Gewalt
Schweiz

Frauenbund Schweiz: «Femizide verletzen Würde von Frauen und göttliche Schöpfung»

Die katholische Organisation Frauenbund Schweiz ortet eine «besorgniserregende Zunahme an Femiziden». Mit ihrem Positionspapier unterstützt sie die erste nationale Präventionskampagne zu Gewalt an Frauen, die Bundesrätin Baume-Schneider am Dienstag lanciert hat.

Regula Pfeifer

Am Dienstag hat Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider die erste nationale Präventionskampagne gegen häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt lanciert, wie in einer Mitteilung des Bundes zu lesen ist.

Am Mittwoch hat sich der Frauenbund Schweiz dazu gemeldet. Die grösste Frauenorganisation der Schweiz, die sich mit «überraschend anders katholisch» labelt, schliesst sich dem Anliegend vollumfänglich an. Sie hat ein eigenes Positionspapier dazu entwickelt.

Würde und Schöpfung

«Femizide verletzen nicht nur die Würde von Frauen, sondern auch die göttliche Schöpfung», schreibt der Frauenbund Schweiz darin. «Darum tragen wir als katholische Frauenorganisation die Verantwortung, aufzuklären, hinzuschauen und gemeinsam Wege zu finden, damit Frauen in Sicherheit und Gleichwürdigkeit leben können.»

Katharina Jost Graf und Pia Viel leiten im Co-Präsidium den Frauenbund Schweiz.
Katharina Jost Graf und Pia Viel leiten im Co-Präsidium den Frauenbund Schweiz.

In der Schweiz ist es seit Anfang Jahr zu 18 Femiziden gekommen – also zur Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind. Der Frauenbund spricht von einer «besorgniserregende Zunahme». Im Vorjahr starben 22 Frauen wegen Femizid.

«Ein Femizid liegt vor, wenn die Tat im Zusammenhang mit solchen Vorstellungen steht: wenn eine Frau ‹bestraft› wird, weil sie sich trennt, eigene Wege geht oder die ihr zugeschriebene Rolle nicht erfüllt», schreibt der Frauenbund.

Über 21’000 Straftaten im häuslichen Bereich

Ein Femizid ist die Spitze des Eisbergs und die extremste Form von Gewalt an Frauen. Laut Mitteilung des Bundes registrierte die Polizei im Jahr 2024 insgesamt 21’127 Straftaten im Bereich häuslicher Gewalt. Das waren 6 Prozent mehr als im Vorjahr – und rund 40 Prozent aller polizeilich registrierten Straftaten. 70 Prozent der Opfer waren Frauen. Mehr als die Hälfte aller Tötungsdelikte in der Schweiz finden laut Mitteilung im häuslichen Umfeld statt.

Plakat zur Präventionskampagne gegen Gewalt an Frauen
Plakat zur Präventionskampagne gegen Gewalt an Frauen

Der Frauenbund fordert in seiner Stellungnahme dringend dazu auf, die Gewalt an Frauen sichtbar zu machen, den Schutz zu verbessern, vorzubeugen und Zeichen zu setzen.

Hilfestellungen für Betroffene

Die nationale Präventionskampagne gegen häusliche, sexualisierte und geschlechtsbezogene Gewalt wurde vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann entwickelt – in Zusammenarbeit mit einer breiten Allianz von Bund, Kantonen, Gemeinden und Organisationen der Zivilgesellschaft. Sie ist auf mehrere Jahre angelegt und richtet sich an verschiedene Zielgruppen. Dies heisst es in einer Mitteilung des Bundes. Die Kampagne ist Teil der Gleichstellungsstrategie 2030 des Bundes.

Die mehrjährige Präventionskampagne will den verschiedenen Betroffenengruppen Hilfestellungen bieten. In einer ersten Phase richtet sie sich vorrangig an Gewaltbetroffene, in einer zweiten Phase an deren Umfeld und in einer dritten Phase an potenzielle Tatpersonen.

Bald «16 Tage gegen Gewalt an Frauen»

Die traditionelle Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» findet jedes Jahr vom 25. November bis 10. Dezember statt. Organisationen und Einzelpersonen setzen an verschiedenen Orten der Schweiz ein Zeichen gegen geschlechtsspezifische Gewalt, machen Betroffenheit sichtbar und stärken den Einsatz für Menschenrechte. Die Kampagne wurde 1991 vom Women›s Global Leadership ins Leben gerufen. In der Schweiz lancierte die feministische Friedensorganisation Frieda (vormals Christlicher Friedensdienst) erstmals 2008 die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen». (rp)


Gewalt | © European Parliament/Pietro Naj-Oleari
13. November 2025 | 12:00
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