Kommentar

Ein Bischof als Horrorclown?

Keine Mundkommunion, leere Weihwasserbecken: Die Bischöfe haben auf die Corona-Krise reagiert. Weihbischof Eleganti fällt ihnen in den Rücken. Die Solidarität bleibt auf der Strecke. Ein Kommentar.

Raphael Rauch

Der Kanton Tessin ruft den Notstand aus. Bundesrat Alain Berset appelliert jeden Tag neu an unsere Solidarität. Schiesslich geht es darum, gefährdete Menschen zu schützen. Krisenstäbe, Ärztinnen, Pfleger, selbst Papst Franziskus tut alles, um Zeit gegen die Verbreitung des Virus zu gewinnen. Und was macht Marian Eleganti?

Er dreht ein selbstgemachtes Video. Er fällt den Gesundheitsbehörden, seinen «Mitbrüdern» in der Bischofskonferenz und sogar dem Papst in den Rücken. Er spricht von Sühne, Plagen und Schicksalen, die die Völker treffen. Seine Kernbotschaft: Je stärker der Glaube, desto gesünder der Mensch.

«Er fällt seinen ‹Mitbrüdern› in den Rücken.»

Konkret kritisiert Eleganti die Entscheidung, Weihwasserbecken in den Kirchen zu leeren, auf die Mundkommunion zu verzichten und die Bäder in Lourdes zu schliessen. Er instrumentalisiert eine Krise für seine kirchenpolitische Agenda. Stattdessen sind aber Worte und Taten der Solidarität gefragt. Solidarität – ein universaler Wert. Ein christlicher Wert. Ein eidgenössischer Wert.

Gesundheit hat eine spirituelle Dimension, keine Frage. Das hat auch die WHO in Genf anerkannt. Aber nicht als Alternative zu biomedizinischem Wissen. Wer meint, mit Gebeten Viren bekämpfen zu können, handelt unverantwortlich.

Marian Eleganti hat früher gerne Clown gespielt – mit Schminke und Clownsnase. Die braucht er mittlerweile nicht mehr. Er hat das Potential zum virtuellen Horrorclown. Es wird Zeit, dass der Apostolische Administrator in Chur einschreitet.

Raphael Rauch ist Redaktionsleiter von kath.ch | © zVg
12. März 2020 | 17:40
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