Flüchtlinge auf Gran Canaria im Januar 2021.
Schweiz

Durch Mut und Standhaftigkeit: Flüchtlinge sind «Zeugen der Hoffnung»

Am Sonntag, 28. September, begeht die Kirche in der Schweiz den Tag der Migrantinnen und Migranten. Laut Papst Leo XIV. sind diese Zeuginnen und Zeugen der Hoffnung, weil sie einen wichtigen Beitrag für eine lebendige Kirche leisten können.

(woz) Wie Papst Leo XIV. in seiner Botschaft zu diesem Sonntag schreibt, «ist die aktuelle Weltlage leider von Kriegen, Gewalt, Ungerechtigkeiten und extremen Wetterereignissen geprägt, die Millionen von Menschen dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen und anderswo Zuflucht zu suchen.»

Bedrohung für gemeinsame Verantwortung

Die allgemeine Neigung, ausschliesslich für die Interessen begrenzter Gemeinschaften einzutreten, stelle eine ernsthafte Bedrohung für die gemeinsame Verantwortung, die multilaterale Zusammenarbeit, die Verwirklichung des Gemeinwohls und die globale Solidarität zum Wohl der gesamten Menschheitsfamilie dar, so der Heilige Vater.

Papst Leo XIV. im Papamobil bei der Generalaudienz am 30. Juli 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan.
Papst Leo XIV. im Papamobil bei der Generalaudienz am 30. Juli 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan.

Unter dem Motto «Zeuginnen und Zeugen der Hoffnung» steht der diesjährige Tag der Migrantinnen und Migranten. Dieses Motto soll dazu auffordern, Menschen auf der Flucht nicht nur als Betroffene, sondern als Trägerinnen und Träger von Hoffnung zu begreifen.

Flucht der Migranten wird zur Mission

Im Zentrum der Botschaft von Papst Leo XIV. steht die Idee, dass Migrantinnen und Migranten sowie Schutzsuchende angesichts globaler Krisen durch ihren Mut und ihre Standhaftigkeit «Zeuginnen und Zeugen der Hoffnung» sind. Ihre Flucht werde so auch zu einer Mission: indem sie Hoffnung verbreiten, den interreligiösen Dialog fördern und Gemeinden neu beleben.

In der Schweiz unterstützt «migratio» mit der Kollekte dieses Wochenendes Projekte im Bereich Flucht und Migration, Projekte in Sudan und der Schweiz. Der Krieg im Südsudan habe zu einer grossen Fluchtbewegung geführt, bei der viele Menschen in den Nachbarstaat Sudan geflohen sind, wie es in Medienmitteilung von migratio heisst.

Herz-Jesu-Schwestern engagieren sich seit 2016

Dort wurden in den Lagern im Bundesstaat Weisser Nil und in anderen Regionen Notunterkünfte eingerichtet, um die geflüchteten Menschen zu versorgen. Insgesamt leben dort etwa 80’000 bis 90’000 Menschen, hauptsächlich Familien, die in einfachen Hütten untergebracht sind. Seit 2014 engagiert sich die Erzdiözese Khartum in der Unterstützung der Geflüchteten.

Schulstunde unter freiem Himmel im Südsudan
Schulstunde unter freiem Himmel im Südsudan

Die Herz-Jesu-Schwestern sind seit 2016 vor Ort und leisten vielfältige pastorale und soziale Hilfe, wie Seelsorge, Bildung, medizinische Betreuung und Unterstützung bei Familienfragen. Sie leben direkt in den Lagern, um den Menschen Hoffnung und Glauben zu vermitteln, trotz Unsicherheiten, schlechten Lebensbedingungen und der Bedrohung von Mädchen durch Zwangsheirat.

Erzdiözese Khartum bittet um Hilfe

Um ihre Arbeit weiter zu ermöglichen, bittet die Erzdiözese Khartum um Unterstützung für den Unterhalt der Schwestern, die Reparatur ihrer Hütten und die Durchführung von Workshops für Jugendliche und Familien. Diese sollen helfen, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, Verhaltensprobleme zu bewältigen und den Glauben zu fördern. Die Unterstützung ist dringend notwendig, um die wertvolle Arbeit der Schwestern fortzusetzen und den Geflüchteten Hoffnung und Perspektiven zu geben.

Flüchtlinge aus der Ukraine kommen im Bundesasylzentrum in Chiasso an.
Flüchtlinge aus der Ukraine kommen im Bundesasylzentrum in Chiasso an.

Hilfe in der Schweiz auch für Asylbereich

Darüber hinaus ermöglicht die Kollekte migratio, auch in der Schweiz Projekte im Asyl- und Flüchtlingsbereich zu unterstützen. Einige Seelsorgestellen von kleineren anderssprachigen Gemeinschaften und mit der römisch-katholischen Kirche verbundene Kirchen werden nicht oder nur teilweise über die auf nationaler Ebene zur Verfügung stehenden Mittel finanziert, z.B. Seelsorge für Menschen aus Eritrea, Indien (syro-malabarische Gläubige) oder der Ukraine.

«Insbesondere katholische Migranten und Flüchtlinge können heute in den Ländern, die sie aufnehmen, zu Missionaren der Hoffnung werden.»

Die Solidaritätsaktion unterstützt in diesen Fällen deren Finanzierung. «Insbesondere katholische Migranten und Flüchtlinge können heute in den Ländern, die sie aufnehmen, zu Missionaren der Hoffnung werden, indem sie dort neue Glaubenswege beschreiten, wo die Botschaft Jesu Christi noch nicht angekommen ist, oder indem sie einen interreligiösen Dialog initiieren, der durch den Alltag und von der Suche nach gemeinsamen Werten geprägt ist», sagt Papst Leo XIV.

Jean-Marie Lovey
Jean-Marie Lovey

«Spirituelle Begeisterung»

«Mit ihrer spirituellen Begeisterung und ihrer Lebendigkeit können sie dazu beitragen, erstarrte und schwerfällige kirchliche Gemeinschaften wiederzubeleben, in denen die spirituelle Wüste bedrohlich voranschreitet. Ihre Anwesenheit ist daher als wahrer Segen Gottes anzuerkennen und zu wertschätzen, als eine Gelegenheit, sich der Gnade Gottes zu öffnen, die seiner Kirche neue Energie und Hoffnung schenkt», so Papst Leo.

Bischof Lovey zelebriert Friedensmesse

Die Dienststelle migratio der Schweizer Bischofskonferenz, die Missione Cattolica di Lingua Italiana di Berna und der Scalabrini Verein laden zur Friedensmesse ein. Diese Friedensmesse findet am heutigen Freitag, 26. September, um 18:30 Uhr in der Kirche Madonna degli Emigrati, Bovetstrasse 1, Bern statt und wird von Bischof Jean-Marie Lovey, Verantwortlicher für die Migrationspastoral, zelebriert.

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Flüchtlinge auf Gran Canaria im Januar 2021. | © Raphael Rauch
26. September 2025 | 16:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
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