Schweiz

Einsiedler Abt: Gesellschaft wird konservativer – auch die Kirche

Einsiedeln, 21.2.15 (kath.ch) Der Fall Bürglen, in welchem der Bischof von Chur, Vitus Huonder, Pfarrer Wendelin Bucheli nahegelegt hat, zu gehen, mache deutlich, dass in der Kirche Schweiz zu wenig miteinander geredet werde, sagte der Abt von Einsiedeln, Urban Federer, gegenüber dem Boten der Urschweiz vom Wochenende. Der entlassene Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz, Simon Spengler, habe wertvolle Arbeit geleistet, lobt der Abt im Interview. Er geht davon aus, dass die Kirche unter Papst Franziskus den richtigen Weg in die Zukunft finden wird.

Zum konkreten Fall Bürglen äussere er sich nicht, da er nicht involviert sei und zu wenig wisse. Dennoch mahnt er an: «Wir müssen in der Kirche lernen, dass wir zuerst mit den Betroffenen sprechen, bevor wir urteilen. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber leider nicht immer.» Sein Bedauern spricht er über den Weggang des Sprechers des Schweizer Bischofskonferenz aus: «Ich schätze Simon Spengler sehr, denn er hat für die Bischofskonferenz wertvolle Arbeit geleistet. »

Federer geht nicht davon aus, dass in der katholischen Kirche Schweiz «der katholisch-konservative Flügel stärker wird». Er werde aber sichtbarer, lauter, polarisierter. Insofern könne der Eindruck einer «Retrobewegung» tatsächlich vorhanden sein.

Dieser Eindruck gelte aber nicht nur für die katholische Kirche. «Ich habe den Eindruck, dass derzeit alles nach rechts rutscht», sagte Federer gegenüber der Zeitung. Nach Wahlen im Kanton Baselland etwa habe eine Zeitung den Titel gesetzt: «Basel rückt nach rechts». Einige Seiten später hiess es, «die Bischöfe rücken nach rechts».

Zu stark auf sich selbst fixiert

Konservativ dürfe man nicht einfach als etwas Negatives sehen, warnt der Abt. «Ich habe aber schon das Gefühl, dass wir oft zu stark auf uns fixiert sind. Es ist gut, wenn es uns gut geht.» Er ermuntert dazu, auch über die eigenen Grenzen hinaus zu schauen.

Papst Franziskus wolle einen Mentalitätswandel in Gang bringen, erklärte der Abt weiter. «Da kann es zu Enttäuschungen kommen. Er will, dass wir unsere Einstellung ändern, dass wir den Menschen wieder ins Zentrum stellen.»

Man müsse sich klar darüber sein, dass der Papst nicht sämtliche Probleme der Welt lösen könne. Abt Federer geht davon aus, dass der aktuelle Papst in so zentralen Fragen wie der Frauenordination oder der Aufhebung des Zölibats «die richtigen Prozesse und Gedanken anschiebt». Der Einsiedler Abt wünscht sich, dass etwas in Bewegung kommt. «Wichtig ist, dass wir bei allen Fragen offen bleiben.» (gs)

 

 

Urban Federer © bischoefe.ch
21. Februar 2015 | 12:36
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