Das Grossmünster in der Altstadt von Zürich.
Schweiz

Bischof Bonnemain und Grossmünster-Pfarrer: Franz von Assisi-Anlass in Bodega entwickelt

Zum 800. Todestag von Franz von Assisi findet im Zürcher Grossmünster eine ökumenische Feier statt – in einem aussergewöhnlichen Format. An mehreren Stationen thematisieren Kirchen und religiöse Gemeinschaften unterschiedliche Aspekte mit Bezug zu Franziskus. Die Idee dazu ist im spanischen Kultrestaurant entstanden.

Barbara Ludwig

Vor 800 Jahren, am Abend des 3. Oktober 1226, starb Franz von Assisi. Er sei eine der prägendsten Figuren der Kirchengeschichte, die bis heute Menschen weit über die katholische Kirche hinaus fasziniere, heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung des Bistums Chur und der Zürcher Altstadtkirchen, die heute alle reformiert sind.

Seines Todestages wird am Sonntag, 4. Oktober, mit einem aussergewöhnlichen Gottesdienstformat gedacht. Nach einem gemeinsamen Beginn mit Grossmünsterpfarrer Christian Walti und dem Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain sowie einem kurzen Impuls von Bettina Lichtler, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Kanton Zürich, können sich demnach Besucherinnen und Besucher während rund 40 Minuten frei zwischen acht Stationen in und um das Grossmünster bewegen.

Patron des Umweltschutzes

«Die Stationen werden von Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Kirchen, Gemeinschaften und Organisationen gestaltet und greifen unterschiedliche Facetten des Lebens und Wirkens von Franziskus auf, die sie auf zeitgemässe Weise erfahrbar machen», heisst es weiter.

Franz von Assisi, von der katholischen Kirche als Heiliger verehrt, stehe bis heute für freiwillig gewählte Armut und eine besondere Verbundenheit mit Tieren, Natur und Schöpfung. Papst Johannes Paul II. erklärte ihn 1979 zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie. Diese Aspekte werden am 4. Oktober an verschiedenen Stationen aufgegriffen.

Tiere werden nicht im Kirchenraum gesegnet

So besteht im Kreuzgang des Münsters die Möglichkeit, mitgebrachte Haustiere segnen zu lassen. Seines Wissens finde hier zum ersten Mal eine Tiersegnung statt, teilt Christian Walti auf Anfrage von kath.ch mit. Er macht darauf aufmerksam, dass die Tiere nicht im Kirchenraum gesegnet werden.

«Dies, weil wir die Musik und die laute Umgebung im Kirchenraum nicht für tierfreundlich halten. Die Tiere können durch einen Seiteneingang direkt von den Halterinnen und Haltern in den Kreuzgang geführt werden», erklärt der Grossmünsterpfarrer. Die reformierte Pfarrerin Cornelia Camichel und der christkatholische Pfarrer Lars Simpson werden die Tiere segnen.

Thomas Bucheli wirkt an der Station zum Klima mit

An einer anderen Station stehen der Meteorologe Thomas Bucheli, ehemaliger Leiter von SRF Meteo, sowie Markus Staudinger für Fragen zu Wetter, Klima und Klimawandel zur Verfügung, so das Communiqué. Staudinger ist Beauftragter für Nachhaltigkeit der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

In der Sakristei gestaltet das Sozialwerk Pfarrer Sieber eine Ausstellung zum Thema Armut. Die Station zum Sonnengesang von Franz von Assisi wird von der Franziskaner-Gemeinschaft in Zürich betreut. «Der von Franziskus verfasste Hymnus bringt seine tiefe Verbundenheit mit der Schöpfung zum Ausdruck.»

Das Gespräch mit dem Sultan

Die Feier in Zürich enthält auch eine interreligiöse Komponente. Auch hier gibt es einen Link zu Franz von Assisi. Denn bis heute wirke, so heisst es in der Mitteilung, seine Begegnung mit dem ägyptischen Sultan al-Malik al-Kamil als «bemerkenswertes Beispiel für den interreligiösen Dialog». In einer Zeit religiöser und militärischer Konfrontation habe Franziskus das persönliche Gespräch über Glaubensgrenzen hinweg gesucht.

Die interreligiöse Station wird von Muris Begovic und dem Grossmünsterpfarrer betreut. Begovic ist Imam, Armeeseelsorger und Präsident der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (Vioz). «Ich werde dort mit Muris Begovic über die Bedeutung von Franziskus für Muslime und den heutigen Stand des interreligiösen Dialogs sprechen», schreibt Walti.

Weitere der insgesamt acht Stationen sind laut dem Pfarrer dem stillen Gebet gewidmet.

Idee entstand bei einem Mittagessen

Die Initiative zur ökumenischen Feier geht auf eine Initiative von Walti und dem Churer Bischof zurück. «Es war eine gemeinsame Idee von Bischof Bonnemain und mir – bei unserer Lieblingsbeschäftigung: dem gemeinsamen Mittagessen in der Bodega Espanola», so der Pfarrer.

An der Feier wirken auch Vertreterinnen und Vertreter des Verbands Orthodoxer Kirchen im Kanton Zürich, der Neuapostolischen Kirche, der Evangelisch-Methodistischen Kirche Schweiz sowie der Anglikanischen Kirche in Zürich mit.

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Das Grossmünster in der Altstadt von Zürich. | © Zürich Tourismus
2. Oktober 2026 | 14:00
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