Schweiz

Fulbert Steffensky plädiert dafür, den Charme der Bibel zu entdecken

Luzern, 10.8.19 (kath.ch) Der reformierte Theologe Fulbert Steffensky interessiert sich mehr für die Schönheit als für die Richtigkeit der Bibel. Man könne auf Dauer nur an etwas glauben, was man auch schön finde, sagt er im Interview mit der Zeitschrift «Aufbruch».

Der reformierte Theologe Fulbert Steffensky interessiert an biblischen Texten vor allem deren Schönheit. «Ich lese die Bibel wie ein Buch reicher Hoffnung», sagt er im Interview mit der Zeitschrift «Aufbruch» (239/14. August 2019) Wenn man die Bibel nicht mehr mit vorgeformtem Blick lese, kämen plötzlich ganz andere Sachen zum Vorschein. «Die Richtigkeit interessiert mich zum Beispiel nicht mehr so sehr, sondern die Schönheit der Bibel.»

«Was ist der Charme der Bergpredigt?»

Der in Luzern wohnhafte deutsche Theologe geht davon aus, dass man auf Dauer nur an etwas glauben könne, was man auch schön gefunden habe. «Darum ist es mein Hauptanliegen, den Charme biblischer Geschichten zu entdecken. Was ist der Charme der Bergpredigt oder der Figur Jesu? Was ist der Charme seines Widerstands, der Charme des Hohen Lieds?» Charme meint er dabei nicht nur im äusserlichen Sinn, «man kann das Wort auch mit Würde übersetzen – die Beanspruchung dieser Würde ist ein Stück Schönheit».

Bibel ist nicht «Wort des lebendigen Gottes»

Den Vorwurf, die Bibel zu anthropologisieren, lässt der Theologe durchaus gelten. Sie ist für ihn nicht, wie katholische Lektorinnen und Lektoren nach der Lesung sagen, «Wort des lebendigen Gottes».  »Es gehört zu unserer Würde, dass wir an der Entstehung der Wahrheit mitarbeiten, indem wir die Texte interpretieren.» Das aber bedeute, «etwas von sich und seiner Zeit dazutun». Entsprechend sei jede Generation eine neue Bibelinterpretin, und jede Interpretation sei auch ein Stück Verfälschung. «Jede Predigt arbeitet an der Wahrheit und verfälscht, indem man sich selbst einbringt. Das muss so sein.»

«Wir fallen nicht aus der Hand Gottes.»

Auf den Tod angesprochen, formuliert der 86-Jährige Sätze, ohne die er nicht auskommen möchte: «Wir fallen nicht aus der Hand Gottes, wir fallen nicht in eisige Tiefen, Gott wird uns das Lächeln zurückgeben, Gott wird unsere Tränen trocknen.» Und er hofft, dass er seinen Enkelkindern die Lust und die Geduld, «den Charme der Bibel zu entdecken», vermachen kann. (sys)

Li Hangartner und Fulbert Steffensky | © Boris Burkhardt
10. August 2019 | 08:02
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