Ein Berner für St. Gallen
Wil SG: Franziskaner kommen nach Maria Dreibrunnen
Will SG, 9.12.10 (Kipa) Im Wallfahrtsort Maria Dreibrunnen in Wil eröffnen die Schweizer Franziskaner eine neue Niederlassung. Rund 400 Kirchbürger liessen sich über erste Ideen informieren, wie die bauliche Gestaltung des Ortes aussehen könnte. Ein Inserat brachte ihnen einen Nachfolger für den verstorbenen Pater Walther Gaemperle.
Der neue Pater heisst Fidelis Schorer, ist ursprünglich ein Berner, von Beruf Fürsprecher und hat auch schon im Bundesamt für Justiz gearbeitet. Vor 20 Jahren ist er in den Orden der Franziskaner eingetreten, hat in Freiburg und später im Kloster in Näfels gewirkt und seit drei Jahren ist er am Unispital Zürich als Seelsorger tätig.
An der Orientierungsversammlung des Katholischen Kirchenverwaltungsrates in Wil wurde Pater Fidelis Schorer als Überraschungsgast vorgestellt. Er wird im kommenden Frühjahr zusammen mit zwei Laienbrüdern ins Pfarrhaus im Wallfahrtsort Maria Dreibrunnen einziehen.
Als Pater Walther Gaemperle im vergangenen Sommer überraschend starb, suchten die Verantwortlichen der Kirchgemeinde per Inserat eine Nachfolge. Mehrere Bewerbungen seien eingegangen, sagte Roman Giger, seit einem Jahr Stadtpfarrer in Wil. Der Entscheid fiel auf die Ordensgemeinschaft der Schweizer Franziskaner, die in Maria Dreibrunnen eine neue Niederlassung gründen möchten.
Kein eigenes Züglein fahren
Den Seelsorgern in Wil sei es wichtig gewesen, eine Gemeinschaft zu finden, die nicht ihr eigenes Züglein, völlig losgelöst vom Rest der Pfarrei, fahren möchte. Eine Wohn-, Lebens- und Arbeitsgemeinschaft habe den Vorteil, dass verschiedene Charaktere und Charismen, verschiedene Fähigkeiten und Talente zusammen kommen und gemeinsam das Leben und den Geist von einem Ort prägen, so Giger weiter.
Eine Gemeinschaft trage innerlich und äusserlich eine Pfarrei mit und deshalb freue man sich in Wil, dass zu den Dominikanerinnen und den Kapuzinern nun auch noch die Franziskaner dazu stossen. Auch in Zukunft werden Wiler Seelsorger in Maria Dreibrunnen wirken und die Franziskaner ab und zu Dienste in Wil übernehmen.
Ausbau ohne Steuererhöhung
Dieser Neubeginn im seelsorgerischen Bereich werde auch begleitet von neuen Perspektiven, Ideen und Visionen, wie sich der Wallfahrtsort in Zukunft entwickeln soll. Das Pächterehepaar, das bereits in dritter Generation den Landwirtschaftsbetrieb und das Pilgerrestaurant führt, werde aus Altersgründen Maria Dreibrunnen im Jahr 2013 oder 2014 verlassen. Damit ende eine eindrückliche Familientradition, sagte Josef Fässler, Präsident des Kirchenverwaltungsrates.
Allen Verantwortlichen sei klar, dass der Wallfahrtsort der die Kirche, das Pfarrrhaus, das Pilgerrestaurant und den Landwirtschaftsbetrieb umfasst, in einer höchst schützens- und erhaltenswerten Zone liege und unbedingt gestärkt und aufgewertet werden müsse. Thomas Hasler, Architekt aus Frauenfeld zeigte mögliche Szenarien, wie der Ort attraktiver werden könnte. So wurde auch die Möglichkeit eines Begegnungshauses, eine Neugestaltung des Pilgerrestaurants und der Umgebungsgestaltung bei Auflösung des Landwirtschaftsbetriebes vorgestellt. Wenn der Planungskredit im Jahr 2012 die Bürgerversammlung genehmigt, könnte das Projekt im Herbst 2014 zur Urnenabstimmung gelangen. Fässler bekräftigte, dass dafür keine Steuerfusserhöhung nötig sei. Die Refinanzierung sei durch den Verkauf von Landreserven gewährleistet.
Separat:
Alle müssen einverstanden sein
Die Schweizer Franziskaner zählen 25 Brüder, die an drei Orten zu Hause sind: Auf der Insel Werd, in Zürich und in Näfels. Die Franziskaner mussten in den vergangenen Jahren zwei Häuser schliessen und suchten seit Jahren einen kleinen Wallfahrtsort, der ihnen die Möglichkeit für die Seelsorge bietet. Mit einer Neugründung müssen alle Brüder einverstanden sein. Nach Maria Dreibrunnen ziehen Pater Fidelis Schorer, Bruder Josef Fankhauser und Bruder Jean Langerz.
(kipa/rb/gs)



