Schweiz

#DomkapitelLeaks: «Der Regierungsrat Schwyz trägt eine Mitverantwortung»

Elf Domherren im Team Grichting und elf Domherren im Team Franziskus: Im Churer Domkapitel gibt es ein Patt. Werner Inderbitzin ist überzeugt: Der Kanton Schwyz trägt eine Mitverantwortung für die geplatzte Bischofswahl.

Raphael Rauch

Vor einer Woche gab eine Stimme den Ausschlag über die Frage, ob das Domkapitel über die Dreierliste von Papst Franziskus abstimmen soll oder nicht. Durchgesetzt haben sich die Domherren um Generalvikar Martin Grichting. Er gilt als Hardliner.

Schwyzer Regierungsrat hat Chance verpasst

Werner Inderbitzin ist ehemaliger Schwyzer Regierungsrat und Ex-Präsident der Kantonalkirche Schwyz. Er ist überzeugt: Die Schwyzer Regierung trägt eine Mitverantwortung für die geplatzte Bischofswahl. Denn sie hat es versäumt, im Domkapitel einen Grichting-kritischen Domherren zu installieren.

Schwarzer Rauch in Chur: Generalvikar Martin Grichting steuert die Domherren.

Laut Päpstlicher Bulle «Imposita humilitati» kann der Kanton Schwyz zwei nichtresidierende Domherren ernennen. Stirbt ein Domherr oder tritt er zurück, wählt in den ungeraden Monaten der Bischof den Nachfolger. In den geraden Monaten hingegen erfolgt die Ernennung durch den Regierungsrat.

Franz Annen tritt im August 2018 zurück

Der hochangesehene Franz Annen trat 2018 von seinem Amt als Domherr zurück. Er wollte verhindern, dass er in einem ungeraden Monat stirbt und Bischof Vitus Huonder einen konservativen Nachfolger ernennen kann.

Franz Annen

Annen sollte Recht behalten. Er starb am 13. November 2018. Wäre er nicht schon im August zurückgetreten, hätte Vituos Huonder freie Hand gehabt. Doch auch so konnte der umstrittene Bischof durchregieren. Denn laut Inderbitzin unterlief dem Schwyzer Regierungsrat ein Kardinalfehler.

Wahl fällt auf Peter Camenzind

«Ohne Konsultation der Kantonalkirche oder der beiden Dekanate wählte er Peter Camenzind zum neuen Standesdomherrn von Schwyz», sagt Inderbitzin. Dabei gehörte Camenzind bereits dem Domkapitel an. Schwyz verschenkte also eine zusätzliche Stimme.

Peter Camenzind

«Nichts gegen Peter Camenzind, aber der Regierungsrat schaffte mit dieser Wahl im Domkapitel eine unnötige Vakanz und lieferte Vitus Huonder einen willkommenen Steilpass», sagt Inderbitzin. «Vitus Huonder hat die Lücke sehr rasch mit dem linientreuen Paul Schlienger gefüllt.»

Ernst Fuchs hätte dem Domkapitel gut getan

Inderbitzin ist überzeugt: «Hätte der Regierungsrat von Schwyz damals die Kantonalkirche angehört, dann hätten wir Ernst Fuchs, Pfarrer in Lachen und ehemaliger Regens in Chur vorgeschlagen. Ein Mann, der sicher dem Antrag von Grichting nicht gefolgt wäre.»

Pfarrkirche St. Martin Schwyz

Sässe Ernst Fuchs im Domkapitel, wäre das Abstimmungsergebnis genau umgekehrt ausgefallen: zehn Stimmen für das Team Grichting – und elf Stimmen für das Team Franziskus. Wahrscheinlich wäre der angesehene Offizial Joseph Bonnemain vor einer Woche zum Bischof von Chur gewählt worden.


Werner Inderbitzin, ehemaliger Präsident des Kirchenvorstandes der Römisch-katholischen Kantonalkirche Schwyz. | © zVg
30. November 2020 | 05:51
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