Anhörung im Strafprozess um den Finanzskandal im Staatssekretariat vor dem vatikanischen Strafgericht am 27. Juli 2021 im Vatikan mit den Richtern Venerando Marano (l.), Giuseppe Pignatone (m.) und Carlo Bonzano (r.). Über der Richterbank hängt ein Kruzifix, an der Wand daneben ein Bild von Papst Franziskus.
Vatikan

Finanz-Mammutprozess im Vatikan wird fortgesetzt

Der Mammutprozess im Vatikan rund um Finanzgeschäfte des Staatssekretariats wird am Mittwoch fortgesetzt. Dabei wird es um nachgereichtes Beweismaterial der vatikanischen Strafverfolgung gehen.

Anfang Oktober hatte der zuständige Richter Giuseppe Pignatone Strafverfolger Alessandro Diddi erneut aufgefordert, verwendetes Video- und Audiomaterial dem Gericht sowie den Verteidigern der zehn Angeklagten zur Verfügung zu stellen.

Die Verteidigung hatte eine Fortsetzung des Prozesses ohne diese Materialien für unmöglich erklärt. Eine erste Frist nach dem Prozessauftakt Ende Juli liess Diddi verstreichen und begründete dies mit dem Schutz der Persönlichkeitsrechte der Beteiligten. Anfang November soll Diddi Medienberichten zufolge dann doch rund 50 Video- und Tonaufnahmen nachgereicht haben; diese seien jedoch unvollständig gewesen.

Mangelnde Transparenz?

Insbesondere bei der Befragung des Hauptzeugens Alberto Perlasca seien Elemente herausgeschnitten worden, so die Zeitung «Il Messaggero». Auch bei Angeklagten, etwa den Finanzmanagern Gianluigi Torzi und Raffaele Mincione, fehlten Aufnahmen. Teils gebe es auch keine Abschriften.

Die insgesamt zehn Angeklagten sollen an verlustreichen Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro in eine Londoner Luxusimmobilie beteiligt gewesen sein. Auch Spendengelder dürften davon betroffen sein. Mit Becciu sitzt zudem – infolge einer Rechtsanpassung durch Papst Franziskus – erstmals ein Kardinal auf der Anklagebank.

Weitere prominente Angeklagte

Weitere Angeklagte sind unter anderen Beccius Sekretär Mauro Carlino, der Schweizer Finanzexperte und Ex-Präsident der vatikanischen Finanzaufsicht, Rene Brülhart, die Finanzmanager Torzi und Mincione sowie die Sicherheitsberaterin Cecilia Marogna. Die Vorwürfe reichen von Amtsmissbrauch, Veruntreuung und Geldwäsche bis hin zu Betrug und Erpressung.

Der Hauptzeuge Perlasca war viele Jahre Verwaltungsleiter der ersten Abteilung im Staatssekretariat. Er schloss im Auftrag Beccius und seines Nachfolgers Erzbischof Edgar Pena Parra erste Verträge mit den angeklagten Finanzmanagern Mincione und Torzi. Mittlerweile lebt er wieder in seinem Heimatbistum Como. (cic)


Anhörung im Strafprozess um den Finanzskandal im Staatssekretariat vor dem vatikanischen Strafgericht am 27. Juli 2021 im Vatikan mit den Richtern Venerando Marano (l.), Giuseppe Pignatone (m.) und Carlo Bonzano (r.). Über der Richterbank hängt ein Kruzifix, an der Wand daneben ein Bild von Papst Franziskus. | © KNA
15. November 2021 | 13:26
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