Donald Trump wieder da: Bei christlichen Wählern hat er stark abgeschnitten
Nach einer vierjährigen Unterbrechung ist Donald Trump erneut ins höchste Amt der Vereinigten Staaten gewählt worden. Dabei weiss er nicht zuletzt konservative Christen auf seiner Seite.
Joachim Heinz
Bis zum Schluss gingen die Umfragen in den USA von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Demokratin Kamala Harris und dem Republikaner Donald Trump aus. Am Ende fiel das Wahlergebnis überraschend deutlich aus: der 45. Präsident der USA wird auch der 47. Trump ist damit zurück an den Schalthebeln der Macht.
Nach einer vierjährigen Unterbrechung wieder ins höchste Amt der Vereinigten Staaten zu kommen: Dieses Kunststück gelang vor ihm nur Grover Cleveland, der von 1885 bis 1889 und von 1893 bis 1897 amtierte.
Äusserst turbulenter Wahlkampf
Mit Trumps Sieg geht ein selten turbulenter Wahlkampf zu Ende. In Erinnerung bleiben zwei Attentatsversuche auf den polarisierenden Politiker, die kurzfristige Einwechslung von Kamala Harris anstelle des demokratischen Amtsinhabers Joe Biden – und kübelweise Lügen und Schmutz.
Die von Trump betriebene «Entfesselung von Gemeinheit und Niedertracht» habe es so noch nie gegeben, sagte unlängst der Historiker und USA-Kenner Karl Schlögel in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). «Das ist etwas Neues, mit dem man sich noch wird beschäftigen müssen.»
Was hat Trump nun vor?
Zunächst aber werden sich Politiker in aller Welt und Journalisten damit auseinanderzusetzen haben, was Trump in seiner zweiten Amtszeit vorhat. Dabei, so betont Historiker Schlögel, ist der 78-Jährige nicht zwingend die Ursache der vielen Probleme in den USA, sondern eher eine Folge davon.
«Die zentrale Frage lautet, ob die amerikanischen Eliten die Kraft haben, sich mit Themen wie der Migration, der Reform des Bildungswesens oder den neuen Herausforderungen in einer veränderten Weltlage auseinanderzusetzen.»
Rechststaatlichkeit nicht mehr hoch im Kurs
Das Problem: Der am 14. Juni 1946 in New York geborene Sohn eines ebenso skrupellosen wie hartherzigen Bauunternehmers mit deutschen und dessen Gattin mit schottischen Wurzeln hat seine Partei, die Republikaner, komplett entkernt. In seiner Welt und der seiner Claqueure stehen Rechtsstaatlichkeit oder Werte wie politischer Anstand, Fairness und Wahrhaftigkeit nicht mehr allzu hoch im Kurs.
Trump und die Abtreibungsfrage
In mancherlei Hinsicht mutet Trump wie ein Zerrbild der politischen Entwicklungen seines Landes an. Den Slogan «Make America great again» nutzte schon Ronald Reagan, Präsident von 1981 bis 1989. Sexuelle Zügellosigkeit war bereits ein Problem von «Schürzenjäger» John F. Kennedy (1961-1963) und Bill Clinton (1993-2001), der beinahe über eine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky gestolpert wäre.
Neu war, dass Trump all diese Eigenschaften in einer Person vereinte – und in seiner ersten Amtszeit gleich zwei Impeachments überstand.
Nachwahlbefragungen von Fox News in Zusammenarbeit mit der Nachrichtenagentur Associated Press zeigen, dass Trump besonders bei christlichen Wählern stark abgeschnitten hat. Demnach erreichte er unter Protestanten landesweit 60 Prozent, in der katholischen Wählerschaft 54 Prozent. Bei jüdischen und muslimischen Wählern lag indes Harris mit jeweils mehr als 60 Prozent vorne.
Besonders konservative Christen hat Trump auf seiner Seite – wohl auch, weil er, taktisch nicht unklug, in der Abtreibungsfrage bislang die Position des sogenannten Pro-Life-Lagers vertrat – auch wenn seine dritte Gattin Melania in der Abtreibungsfrage unlängst die Gegenposition einnahm: «Es gibt keinen Raum für Kompromisse, wenn es um dieses wesentliche Recht geht, das alle Frauen von Geburt an besitzen: die individuelle Freiheit.»
Klimawandel für Trump nicht wichtig
Umweltschutz und Klimawandel ignoriert der künftige Präsident nach Kräften. Damit hilft er zugleich, die Scheinheiligkeit der übrigen Industrienationen zu übertünchen, die zwar Nachhaltigkeit predigen, aber munter über ihre Verhältnisse leben. Weiterhin scheint es ein Naturrecht auf einen SUV für jedermann und billige Schnitzel zu geben.
Um unvorteilhafte wissenschaftliche Ratschläge und Erkenntnisse – etwa beim Kampf gegen die Corona-Pandemie – machte und macht Trump oft einen grossen Bogen; seine Kernkompetenz liegt im Bereich der «alternativen Fakten». (kna)
In zehn US-Bundesstaaten haben Menschen parallel zur Präsidentschaftswahl über Abtreibungsgesetze abgestimmt: In sieben von ihnen steht zukünftig das Recht auf Abtreibung in der Verfassung. Dazu zählt Arizona, wo die Wahlberechtigten für die Möglichkeit von Abtreibungen bis zum sechsten Schwangerschaftsmonat stimmten. US-Medien berichteten über den Ausgang der Referenden in Arizona, Colorado, Florida, Maryland, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New York und South Dakota. Ebenfalls bis in den sechsten Monat sollten Schwangerschaftsabbrüche in Florida erlaubt werden. Für eine entsprechende Verfassungsänderung hätte es eine Zustimmung von mindestens 60 Prozent der Wählerinnen und Wähler gebraucht. Die Befürworter kamen hingegen nur auf rund 57 Prozent. Im Bundesstaat New York waren Schwangerschaftsabbrüche bisher regulär bis zur 24. Schwangerschaftswoche legal und darüber hinaus, wenn nach ärztlicher Einschätzung das Kind nicht lebensfähig oder das Leben der Mutter in Gefahr ist. Minderjährige können ohne Zustimmung der Eltern ein Kind abtreiben. Diese Regelung bleibt bestehen und wird untermauert, indem das Recht auf Abtreibung zukünftig in der Verfassung steht. In Nebraska gab es gleich zwei Abstimmungen zu dem Thema: Eine Initiative für das Recht auf Abtreibung scheiterte. Ein Änderungsantrag für die Verfassung war hingegen erfolgreich. Dieser sieht das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen nach dem ersten Trimester vor. In Missouri und Montana kommt das Recht auf Abtreibung in die Verfassung; in Nevada ist nach einer ersten erfolgreichen Abstimmung eine weitere in zwei Jahren notwendig. Aber schon jetzt sind Abtreibungen gesetzlich möglich. In South Dakota scheiterte das Vorhaben hingegen. Damit bleibt dort eines der strengsten Abtreibungsverbote in Kraft: Schwangerschaftsabbrüche sind demnach nur erlaubt, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Es gibt keine Ausnahmen, etwa bei Vergewaltigung oder Inzest. Hintergrund ist ein wegweisendes Urteil des Obersten Gerichts der Vereinigten Staaten. Es hatte 2022 geurteilt, dass aus der US-Verfassung kein landesweit gültiges Recht auf Abtreibung abgeleitet werden kann. Etliche republikanisch regierte Staaten nutzten dies, um den Zugang zu Abtreibungen stark einzuschränken. (kna)Abstimmungen über Abtreibung
Zwei Abstimmungen: Abtreibungsgegner setzen sich durch
Kein landesweit gültiges Recht auf Abtreibung
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