Schweiz

Die Seelsorge braucht neue Worte für das Gespräch mit Missbrauchsopfern

11.11.17 (kath.ch) Ein internationaler Kongress zu sexuellem Missbrauch, Verschweigen und Prävention ist am Samstag in Bern zu Ende gegangen. An einem Panel kam es zu einer Diskussion zwischen dem Basler Bischof Felix Gmür, dem Benediktiner Martin Werlen und Traumatherapeutinnen. kath.ch-Redaktor Georges Scherrer fragt sich aufgrund der Diskussion, ob die Sprache der Kirche heute noch genügt, um der Not von Missbrauchsopfern gerecht zu werden.

Vom Thema «sexueller Missbrauch in der Seelsorge» haben viele Menschen in der Kirche die Nase voll. Doch das Thema bleibt weiter aktuell. Die katholische Kirche Schweiz wurde zu einem internationalen Kongress eingeladen, zu dem Traumatherapeuten aus ganz Europa angereist waren.

Hingereist war auch alt Abt Martin Werlen als Referent. Er hat als Abt die Missbrauchsfälle in seinem Kloster ans Tageslicht gebracht. Dies hat ihn sichtlich gezeichnet. Das Reden am Kongress fiel ihm aufgrund des emotionalen Gehalts ein paar Mal ziemlich schwer. Dies nicht nur wegen den Gedanken an die Opfer, sondern weil im Kloster Mitbrüder nichts anderes wünschen, als dass das Thema endlich vom Tisch ist.

Bischof Felix Gmür gab am Kongress Gegensteuer. Das Thema bleibt aktuell. Doch möglicherweise stösst die Kirche an neue Grenzen. Eine Traumatherapeutin deutete in der Diskussion am Kongress an, dass die kirchliche Seelsorge möglicherweise nicht über den Wortschatz und die Kenntnisse verfüge, um die «Seele verletzter Menschen» erreichen zu können.

Gmür erklärte am Kongress, zu den vielen Missbrauchsfällen sei es unter anderem gekommen, weil die Kirche früher  im Bereich Sexualität «bildungsfern» gehandelt habe. Es fehlte eine tiefgreifende, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Möglicherweise hat die zitierte Therapeutin recht. Möglicherweise verfügt die Seelsorge heute nicht über jene «Sprache», die es möglich macht, mit seelisch schwer verletzten Menschen über die Folgen ihres Missbrauchs zu reden.

Möglicherweise muss die Theologie ein neues Vokabular erarbeiten, das erlaubt, an jene Menschen zu gelangen, welche sich von der kirchlichen Seelsorge nicht mehr angesprochen fühlen, sondern ausserhalb der Kirche Hilfe suchen, etwa bei Traumatherapeuten.

Worte finden im Gespräch | © pixabay.com geralt CC0
11. November 2017 | 11:50
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