Benedikt XVI. und sein Privatsekretär Georg Gänswein im Jahr 2009.
Vatikan

Gänswein: Kritik an Benedikt XVI. teils masslos voreingenommen

Aus der Sicht von Erzbischof Georg Gänswein war der frühere Papst Benedikt XVI. bereits als Kurienkardinal die «entscheidende Figur» für einen Mentalitätswandel der katholischen Kirche im Umgang mit sexuellem Missbrauch.

Leider zeige sich in den öffentlichen Reaktionen zu der Entschuldigungsbitte Benedikts insbesondere in Deutschland «eine masslose Voreingenommenheit» und teils «masslose Unkenntnis der Fakten», sagte er in einem Gespräch mit dem privatenTV-Sender EWTN (Dienstag).

«An den Karren fahren»

Man wolle dem Mann «an den Karren fahren», der zum Umgang derkatholischen Kirche mit Missbrauch und Pädophilie «die entscheidenden Hilfen angeregt und dann umgesetzt hat». Dem emeritierten Papst werde vielfach etwas unterstellt, das 25 Jahren Arbeit widerspreche, so Gänswein. Auch zeige die Aktenlage des Münchner Missbrauchsgutachtens, dass Erzbischof Ratzinger über die pädophileVorgeschichte eines in der Diözese aufgenommenen Priesters ebensowenig informiert war wie darüber, dass dieser später in der Seelsorgetätig war.

Im Zusammenhang mit Synodalem Weg?

Zur Frage des Moderators nach der politischen Dimension des Berichts der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) sagte Gänswein,man könne spekulieren, ob der Zeitpunkt der Veröffentlichung mit dem Synodalen Weg in Deutschland zusammenhänge. Klar sei aber, dass die Reformdebatte des Synodale Wegs «auf etwas zielt, dem die Person Benedikts im Wege steht». Es sei eine Gefahr, den Missbrauch herzunehmen, um einen Weg zu eröffnen, der «nicht mit der Offenbarung und dem katholischen Kirchenverständnis vereinbar» sei.

In dem Gespräch schilderte der Privatsekretär des emeritierten Papstes noch einmal, wie es zu der 82-seitigen Einlassung Benedikts in dem Mitte Januar veröffentlichten WSW-Gutachten zu Missbrauch inder Erzdiözese München-Freising kam. Ebenso erläuterte er noch einmal die Entstehung der knapp drei Wochen später veröffentlichten persönlich gehaltenen Stellungnahme Benedikts und der Erklärungseiner rechtlichen Berater. (kna)


Benedikt XVI. und sein Privatsekretär Georg Gänswein im Jahr 2009. | © KNA
15. Februar 2022 | 08:52
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