Statue von Niklaus von Flüe | © bruderklaus.com
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Statue von Niklaus von Flüe | © bruderklaus.com

Eine Minute Stille für den Eremiten

Sarnen, 30.4.17 (kath.ch) Wie gedenkt man in heutiger Zeit eines Eremiten? Schweigend! kath.ch-Redaktorin Sylvia Stam schreibt in ihrem Kommentar, weshalb die Schweigeminute für sie der stärkste Moment des Staatsakts war.

Es war der stärkste Moment während des ganzen Staatsakts: Nach Festrede und Grusswort forderte Landammann Franz Enderli die Festgemeinde auf, einen Moment in Stille aufzustehen und des Eremiten zu gedenken: «seiner zeitlosen Ermahnungen: des Strebens nach Gerechtigkeit, des Schutzes der Schwachen, der gegenseitigen Achtung und des Friedens.»

Gewiss, es ist seiner würdig, dass man in einem Staatsakt und in zahlreichen anderen Veranstaltungen eines Mannes gedenkt, der für den innereidgenössischen Frieden eine zentrale Rolle gespielt hat. Dennoch darf über all den Feierlichkeiten dieses Jubiläumsjahres nicht vergessen werden, dass wir einen Eremiten feiern, der sich aus allen politischen Ämtern und familiären Verpflichtungen in die Einsamkeit und Stille der Ranftschlucht zurückzog.

Ich kenne nicht wenige Zeitgenossinnen und -genossen, die genau aus diesem Grund den Ranft und die Eremitenklause immer wieder aufsuchen. Weil sie den Rückzug aus dem Rummel des Alltags suchen. Weil sie sich von der Stille und Einfachheit des Ortes Einsichten erhoffen, Klarheit in Entscheidungen, Kraft für die Herausforderungen des Alltags.

Niklaus von Flüe zog sich allerdings nicht zurück, um aufzutanken. Er folgte vielmehr einem inneren Ruf Gottes, den er in der Einsamkeit der Klause offenbar besser beantworten konnte als im politischen und familiären Alltag. Doch erst vor diesem Hintergrund ist auch seine Bedeutung als politischer Vermittler zu verstehen: Niklaus von Flüe schöpfte aus einer spirituellen Quelle, aus dem täglichen Gebet, aus dem Ringen um eine Beziehung zu Gott.

Dieser Realität kann in säkularen Zeiten wohl kaum anders begegnet werden, als in einem Moment des Schweigens. Gerade darum war dies ein ausserordentlich starkes Zeichen!


«Unverständlich, dass Gott in diesem Kontext nicht erwähnt wurde»

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