Schweiz

Generalvikar Annen unterstützt Driessens Flüchtlingspolitik

Zürich, 11.5.18 (kath.ch) Der in Zürich wirkende Generalvikar Josef Annen nimmt Stellung zu den Aussagen der designierten Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding. Er bezeichnet ihre verkürzte Aussage als «unglücklich», unterstützt aber ihre Intention. Das schreibt die Katholische Kirche im Kanton Zürich am Freitag auf ihrer Webseite.

Regula Pfeifer

Die verkürzte Aussage von Franziska Driessen sei unglücklich und biete Anlass zu Missverständnissen, sagte Annen gemäss dem Bericht. Der Generalvikar sprach damit Driessens Aussagen zur SVP-Politik an. Christen könnten grundsätzlich alle Parteien wählen, die sich dem Rechtsstaat verpflichteten, sagte er. Jeder Stimmbürger sei seinem Gewissen verpflichtet.

Unwillen seitens SVP

Die vor kurzem gewählte Synodalratspräsidentin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich hatte in einem in mehreren Zeitungen erschienenen Interview («Aargauer Zeitung», 7. Mai) die Asylpolitik der SVP kritisiert: «Der Churer Weihbischof Peter Henrici sagte 2004, ein guter Christ könne nicht SVP wählen», so Driessen, «Ich glaube, ich könnte ihm recht geben.»

Die Aussage hatte den Unwillen von Partei-Mitgliedern hervorgerufen. Sie verlangten eine Entschuldigung, überlegten sich den Kirchenaustritt und forderten gar Driessens Rücktritt.

Flüchtlingspolitik nach Evangelium

In Sachen Werte stellt sich der Generalvikar nun hinter die frisch gewählte Synodalratspräsidentin, die am 1. Juni ihr Amt antritt. Ihre Intention «unterstütze ich voll und ganz», erklärte der Generalvikar laut dem Bericht. Er bezog sich damit auf Driessens Appell für eine Flüchtlingspolitik, die sich an den Werten des Evangeliums zu messen habe.

Annen hatte sich anlässlich eines Doppelinterviews von «Tele Züri» mit ihm und der designierten Synodalratspräsidentin entsprechend geäussert, wie sein Pressesprecher gegenüber kath.ch sagt. Annens Aussagen seien aber in der Fernsehsendung nicht berücksichtigt worden.

Die kritisierte oberste Zürcher Katholikin versuchte in einer Sendung auf «Tele Züri» die Wogen zu glätten. «Ich würde niemals einem SVPler unterstellen, dass er kein guter Christ sei», sagte sie im Interview vom 9. Mai. Sie habe «sehr klar sagen wollen», so Driessen: Die Flüchtlingspolitik der SVP sehe sie «als nicht vereinbar mit den christlichen Grundwerten wie Nächstenliebe, Gastfreundschaft, die mir so nahe liegen».

«Mein grosser Wunsch ist, dass wir uns einig sein können.»

Gleichzeitig wehrte sie sich gegen den Vorwurf, die Spaltung unter den Katholiken vertiefen zu wollen. Das sei «auf jeden Fall» nicht ihre Absicht gewesen. «Im Gegenteil: Mein grosser Wunsch ist, dass wir es wirklich schaffen und uns einig sein und einen Weg finden können», so Driessen.

Generalvikar Josef Annen | © Christoph Wider
11. Mai 2018 | 16:33
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