Gäste an der Vernissage sehen sich die Fotos von Eugen Trost an.
Konstruktiv

Die Wunder der Schöpfung einfangen: Eugen Trost zeigt seine Fotos

Als die Covid-Pandemie die Welt im Griff hatte, wollte sich Eugen Trost nicht einsperren lassen. Mit der Kamera in der Hand ging er hinaus in die Natur und hielt in Bildern fest, was ihn berührte. Daraus ist unter dem Titel «Bildmeditationen» eine Ausstellung entstanden.

Vera Rüttimann

Das Antoniushaus in Mattli liegt wunderschön gelegen über Morschach SZ. Wenn nicht gerade dichter Nebel über den Bergen hängt, ist hier eine beeindruckende Bergkulisse zu sehen. Der Urnersee glänzt an sonnigen Tagen tiefblau. Trotz des garstigen Wetters zieht es gut dreissig Leute zur Vernissage im modernen Seminarhaus.

Eugen Trost spricht über seine Bilder.
Eugen Trost spricht über seine Bilder.

Dort erwartet sie Eugen Trost. Viele kennen ihn als Leiter von Bildung und Kultur in diesem Haus. Heute aber feiern sie ihn als Fotografen und bestaunen seine «Bildmeditationen», die an den Wänden entlang einzelner Gänge hängen.

Start mit «Laudato Si»

Das Antoniushaus Mattli sei, sagt er zu den anwesenden Vernissage-Gästen, in einer neuen Dekade angelangt. Deshalb sei das Thema «Nachhaltigkeit der Schöpfung» in den Fokus der Angebote gerückt.

Die Sonne hinter den Wolken. Ein Foto von Eugen Trost.
Die Sonne hinter den Wolken. Ein Foto von Eugen Trost.

«Als wir überlegten, mit welcher Veranstaltung wir starten wollten, kam uns das ‹Laudato Si›, der Sonngengesang des Heiligen Franziskus, in den Sinn», sagt Eugen Trost. Das passe gut zum Antoniushaus, das versuche, sein Wirken auf der franziskanischen Spiritualität aufzubauen. «Für mich und dieses Bildungshaus ist der Sonnengesang wie ein Vermächtnis», sagt Eugen Trost.

Schöpfung als göttliche Kunst

Eugen Trost zitiert den deutschen Theologen Jörg Zink, der sagte: «Eigentlich kann man heute fast keine Bilder mehr machen von der Natur angesichts ihrer Zerstörung.» Eugen Trost hat hier eine andere Sichtweise: «Diese geheimnisvollen und wunderbaren Kunstwerke, die uns Gott hier präsentiert, das kann man gar nicht ignorieren!»

Fotos von Eugen Trost im Antoniushaus Mattli in Morschach SZ.
Fotos von Eugen Trost im Antoniushaus Mattli in Morschach SZ.

Ihm als Fotograf sei es wichtig, dem Schöpfungsgedanken nachzugehen und ihn in der Natur zu finden. «Die Schöpfung ist ein ungeheuer grosses Geschenk an uns.» Das zeige auch Franziskus’ Poesie des Sonnengesangs.

Idee entstand in der Corona-Zeit

Die Idee zur Ausstellung entstand in der Corona-Zeit. Ihn habe man nicht zu Hause einsperren können. «Ich habe viele Leute in dieser Zeit erlebt, die in depressiven Tiefs waren», erläutert Eugen Trost. Aber gerade in dunklen Zeiten, findet er, sollte man den Fokus wieder auf das richten, was einen aufstellt. Die innere Kraft fand und findet Eugen Trost in der Natur.

Mohnblumen. Foto von Eugen Trost.
Mohnblumen. Foto von Eugen Trost.

Er ging oft spazieren und nahm dabei seine Kamera mit. «Ich konnte gerade im Frühling das Entstehen der Natur in Ruhe geniessen», sagt er. Das habe er versucht, mit der Kamera einzufangen. Über sein Verhältnis zur Fotografie sagt Eugen Trost: «Mit einem bestimmten Blick sucht man nach Details, die man sonst nicht wahrnimmt.» Dieses genaue Hinsehen, das haben ihn seine Enkelinnen gelernt: «Keinen Meter konnte ich gehen, ohne dass sie gefragt haben: Was ist das? Hast du diese Spinnen gesehen? Und: Schau doch dort, wie schön!» Als fotografierender Mensch passiere einem das auch. Man gehe staunend durch den Alltag.

Sonne und Blumen, Wasser und Wolken

Auf einer Tour zeigt Eugen Trost seinen Gästen ausgewählte Bilder. Das erste Bild zeigt die Sonne, «die wir immer wieder in neuen Nuancen wahrnehmen können.» Gerade hier im Mattli mit den schönen Stimmungen im See. Ein weiteres Bild zeigt eine Blume. «Immer wieder staune ich, wie präzise die Natur gearbeitet hat.»Auf dem Foto sieht man die genauen Strukturen der Blume in ihrem Innern.

Wolken. Ein Foto von Eugen Trost.
Wolken. Ein Foto von Eugen Trost.

Mit einer kleinen Schnappschusskamera hielt Eugen Trost ein schönes Wolkenbild fest. Der Wind fegt die rosa Wolken über den Himmel. «Wolken», sagt Trost, «könnte ich immer wieder fotografieren.» Ebenso das Element Wasser. Es kommt in der Ausstellung in mehreren Varianten vor. Da sind die Tropfen nach einem Regen, fotografiert auf einem Fenster. Durch die Sonne erscheinen sie wie Perlen auf Glas. Eugen Trost hat auch die Giessbachfälle festgehalten. «Wie sich das Wasser durch den Fels einen Weg gebahnt hat. Das habe ich nirgendwo so eindrücklich gesehen», sagt er.

Wassertropfen auf einer Fensterscheibe. Ein Foto von Eugen Trost.
Wassertropfen auf einer Fensterscheibe. Ein Foto von Eugen Trost.

Die Lebens-Uhr

Auf einem Bild ist eine grosse Uhr zu sehen. Eugen Trost thematisiert damit die Lebenszeit. Welche Zeit bleibt uns noch? Wie sieht unsere Lebensernte aus? Und: Was wollen wir hinterlassen? «Irgendwann kommt die Uhr, die uns diese Fragen stellt», sagt er. Auch das Bild mit den Spuren im Schnee geht der Frage nach, was von uns am Ende unseres Lebens bleibt.

Aufgenommen hat es der Fotograf bei klirrender Kälte auf einer Wanderung im Jura. «Lasse ich mich», fragt er, «von anderen treiben oder gehe ich ganz bewusst meinen Weg?» Auch diese Frage werden sich die Besucherinnen und Besucher dieser Ausstellung selber stellen können. Und für sich Antwort finden. Die Ausstellung dauert noch bis zum 26. März.


Gäste an der Vernissage sehen sich die Fotos von Eugen Trost an. | © Vera Rüttimann
15. Februar 2023 | 05:00
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