Erwin Koller
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Erwin Koller kritisiert Bischof Joseph Bonnemain in der Causa Monika Schmid

Der pensionierten Gemeindeleiterin Monika Schmid und weiteren Personen wurden «liturgischen Missbrauch» vorgeworfen. Bischof Joseph Bonnemain nehme sie als «Gemeinschaft von liturgisch Verantwortlichen überhaupt nicht ernst», sagt der Theologe Erwin Koller. Sein Handeln widerspreche nicht nur pastoraler Klugheit, sondern auch dem päpstlichen Schreiben «Desiderio desideravi».

«Seit dem Januar 2023 liegen die Ergebnisse auf dem Tisch des Bischofs. Weil jedoch ein halbes Jahr später und fast ein Jahr nach jener Eucharistiefeier in dieser euch belastenden Sache noch immer kein Entscheid vorlag, habe ich mich Mitte Juli entschlossen, selber aktiv zu werden.

«Wo Hirten versagen, müssen Bürger in die Bresche springen.»

Ich halte eine solche Verschleppung den Mitarbeitenden gegenüber für unwürdig und sie steht einem Unternehmen, das etwas auf sich hält, schlecht an. Im Namen des neutestamentlich gebotenen Freimuts (Parrhesie, vgl. Apg 4,13) drängte es mich, als einfacher Christ und Mitglied eurer Pfarrei das Wort zu ergreifen und als wachsamer Anwalt der religiösen Öffentlichkeit einen Kirchbürgerbrief zu schreiben. Wo Hirten versagen, müssen Bürger in die Bresche springen. (…)

Abschiedsgottesdienst von Monika Schmid in Effretikon
Abschiedsgottesdienst von Monika Schmid in Effretikon

Inzwischen habe ich vernommen, dass Bischof Joseph Bonnemain nach seinem Besuch in Rom nun endlich handeln will. Ich hoffe gerne, dass er die Sache zu einem guten Abschluss führen wird. Aber ich kann nicht verhehlen, dass mich zwei Dinge sehr befremden.

«Von einem Verzicht darauf könnte Rom ja nur profitieren.»

Warum muss ein Bischof nach Rom pilgern, um in einer seelsorgerlichen Frage seiner Diözese zu entscheiden? Was wissen die Herren in Rom denn wirklich besser als die obgenannten Agitatoren? Gibt es einen triftigeren Beweis für die ver-rückten und disproportionalen Massstäbe als solche Verfahren? Von einem Verzicht darauf könnte Rom ja nur profitieren.

«Das widerspricht nicht nur pastoraler Klugheit, sondern auch jenem päpstlichen Schreiben.»

Vor allem aber irritiert mich, dass Bischof Joseph Bonnemain einmal mehr mit jeder und jedem Einzelnen von euch reden und je separat Dokumente aushändigen will. Er nimmt euch damit als Gemeinschaft von liturgisch Verantwortlichen überhaupt nicht ernst. Das widerspricht nicht nur pastoraler Klugheit, sondern auch jenem päpstlichen Schreiben, das mir Bischof Joseph Bonnemain in seinem Brief vom 1. Februar 2023 zur Lektüre empfohlen hat, das Lehrschreiben «Desiderio desideravi».

Darin wird Papst Franziskus nicht müde, auf den gemeinschaftlichen Charakter der Liturgie hinzuweisen und gegen jeden Individualismus anzukämpfen: «In der Liturgie heisst es nicht ‘ich’, sondern ‘wir’, und jede Einschränkung des Umfangs dieses ‘wir’ ist immer dämonisch».»

Das schrieb der Theologe Erwin Koller in einem Kirchenbürgerbrief an die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Kirchgemeinde Effrektikon. Erschienen ist der Brief in voller Länger im «Aufbruch». Der Brief richtet sich an Monika Schmid, Pater Josef Regli, Marion Grabenweger, Stefan Arnold und Felix Hunger. Eine Kopie ging an Bischof Joseph Maria Bonnemain und an Cornel Dora, Präsident der Kirchenpflege Effretikon. Er reagierte damit auf den Verabschiedungsgottesdienst der Theologin und Gemeindeleiterin Monika Schmid in den Ruhestand vor einem Jahr und den ihr vorgeworfenen «liturgischen Missbrauch». (jas)


Erwin Koller | © Screenshot SRF
19. August 2023 | 17:00
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