Papst Franziskus bei einem Gottesdienst zur Eröffnung der letzten Phase der Weltsynode, 2. Oktober 2024 auf dem Petersplatz.
Vatikan

Dramatische Botschaft des Papstes zu weltweiten Krisen: Gesetz des Stärkeren ist unmenschlich

Auch in der Klinik sorgt sich der Papst um die Zukunft der Menschheit. In einer Botschaft an die Päpstliche Akademie für das Leben wandte er sich gegen eine «utilitaristische und neo-libertäre Deregulierung», die derzeit weltweit im Gang sei.

Im Vatikan hat am Montagmorgen die Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben begonnen. Sie steht unter dem Motto: «Das Ende der Welt? Krisen, Verantwortlichkeiten, Hoffnungen.» Papst Franziskus sandte aus der Gemelli-Klinik eine streckenweise dramatische Grussbotschaft an die Teilnehmer, die der Vatikan am Montagvormittag veröffentlichte.

Darin betont der Papst, die derzeitige Lage der Welt sei durch eine «Polykrise» gekennzeichnet. Zu ihr trügen in dieser dramatischen historischen Stunde Kriege, Klimawandel, Energieprobleme, Epidemien, Migrationsströme und technische Innovationen zusammen bei.

Das Recht des Stärkeren als neues Weltgesetz

Mit Nachdruck wandte er sich gegen eine «utilitaristische und neo-libertäre Deregulierung», die derzeit weltweit im Gang sei. Sie wolle das Gesetz des Stärkeren als einzige Regel durchsetzen, was unmenschlich sei. Stattdessen müssten jene Instrumente gestärkt werden, die den gesamten Planeten im Blick haben.

«Leider müssen wir feststellen, dass internationale Institutionen immer mehr an Relevanz verlieren», so der Papst. Sie seien bedroht durch kurzsichtige Haltungen, denen es nur um Einzelinteressen gehe. «Dagegen müssen wir uns weiter entschlossen für wirksamere weltweite Organisationen einsetzen», erklärte Franziskus. Es gehe darum, das globale Gemeinwohl zu sichern.

Papst-Akademie im Wandel

Nach Auskunft von Teilnehmern ist es voraussichtlich die letzte Versammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben, die vom italienischen Erzbischof Vincenzo Paglia geleitet wird. Paglia wird am 20. April 80 Jahre alt. Er führt das wissenschaftliche Beratergremium des Papstes seit 2016.

Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben
Vincenzo Paglia, Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben

Ausdrücklich dankte der Papst in seinem Schreiben Erzbischof Paglia für die geleistete Arbeit. Der aus dem Umfeld der Gemeinschaft Sant’Egidio kommende Theologe hatte das Spektrum der Akademie auf aktuelle Fragen wie Ökologie und Künstliche Intelligenz ausgeweitet. Zudem hatte er nicht-katholische Forscher aufgenommen.

Der Papst erinnerte daran, dass einige Akademie-Mitglieder auch in den Studiengruppen zu Spezial-Themen der Weltsynode mitarbeiten. Sie sollen neue Ansätze in den Humanwissenschaften in die Entwicklung der kirchlichen Lehre einbringen. (cic)

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Papst Franziskus bei einem Gottesdienst zur Eröffnung der letzten Phase der Weltsynode, 2. Oktober 2024 auf dem Petersplatz. | © Alessia Giuliani/CPP/KNA
3. März 2025 | 14:00
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