Gerettete Bootsflüchtlinge in Italien | © KEYSTONE Alessandro Fucarini
Schweiz
Gerettete Bootsflüchtlinge in Italien | © KEYSTONE Alessandro Fucarini

Flüchtlingsdrama: Caritas fordert Bundesrat zum Handeln auf

Luzern, 22.4.15 (kath.ch) Nach dem Flüchtlingsdrama im Mittelmeer gelangt das katholische Hilfswerk Caritas mit drei Forderungen an den Bundesrat. Er soll über die diplomatischen Kanäle darauf hinarbeiten, dass in Europa mehr Flüchtlinge aufgenommen werden. Die Schweiz soll es wieder ermöglichen, dass Flüchtlinge in einem Drittstaat ein Asylgesuch stellen können. Die Hilfe für die syrischen Kriegsvertriebenen soll auf mindestens 100 Millionen Franken pro Jahr aufgestockt werden.

Einmal mehr haben Hunderte von Flüchtlingen im Mittelmeer ihr Leben verloren, schreibt das Hilfswerk. Nach der Katastrophe, bei welcher am vergangenen Wochen beim Kentern eines Flüchtlingsschiff vermutlich 900 Menschen ihr Leben verloren, sei offenkundig: Eine Flüchtlingspolitik scheitere, wenn sie in erster Linie auf geschlossene Grenzen und auf Abschreckung setze. Menschen, die wegen Krieg, Gewalt und fehlender Zukunftschancen aus Syrien, Eritrea, Irak oder Nordafrika vertrieben würden, liessen sich von den tödlichen Gefahren der Flucht- und Schlepperwege nicht aufhalten.

Es brauche deshalb «endlich eine realistische und zugleich humanitäre Flüchtlingspolitik, die sich nicht von nationalen Egoismen leiten lässt, sondern sich europaweit der verdrängten Katastrophe im Mittelmeer stellt».

Diplomatische Kanäle aktivieren

Die Bereitschaft des Bundesrates, 3000 zusätzliche Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen, nennt Caritas ein positives Zeichen. Als vollberechtigtes Mitglied des Schengenraumes solle die Schweiz aber auch aussen-politisch eine aktivere Rolle übernehmen. Das Hilfswerk erwartet, dass die Schweizer Diplomatie auf die anderen Schengen-Staaten zugeht, um sie für die Aufnahme einer höheren Zahl von Flüchtlingen zu gewinnen. Die Schweizer Diplomatie müsse sich genauso für humanitäre Anliegen einsetzen, wie sie dies auch für wirtschaftliche Interessen tue.

Den Schlepperbanden, die mit der Not und dem Elend von Menschen ein Geschäft machten, könne das Handwerk nur gelegt werden, wenn Menschen auf der Flucht legal nach Europa gelangen und einen Antrag auf Asyl stellen könnten. Deshalb müsse die Schweiz die 2013 abgeschaffte Möglichkeit wieder einführen, dass Vertriebene auf einer Schweizer Botschaft in einem Drittstaat ein Asylgesuch stellen könnten. Dies sei, so die Caritas, ein wirksames Instrument zur Rettung verfolgter Menschen.

Schliesslich fordert die Caritas, dass die Schweiz ihre humanitäre Hilfe für die syrischen Kriegsvertriebenen auf mindestens 100 Millionen Franken pro Jahr aufstocken müsse: «Der Krieg um Syrien hat die gegenwärtig grössten Flüchtlingsströme ausgelöst. Die politischen Parteien von links bis rechts betonen immer wieder, dass sie die Hilfe vor Ort richtig und dringlich finden.» Ihren Worten sollten nun endlich Taten folgen, schreibt das Hilfswerk. (gs)

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