Eintracht in kontroversen Fragen – Der deutsche Synoden-Sprachzirkel will Reform der Ehe-Lehre

Rom, 21.10.15 (kath.ch) Seit diesem Mittwoch, 21. Oktober, liegt die ganze Meinungsbreite der Familiensynode in der Frage des kirchlichen Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen auf dem Tisch. Die Positionen in den Stellungnahmen der 13 nach Sprachgruppen unterteilten Debattenzirkeln unterscheiden sich teils erheblich. Immerhin vier davon plädieren für die sorgfältige Prüfung jedes Einzelfalls unter Aufsicht des Bischofs oder des Beichtvaters und schliessen eine Wiederzulassung der Betroffenen zur Kommunion nicht grundsätzlich aus.

Christoph Schmidt

Der deutschsprachige Zirkel mit theologischen Schwergewichten wie dem emeritierten Kurienkardinal Walter Kasper, dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, und Wiens Kardinal Christoph Schönborn, geht noch einen Schritt weiter und befürwortet eine Reform der katholischen Ehe-Theologie durch den Papst. «Wir empfehlen ein vertieftes Studium dieser Fragen mit dem Ziel einer lehramtlichen Neubewertung und einer grösseren Kohärenz der dogmatischen, moraltheologischen und kirchenrechtlichen Aussagen zur Ehe mit der pastoralen Praxis», heisst es in ihrem Ergebnisbericht wörtlich.

Bei der Analyse des Einzelfalls von wiederheirateten Geschiedenen müsse es klare Kriterien geben. So sei es ein Unterschied, ob jemand vom Partner verlassen wurde oder die Ehe durch schwere eigene Schuld zerstört hat. Auch die Situation des geschiedenen Partners, das Verhältnis zu verlassenen Kindern und ob die neue Partnerschaft in der weiteren Familie oder in der Gemeinde Verletzungen oder Ärgernisse verursacht, muss nach Ansicht der Bischöfe eine Rolle spielen.

Kardinal Schönborn konnte Konsens herbeiführen

Bemerkenswert ist die besonders hervorgehobene Einmütigkeit, mit der die Deutschsprachigen die Vorschläge an die Synode angenommen haben. Er nähert sich inhaltlich dem Gedanken von Kasper, Geschiedenen nach einer zweiten, zivilen Heirat nach einem intensiven Weg der Busse wieder Zugang zu den Sakramenten zu ermöglichen. Auch die drei Delegierten der Deutschen Bischofskonferenz, ihr Vorsitzender, Kardinal Reinhard Marx (München), Erzbischof Heiner Koch (Berlin) und Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) hatten ihn bei der Synode unterstützt.

Kardinal Müller jedoch galt lange als Gegner dieser Lösung und äusserte erst in den vergangenen Tagen vorsichtige Kompromissbereitschaft, verwies aber zugleich auf die von Papst Johannes Paul II. geforderte Keuschheit in einer zweiten Ehe nach einer Scheidung. Offenbar waren die Bemühung um einen Konsens und das Vermittlungsgeschick von Kardinal Schönborn am Ende entscheidend. Neben den Deutschsprachigen plädierten auch zwei italienisch- und eine französischsprachige Gruppe für Einzelfallprüfungen.

Aufhorchen liess in dem deutschen Text auch ein Schuldbekenntnis der Bischöfe: Oft habe die Seelsorge durch «harte und unbarmherzige Haltungen» Leid über Menschen gebracht. Dazu zählten «insbesondere ledige Mütter und unehelich geborene Kinder, Menschen in vorehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften, homosexuell orientierte Menschen und Geschiedene und Wiederverheiratete.»

Weiterhin starken Widerstand gegen Öffnung

Die Widerstände gegen eine Öffnung bei den Wiederverheirateten bleiben stark. Drei der 13 Gruppen formulierten ihn explizit. «Bezüglich ihres Zugangs zu den Sakramenten, hat sich der Zirkel für die Beibehaltung der aktuellen Disziplin aus», heisst es etwa in einem Kreis, der vom konservativen afrikanischen Kardinal Robert Sarah geleitet wurde. Zwei englischsprachige äusserten sich ähnlich.

Drei Zirkel wollen das Problem weiter vertiefen, bevor Papst Franziskus darüber entscheidet. Die drei übrigen gehen nur allgemein oder gar nicht auf das Thema ein. Die Mehrheitsverhältnisse zur Frage der Wiederverheirateten lassen sich auch deshalb kaum abschätzen. Offenbar sind viele im Plenum noch unentschieden. In einem CIC-Interview hatte Bischof Bode unlängst gemutmasst, dass ein einstimmiges Ergebnis in einer so kontroversen Gruppe wie der deutschen gerade diese Unschlüssigen beeindrucken könnte. (cic)

21. Oktober 2015 | 17:02
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