Schweiz

Ein Kämpfer für soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung

Er forderte die Abschaffung des Pflichtzölibats und das Frauenpriestertum: Vergangene Woche starb der Journalist und Seelsorger Bernard Bavaud.

Raphaël Zbinden, cath.ch / Adaption: Ueli Abt

Bernard Bavaud, ehemaliger Generalsekretär der Organisation «Frères sans frontières», ehemaliger Journalist und sozialdemokratischerAbgeordneter, starb am 30. Oktober 2020 im Krankenhaus von Riaz (FR), am Vorabend seines 83. Geburtstags.

Gegen Ungerechtigkeit in der Welt

Bernard Bavaud war eine bekannte Persönlichkeit in der Region Freiburg. Er engagierte sich für die Armen und gegen Ungerechtigkeiten in der Welt, und er setzte sich auch für Reformen in der Kirche ein. Insbesondere forderte er ein Ende des Zwangszölibats für Priester sowie den Zugang zum Priestertum für Frauen. Dies zwei der Positionen in einem eher ungewöhnlichen Lebenslauf.

Ein engagiertes Paar

Bernard Bavaud wurde am 1. November 1937 in Fribourg geboren. 1962 wurde er zum Priester geweiht. Er begann seine kirchliche Laufbahn als Pfarrer in einer Lausanner Pfarrei.

Anfang der 1970er Jahre beschloss er, nach Brasilien zu ziehen. Dort traf er Marie-Françoise Rey, eine in Fribourg ansässige Entwicklungshelferin von «Frères sans frontières», dem christlichen Dienst für Entwicklung, der 1997 zu «E-Changer» wurde. Sie beschliessen zu heiraten, und Bernard Bavaud beginnt damit, sich von seinen klerikalen Pflichten zurückzuziehen.

Marie-Françoise und Bernard Bavaud haben drei Töchter in Brasilien. Sie kehren für eine Zeit in die Schweiz zurück, wo sie einen Jungen haben. Dann kehren sie nach Brasilien zurück, in die Diözese Crateus (Nordosten), wo sie sich in der Linie der Befreiungstheologie für die Ärmsten und für soziale Gerechtigkeit einsetzen.

1979 wurde Bernard Bavaud gebeten, Generalsekretär von «Brüder ohne Grenzen» in Freiburg zu werden. Er stimmte unter der Bedingung zu, dass seine Frau seine Funktion teilen würde. So leitete das Ehepaar 10 Jahre lang den christlichen Entwicklungsdienst.

Einwanderer beherbergt

1990 wurde Bernard Bavaud Journalist bei der Internationalen Katholischen Nachrichtenagentur (APIC) mit Sitz in Freiburg. Er ging auch in die Politik. Der Sozialdemokrat wurde in den Grossen Rat von Freiburg gewählt. Er engagiert sich auch aktiv in sozialen und gegenseitigen Hilfsbewegungen, insbesondere zugunsten Südamerikas.

In der Schweiz gilt sein Kampf vor allem den Migranten und Asylsuchenden. Im Jahr 2004 wurde er verurteilt, weil er zwei illegale kurdische Einwanderer beherbergt hatte.

Im Jahr 2000 beschloss er, seine pastorale Arbeit wieder aufzunehmen. Dann wandte er sich an Bernard Genoud, den damaligen Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg (LGF), um seinen Ansatz zu erläutern. Der Bischof akzeptierte trotz seines Sonderstatus als «verheirateter Priester», ihn mit einer seelsorgerischen Aufgabe am Kantonsspital Freiburg zu betrauen.

Seine ungewöhnliche Situation hatte die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen. Er war am 10. November 2002 zum RTS-Programm «Un Mise au point» eingeladen worden und hatte sich bei dieser Gelegenheit zum Zölibat der Priester und zum Zugang von Frauen zum Priesteramt geäussert. (cath.ch/arch/rz)

Bernard Bavaud | © Screenshot / RTS
2. November 2020 | 11:52
Teilen Sie diesen Artikel!