Bootsflüchtlinge erreichen Lampedusa | © Wikimedia
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Bootsflüchtlinge erreichen Lampedusa | © Wikimedia

Gewaltexzess auf Flüchtlingsboot – Italiens Bischöfe fordern Besonnenheit

Rom, 18.4.15 (kath.ch) Die Italienische Bischofskonferenz hat angesichts von Augenzeugenberichten über eine angeblich religiös motivierte tödliche Auseinandersetzung zwischen Muslimen und Christen an Bord eines Flüchtlingsboots zur Besonnenheit aufgerufen. Man müsse erst den genauen Tathergang kennen, bevor man diese «schreckliche Tat» mit einem «Religionskrieg» in Zusammenhang bringe, sagte ihr Generalsekretär Bischof Nunzio Galantino in einem Interview der italienischen Tageszeitung «La Stampa» (Samstag, 18. April).

Der Bischof warnte davor, dem Vorfall «Bedeutungen beizumessen, die er möglicherweise gar nicht hat». Wenn Menschen tagelang unter schwierigsten Bedingungen auf einem solchen Boot zusammengepfercht seien, reichten schon der kleinste Streit oder Groll aus, um unvorhersehbare Reaktionen auszulösen, so Galantino.

Medien stellten religiöse Motivation als Tatsache hin

Die Staatsanwaltschaft in Palermo ermittelt seit Donnerstag, 16. April, gegen 15 muslimische Flüchtlinge aus dem Senegal, der Elfenbeinküste und Guinea Bissau, die 12 christliche Flüchtlinge aus Nigeria und Ghana während der Überfahrt nach Europa aus «religiösem Hass» über Bord geworfen haben sollen. In der italienischen Berichterstattung war eine religiöse Motivation des Gewaltexzesses in den vergangenen Tagen ungeachtet der laufenden Ermittlungen vielfach bereits als Tatsache dargestellt worden und hatte grossen Raum eingenommen. Auch in der Schweiz waren entsprechende Meldungen zu lesen. So titelte etwa der «Blick am Abend» (17. April): «Muslime werfen Christen über Bord».

Der Vorfall ereignete sich nach Aussagen von Augenzeugen auf einem überladenen Flüchtlingsboot, das am Dienstag, 14. April, von Libyen aus in Richtung Europa aufgebrochen war. Augenzeugen hatten berichtet. Die rund 100 überlebenden Flüchtlinge waren am Donnerstag von der italienischen Küstenwache in Sicherheit gebracht worden. (kna/cic)

 

 

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