Franz Beckenbauer 2019
International

Fussball-Legende Franz Beckenbauer ist tot

Die deutsche Fussball-Legende Franz Beckenbauer ist tot. Beckenbauer war eine schillernde Figur: Auf dem Platz ein Zauberer, in Deutschland ein «Kaiser» und in der Schweiz für seine Steuertricks berühmt. Ein Nachruf.

Franz Beckenbauer ist tot. Wie der Deutsche Fussballbund bestätigte, starb der zweifache Fussball-Weltmeister am Sonntag. Er wurde 78 Jahre alt. Mit seiner Eleganz und Spielübersicht gehörte Beckenbauer zu den besten seines Fachs. Als einem der wenigen wurde er sowohl als Spieler 1974 und als Trainer der deutschen Nationalmannschaft 1990 Weltmeister. In den 1970er Jahren lebte Beckenbauer in der Innerschweiz – um Steuern zu sparen.

Der deutsche «Kaiser»

1966 spielte Beckenbauer als Youngster das legendäre Wembley-Finale Deutschland gegen England (2:4 n. V.) und wurde Vizeweltmeister. 1970 brach er sich im WM-Halbfinale gegen Italien das Schulterblatt; die Partie endete 3:4 nach Verlängerung und gilt noch heute als «Jahrhundertspiel». 1972 wurde er Europameister.

"Kaiser Franz" Beckenbauer, links, kickt im GC-Dress - hier im Spiel gegen Dynamo Zagreb 1983
"Kaiser Franz" Beckenbauer, links, kickt im GC-Dress - hier im Spiel gegen Dynamo Zagreb 1983

«Der Kaiser», wie Beckenbauer genannt wurde, nahm an allen legendären Länderspielen Deutschlands in den 1970er Jahren teil, einschliesslich der WM-Vorrundenniederlage (0:1) gegen die DDR 1974 und dem verlorenen EM-Finale gegen die Tschechoslowakei 1976 (3:5 nach Elfmeterschiessen).

Ohne Trainerlizenz führte Beckenbauer die Nationalmannschaft – nach den schlechten Ergebnissen beziehungsweise Auftritten in den 80er Jahren – als «Teamchef» 1990 zum WM-Titel in Italien. Sein Ausspruch, das wiedervereinigte Deutschland werde fussballerisch «auf Jahre unschlagbar sein», wurde für seine Nachfolger und deutsche Teams zu einer schweren Hypothek.

Steuerparadies Schweiz

Ende der 1970er Jahre lebte Franz Beckenbauer zeitweise in der Schweiz: in Sarnen im Kanton Obwalden. Hier aber sorgte er nicht nur für viel Freude, sondern auch für eine Steueraffäre, die die Schweiz erschüttern sollte, wie die «NZZ» schreibt.

Ende der 1970er Jahre lebte Franz Beckenbauer in Sarnen - aus Steuergründen.
Ende der 1970er Jahre lebte Franz Beckenbauer in Sarnen - aus Steuergründen.

Damals spielte Beckenbauer Karriere für New York Cosmos. Für drei Jahre beim US-Club soll er sieben Millionen Mark verdient haben. Damit gehörte er damals international zu den Grossverdienern. Um Steuern zu sparen, habe der Weltstar in Sarnen eine Attikawohnung gekauft. Wie viel Steuern er zahlen musste, sei bis heute geheim. Gerüchte halber sollen es nur 20’000 Franken pro Jahr gewesen, schreibt die «NZZ».

Korruptionsvorwürfe und Glaube

Zu einem Höhepunkt – und nachträglichen – Tiefpunkt seiner Lebenskarriere wurde Beckenbauers Engagement für die Fussball-WM in Deutschland 2006. Gesellschaftlich und sportlich war das «Sommermärchen» mit einer knappen Halbfinalniederlage und dem dritten Platz ein voller Erfolg. Doch nachträglich wurden dem «Kaiser» Verfehlungen (Korruption) im Wettbewerb um den Austragungsort Deutschland beim Weltfussballverband Fifa nachgewiesen.

Korruptionsvorwürfe und Gesundheitsprobleme: Die letzten Jahre waren nicht einfach.
Korruptionsvorwürfe und Gesundheitsprobleme: Die letzten Jahre waren nicht einfach.

In den letzten Jahren hatte Beckenbauer zunehmend mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Er hinterlässt zwei seiner drei Ehefrauen, vier seiner fünf Kinder sowie eine nach ihm benannte Stiftung, die sich für Menschen in schwierigen Lebenssituationen einsetzt.

Als der frühere Münchner Kardinal Joseph Ratzinger 2005 Papst wurde, inspirierte das Beckenbauer, sich wieder stärker für Kirche und Religion zu interessieren. Die Begegnung mit seinem bayerischen Landsmann Benedikt XVI. im Oktober 2005 im Vatikan bezeichnete der Fussballer als «Höhepunkt in meinem Leben». Seither habe er jeden Tag das Vaterunser gebetet und Kraft und Stärke daraus geschöpft. (kna/am)

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Franz Beckenbauer 2019 | © Keystone / dpa / Ina Fassbender
9. Januar 2024 | 08:00
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