Kloster Einsiedeln | © Sylvia Stam
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Kloster Einsiedeln | © Sylvia Stam

Erstmals Notizen von Zwingli im Kloster Einsiedeln gefunden

Einsiedeln SZ, 28.8.17 (kath.ch) Der Historiker Urs Leu von der Zürcher Zentralbibliothek hat letzte Woche in einem Buch der Klosterbibliothek Einsiedeln handschriftliche Notizen Zwinglis gefunden. In einem Kodex aus dem 9. Jahrhundert hat der Zürcher Reformator drei kurze Sätze an den Rand notiert, bestätigte Leu einen Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ, 25. August) gegenüber kath.ch.

Die Notizen befinden sich im Kodex 125 der Stiftsbibliothek Einsiedeln, es handelt sich dabei um einen Kommentar des Kirchenvaters Hieronymus zum Buch Jesaja. In seinen Randnotizen korrigiert Zwingli drei Abschreibefehler, sagte der Historiker Urs Leu gegenüber kath.ch. Er leitet die Abteilung Alte Drucke der Zentralbibliothek Zürich.

Für Leu war rasch klar, dass es sich bei den mit schwarzer Tinte geschriebenen Randbemerkungen um Huldrych Zwinglis Handschrift handelte. «Da ich etwa 200 Bücher mit Notizen Zwinglis durchgesehen habe, kenne ich seine Handschrift, die im Lauf der Zeit stark variiert», sagte Leu gegenüber kath.ch. Leu erkannte dies am Duktus der Buchstaben und an der charakteristischen Form des «d». Somit wurde laut Zeitung erstmals eine Spur Zwinglis im Kloster Einsiedeln entdeckt.

Spur blieb lange unentdeckt

Zwingli war von 1516 bis 1518 Leutpriester im Benediktinerkloster Einsiedeln, ehe er in derselben Funktion nach Zürich berufen wurde, wo er ab 1519 als Grossmünsterpfarrer wirkte. Seine Tätigkeit in Einsiedeln ist gemäss NZZ gut dokumentiert. Dennoch fehlte bislang eine konkrete Spur von ihm selber in Einsiedeln.

Zwingli notierte laut Zeitung in Büchern offenbar öfters Randbemerkungen. Dies werde in seinen eigenen Büchern sichtbar, welche heute in der Zentralbibliothek Zürich aufgearbeitet würden. Bei dieser Arbeit sei Urs Leu auf eine Notiz in Zwinglis Ausgabe des Hieronymus-Kommentars zum Buch Jesaja gestossen. Zwingli habe hier am Rand eine abweichende Textform notiert, wie er es oft getan habe. An einer Stelle habe er die Bemerkung hinzugefügt, er habe diese Lesart in einem Kloster gesehen.

Schon der Zwingliforscher Walther Köhler hat laut Leu 1941 angenommen, dass es in Einsiedeln einen Hieronymus-Kommentar zum Buch Jesaja geben müsse. Weil er den entsprechenden Kodex jedoch nicht fand oder nicht eingesehen habe, blieb diese Spur bis jetzt unentdeckt. Leu entdeckte die Handnotiz von Zwingli am 17. August. (sys)

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