Werner Inderbitzin, Präsident Kirchenvorstand der römisch-katholischen Kantonalkirche Schwyz | © 2015 zVg
Schweiz
Werner Inderbitzin, Präsident Kirchenvorstand der römisch-katholischen Kantonalkirche Schwyz | © 2015 zVg

Biberbruggerkonferenz zum Fall Bürglen: «Ohne Rücknahme der Demissionsforderung droht zweites Röschenz»

Schwyz 18.2.15 (Kath.ch) Der Pfarrer in Bürglen, Wendelin Bucheli, ist aufgrund der Rechtslage im Kanton Uri gewählt. Die Kirchgemeinde Bürglen werde hart bleiben, wenn Bischof Vitus Huonder die Demissionsaufforderung nicht zurücknimmt. Davon geht Werner Inderbitzin, Sprecher der Biberbruggerkonferenz, dem Zusammenschluss der Kantonalkirchen des Bistums Chur, aus.

Georges Scherrer

Der Entscheid in Bürglen entspricht dem typischen Vorgehen der Bistumsleitung in Chur, erklärte der Schwyzer alt Regierungsrat gegenüber kath.ch. Diese handle «ohne Rücksprache mit dem für Personalfragen in der Urschweiz zuständigen Generalvikar Martin Kopp und ohne Rücksicht auf Verluste». Er könne aufgrund der Rechtslage ein gewisses Verständnis für den Entscheid von Bischof Vitus Huonder aufbringen, so der Sprecher weiter. Ein «interner Verweis oder eine Ermahnung» hätte jedoch genügt. «So wie es jetzt geschehen ist, geht man aber nicht mit Mitarbeitern um», sagte Inderbitzin.

Der neuste Personalentscheid der Bistumsleitung könne das Verhältnis zur Biberbruggerkonferenz nicht «verschlechtern. Denn das Verhältnis kann nicht frostiger werden.» Der Churer Generalvikar Martin Grichting fordere nachwievor die Abschaffung der sogenannten «Kantonalkirchen» und plädiere gegen die Steuerhoheit der Kirchgemeinden. «Bei dieser ganzen Affäre in Bürglen hat Generalvikar Grichting sicher massgebend mitgewirkt.»

Kantonalkirche muss Bürglen unterstützen

Der Fall Bürglen ändere nichts an der Situation in den Bistumskantonen. «Wir waren immer solidarisch miteinander und teilen die Meinung über den aktuellen Bischof von Chur. Wir verstehen nicht, dass auf pastoraler Seite nicht endlich einmal etwas geschieht und mehr rebelliert wird.»

Der Pfarrer in Bürglen sei aufgrund der Rechtslage, in welcher die Kantonalkirchen verankert sind, gewählt. «Ich gehe davon aus, dass die Kirchgemeinde Bürglen hart bleiben wird, wenn der Bischof nicht vernünftig reagiert und eine entsprechende interne Lösung anpeilt, das heisst, die Demissionsaufforderung zurücknimmt. Wenn er das nicht tut, dann haben wir vermutlich ein zweites Röschenz.» Die Kantonalkirche Uri könne dann nichts anders tun, als ihrem Mitglied, der Kirchgemeinde Bürglen, ihre volle Unterstützung zu gewähren. Im Fall Röschenz verlor das Bistum Basel vor dem Kantonsgericht Basellandschaft, weil Bischof Kurt Koch einem Priester unrechtmässig die kirchliche Beauftragung entzogen hatte.

In Rom sollte endlich ein Lichtlein aufgehen

Bischof Vitus Huonder und sein Generalvikar Martin Grichting hätten dem Image der katholischen Kirche Schweiz und insbesondere des Bistums Chur «Schaden zugefügt». Inderbitzin würde wünschen, dass es den Bischöfen der anderen Bistümer in der Schweiz am Herzen liegen würde, die Situation zu befriedigen. «In den Schlagzeilen ist immer das Bistum Chur. Das sollte doch gewissen Stellen in Rom doch langsam zu denken geben.»

Der ehemalige Schwyzer Regierungsrat geht davon aus, dass einige Katholiken wegen der Eskalation in Bürglen aus der Kirche austreten. Er rechnet jedoch nicht mit einem Massenausstritt. Zu sich selber sagt er: «Ich bin nicht einer der austritt. Ich trete auf.»

Die Biberbrugger-Konferenz hat sich 1992 während des Konflikts um den damaligen Bischof von Chur, Wolfgang Haas, gebildet und ist nach dem Ort benannt, wo sie sich erstmals traf. (gs)

 

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