Schweiz

Zum 26. Mal «Beten und Zeugnis geben» – Zwei Glockengeschichten

Freiburg i.Ü., 8.11.15 (kath.ch) Zum 26 Mal fand das katholische Treffen «Beten und Zeugnis geben» in Freiburg statt, das sich vor allem an die kirchliche Jugend richtet. Höhepunkte sind eine Fackel-Prozession durch die Stadt, ein Gottesdienst und ein Gala-Treffen an der Universität Freiburg. Dieses Jahr besuchten am Wochenende 7./8. November wiederum rund 1300 Personen den Anlass.

Maurice Page

Die Besucherzahlen hielten sich auf dem Niveau der Vorjahre. Rund die Hälfte der Teilnehmer waren junge Menschen, die aus der Westschweiz und auch aus anderen Regionen nach Freiburg reisten. Das Treffen will unter anderem der «Krise der Berufungen», wie cath.ch am 8. November schreibt, entgegen wirken. Berufung wird dabei weit gefasst. Eingeschlossen in den Begriff sind das Eheleben, das Ordensleben und alle weiteren Einsätze, die auf eine bessere Welt hinführen. Das Treffen will Jugendlichen dabei einen Weg weisen.

Dies geschieht unter anderem über Personen, die an dem Treffen Zeugnis von ihrem Weg geben. Ganz verschiedene Lebensläufe kamen dabei zur Sprache. Aus Paris war der Priester Jean-Philippe Chauveau angereist, welcher der Kommunität St-Jean (St. Johannes Gemeinschaft) angehört. Er kümmert sich um Obdachlose, Süchtige, Menschen in Gefängnissen, Prostituierte, kurz um Menschen, die sich in sehr schwierigen Lebenssituationen befinden. «Diese Menschen zeigen, was Liebe und Sanftmut ist, was neutrales Hinhören und Vertrauen bedeuten. Sie haben mich immer wieder korrigiert», so der Geistliche

Hinaus aus der Glasglocke

Eine Teilnehmerin, die Zeugnis über ihr Leben gibt, ist Eléonore. Sie entstammt einer strenggläubigen Familie. Rosenkranz, Gottesdienst und Gottesverehrung sind ihr vertraut. Sie habe aber in einer geschlossen Welt gelebt, erzählte die junge Frau in Freiburg. Alles, was sich ausserhalb dieser Glasglocke befand, galt als schlecht und sündig. Sie empfand ihr Leben als eine Leere, in der sie Jesus nie begegnet sei. In der Gemeinschaft Eucharistein habe sie schliesslich erfahren, was Freude und Vertrauen bedeutet. Aus ihrem Lebenslauf hat sie folgende Erfahrung gezogen: «Ich muss meinen Glaube als Liebe leben und zwar nicht nur, um mich zu versichern, dass ich alles tue, wie es sein muss. Gott liebt dich auch, wenn du alles verkehrt machst».

Bretone, Seemann und Steuermann von U-Booten: Das ist das Kürzestporträt von Frédéric, der sich eine Zeitlang als Buddhist sah. Seine Frau Awa war Muslimin und wurde Christin. Heute bilden die beiden mit ihren zwei Töchtern eine Familie. Zu ihrem Lebenslauf erklärten die Eltern in Freiburg: «Wir müssen oft gegen den Strom schwimmen. Es lohnt sich aber.»

Myriam Teresa lebt heute in einem Karmelitinnenkloster im Kanton Freiburg. Die junge Frau erklärte in Freiburg, sie sei lange in einem Kreisel herum gefahren, bevor sie den richtigen Ausgang fand und sich für das Ordensleben entschied – «aber nicht bei den Karmelitinnen», so die Ordensfrau in Freiburg. Schliesslich besann sie sich eines Besseren und trat trotz erster Widerstände doch im Karmel ein. Nun sagt sie von sich: «Heute bin ich eine glückliche und freie Frau und unterwegs zu Besserem.»

Vom Glockengeläut zum Gottesdienst

Pascal haben Glocken zur Priesterberufung geführt. Wie viele junge Menschen erhielt er die erste Kommunion und wurde gefirmt. «Das sagte mir aber nicht viel», so Pascal, der sich für das Studium der Rechte entschied und während der Studienzeit unweit einer Kirche wohnte. An einem Sonntagmorgen weckten ihn nach einer durchgefeierten Nacht die Glocken. Er begab sich zur Messe und hörte vom Treffen «Beten und Zeugnis geben». Er erklärte sich bereit, bei der Organisation mitzuhelfen. Schliesslich entschied er sich, ganz in den Dienst der Kirche zu treten und wurde Priester.

Solche Zeugnisse von Menschen bilden ein Grundelement des Gebetstreffens in Freiburg. Ebenso wichtig sind aber auch Begegnungen und Konzerte, die das Treffen abrunden. Neben dem Zeugnis von Einzelpersonen ist auch das gemeinsame Zeugnisgeben essentiell: Am Samstagabend beteiligten sich rund tausend Personen an der Prozession durch Freiburg. 25 Priester begleiteten sie und nahmen während drei Stunden die Beichte ab. (cath.ch/gs)

Rockmusik am Treffen «Beten und Zeugnis geben» | © 2015 Maurice Page
9. November 2015 | 16:34
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