte Spanner».

Screenshot SRF-Sendung "Deville" vom 12. Januar 2020

Religiöse Gefühle respektieren

Ob wegen Darstellungen und Äusserungen wie diesen bei der SRF-Ombudsstelle Beschwerden eingingen, gibt das Schweizer Fernsehen derzeit nicht bekannt. Über solche werde jeweils erst informiert, wenn sie der Ombudsmann beantwortet hat, gibt SRF-Mediensprecherin Annina Keller auf Anfrage bekannt. Beschwerden können Zuschauer bis 20 Tage nach der Ausstrahlung der Sendung einreichen.

Der Ombudsmann prüft jeweils, ob ein Fernsehbeitrag gegen die SRF-eigenen Leitlinien verstösst. Diese gehen in einem kurzen Kapitel auf das Thema Religion ein: Beiträge müssen die religiösen Gefühle der Zuschauerinnen und Zuhörer respektieren und dürfen «zentrale Glaubensinhalte von Religionen nicht ins Lächerliche ziehen oder verächtlich machen.»

Wie aus einer früheren Antwort von Ombudsmann Roger Blum auf eine Beschwerde hervorgeht, gehören im Fall der römisch-katholischen Kirche unter anderem die sieben Sakramente zu den «zentralen Glaubensinhalten».

Wanderung übers Meer und Nagelstudio

In seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlte sich ein Zuschauer der Sendung «Deville» erst gerade letztes Jahr. Er hatte sich beim Ombudsmann über den Auftritt des jungen Standup-Comedians Cenk Korkmaz in einer «Deville»-Sendung im Frühling beschwert.

Korkmaz präsentierte in einem Monolog seine Ideen, was Jesus heute als Influencer wohl vermarkten würde. Beispielsweise Kreuzfahrten, wie Korkmaz wortspielerisch fabulierte, mit «Hochseewanderung über den Ozean» – und mit Anspielung auf die Kreuzigung – «einem Nagelstudio».

Damit sei der Comedian klar zu weit gegangen, fand der Zuschauer. In seiner Antwort zeigte sich Ombudsmann Roger Blum unschlüssig. Er verzichtete auf eine eindeutige Stellungnahme und empfahl, die Beschwerde bei der innerhalb der Bundesverwaltung beim UVEK angesiedelten Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI) zur Prüfung einzureichen.

Während die Ombudsstelle als Vermittlerin gedacht ist, prüft die UBI, ob diverse Gebote im Radio- und Fernsehgesetz (so etwa Sachgerechtigkeit, Vielfalt, öffentliche Sittlichkeit) eingehalten beziehungsweise verletzt wurden. Die UBI entschied, der Beitrag von Comedian Korkmaz sei rechtlich korrekt gewesen. Es sei ihm nicht darum gegangen, den Glauben ins Lächerliche zu ziehen, sondern «das kommerzielle Treiben der Influencer».

Keine Witze über Sakramente

Eine rechtliche Verletzung ortete die UBI allerdings im Jahr 2002 durch einen satirischen Beitrag in der Sendung «Kassensturz» vom Dezember 2001. Im Beitrag ging es um Entscheidungsträger im Swissair-Debakel, die als Beichtende gezeigt wurden. Im Beitrag sieht man einen Priester, der mit dem Flugzeug zur Abnahme der Beichte nach Zürich reist.

Die UBI bestätigte die Klage, dass im Beitrag mit der Beichte und Eucharistie zentrale Glaubensinhalte ins Lächerliche gezogen worden seien. Im UBI-Entscheid heisst es dazu: «Im vorliegend beanstandeten Beitrag brachte eine Hostess dem Priester eine Packung Pommes Chips, die er mit den Zähnen öffnete. Insbesondere während den Beichten von Honegger und Tschanz mampfte er wiederholt Pommes Chips. Zusätzlich trank er aus einem Messkelch. Damit hat der Beitrag offensichtlich auf die Eucharistie beziehungsweise das Abendmahl Bezug genommen, wobei die Pommes Chips und der Kelch Brot und Wein darstellen sollten.»

Nachrichtenformate häufig Grund für Beschwerden

Dass ein satirischer TV-Beitrag zu Kirche und Religion bestimmte Grenzen respektieren muss, machten Deville und Sidekick Karpi am vergangenen Sonntag gleich in der Sendung zum Thema. Schliesslich drohe noch Schlimmeres als das Fegefeuer: der Ombudsmann.

Dieser hat aber nicht wegen Satiresendungen die meiste Arbeit, wie aus dem aktuellsten verfügbaren Jahresbericht, der jeweils im April erscheint, hervorgeht. Im Jahr 2018 waren von rund 200 Beschwerden wegen Fernsehbeiträgen rund die Hälfte wegen Nachrichtensendungen (Tagesschau, 10 vor 10, Rundschau, Schweiz aktuell) eingegangen, während es nur zu vereinzelten (im Bericht nicht weiter quantifizierten) Beschwerden gegen Satire- und Spielsendungen kam.

Der Satiriker Dominic Deville | © SRF/Oscar Alessio
14. Januar 2020 | 12:44
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