50 Jahre diözesane Räte: Workshop mit Margrith Mühlebach  | © Christian von Arx
Schweiz
50 Jahre diözesane Räte: Workshop mit Margrith Mühlebach | © Christian von Arx

Die diözesanen Räte sind im Bistum Basel als beratende Stimmen etabliert

Metzerlen-Mariastein SO, 18.11.17 (kath.ch) Zwei diözesane Räte des Bistums Basel feiern in diesen Tagen ihr 50-Jahr-Jubiläum mit einer Tagung im Kurhaus Mariastein: der Priesterrat und der Diözesane Seelsorgerat. Die aus dem Geist des II. Vatikanums entstandenen Gremien haben sich als beratende Stimmen im Bistum etabliert, wie deren Präsidenten gegenüber kath.ch ausführen.

Regula Pfeifer

Ein solches Jubiläum zu feiern sei schön, sagt Joël Daniel Eschmann. «Es macht klar, dass im Bistum Basel die Anliegen des II. Vatikanums umgesetzt sind.» Der Priesteramtskandidat steht als Präsident dem Diözesanen Seelsorgerat vor, einem zwanzigköpfigen Gremium kirchlich engagierter Laien, das den Bischof beratend unterstützt. Eschmann ist überzeugt: Das Bistum Basel ist bei der Umsetzung der Konzilsanliegen so weit gegangen wie kaum eine andere Diözese weltweit.

Viele Bistümer verfügten über keinen Rat, in dem die gläubigen Laien vertreten sind. Anderswo seien solche Räte aufgelöst worden. Doch im Bistum Basel seien sie weiterhin «lebendig», so Eschmann. Das soll an der Tagung gefeiert werden. «Wir feiern, dass wir miteinander unterwegs sind.»

Auch der Priesterrat entspricht der Idee des II. Vatikanischen Konzils, wie ihr Präsident Generalvikar Markus Thürig bestätigt. «Wenn der Rat und der Bischof gemeinsam Wege suchen, wie man die Seelsorge im Bistum gestalten kann, entspricht das dem Anliegen des Konzils.» Die meisten heutigen Ratsmitglieder hätten aber jene Zeit nicht selbst miterlebt.

        
            
            
            
            
            
        Markus Thürig | © Regula Pfeifer

        
        

        
        
        
        

Der Sinn: als Volk Gottes auf dem Weg

Am Anlass in Marienstein wird der Blick sowohl zurück wie in die Zukunft gerichtet, wie die entsprechende Bistums-Webseite aufzeigt. Es wird an die Zeiten des Aufbruchs nach dem II. Vatikanischen Konzil erinnert. Ein wichtiges Ergebnis des Konzils war laut Bistum, «auf neue Weise von der Kirche zu denken: als Volk Gottes auf dem Weg». In diesem «Geist» seien die Räte entstanden.

Andererseits werden an der Tagung auch Fragen zur Ausrichtung diskutiert. Etwa: Was ist aus dem schwungvollen Anfang geworden? Wohin bewegt sich die Kirche heute? Wie können synodale Prozesse gestärkt werden? Darüber diskutieren die Ratsmitglieder mit dem Bischof und Vertretern der Bistumsleitung, heisst es auf der Webseite weiter.

Synodaler Prozess fortgeschritten

«In der Schweiz ist der synodale Prozess bereits weit fortgeschritten», sagt Eschmann dazu. Das duale System von Landeskirchen und Bistümern ermögliche die Mitwirkung von vielen gläubigen Laien. Da habe die Schweiz in der Welt eine Vorbildfunktion. Eschmann sieht dementsprechend kaum Bedarf nach neuen synodalen Prozessen. Die Kirche hierzulande sei gut unterwegs, findet er.

Auch Generalvikar Thürig findet, das Bistum Basel sei in Sachen synodale Prozesse «recht gut aufgestellt». Davon zeugten die Rats- und Kommissionsstrukturen. Dem Basler Bischof sei es ein Anliegen, dies zu fördern. Darum treffe er sich auch oft mit Seelsorgern in den Regionen, um pastorale Fragen zu besprechen.

Gläubige und Laientheologen wurden gestärkt

Der Diözesane Seelsorgerat, der die kirchlichen Laien vertritt, hat in den letzten Jahren einen Prozess hin zu einer Stärkung der Laien durchgemacht. Als Eschmann vor acht Jahren eintrat, waren darin noch Weihbischöfe und Vorsteher kirchlicher Ämter vertreten. Heute besteht der Rat – inklusive Vorstand und Präsidium – nur noch aus Laien. Der Bischof und der Generalvikar seien als Zuhörer anwesend, sagt Eschmann.

Der Priesterrat hingegen habe kaum grosse Veränderungen durchgemacht, sagt Thürig. Verändert hat sich dennoch etwas. Seit 1988 existiert im Bistum auch ein Rat der Diakone, Laientheologinnen und Laientheologen. Dieser tagt gemeinsam mit dem Priesterrat und hat gegenüber dem Bischof dieselbe beratende Funktion. Da kämen unterschiedliche Perspektiven zusammen, so Thürig. Die Frage der Arbeitsbelastung etwa gestalte sich für Personen mit oder ohne Familie anders.

Anliegen fliessen ins Bistum rein

Die Zusammenarbeit zwischen der Vertretung des Kirchenpersonals und dem Bistum geschieht wechselseitig. «Mal brennt bei uns ein Thema, das wir besprechen wollen, mal bringen der Bischof und das bischöfliche Ordinariat ein Thema in unsere Sitzung ein», so der Generalvikar. So habe zum Beispiel die Abteilung Personal der Diözese einen neuen Fragebogen für Mitarbeitergespräche vorgelegt, der in den Räten beraten wurde. Die beiden Räte tagen dreimal pro Jahr.

Das Themenspektrum bewegt sich von Personalfragen über Pastoralangelegenheiten bis hin zu administrativen Aspekten der Arbeit in der Kirche. Mal wurde die Ökumene, mal der Paradigmenwechsel in Kirche und Gesellschaft, mal der Umgang mit der Wiedereinführung der alten Messe erörtert. Der Rat beeinflusse die Entscheidungen des Bischofs; denn er höre auf ihren Rat, so Thürig. Die Vorschläge zur diözesanen Fortbildung etwa fliessen direkt ein. «Der Bischof wählt, was im Rat am meisten Stimmen bekommt.»

An diesem Wochenende reden die Mitglieder der beiden Räte über ihre Ausbildungsbedürfnisse, die das Theologisch-pastorale Bildungsinstitut betreffen. Im kommenden Jahr wird die Familienpastoral – in Anlehnung an «Amoris laetitia» – zur Debatte stehen.

Der Bischof hört live mit

Auch das Gremium der Laien –  der Seelsorgerat – bespricht an seinen drei Sitzungen pro Jahr jeweils ein Thema. So habe man sich unlängst über die Glaubensbildung Erwachsener ausgetauscht, zuvor über neue Wege in der Diakonie. Und vor wenigen Jahren war das Thema die mögliche Umsetzung der päpstlichen Schreiben «Evangelii Gaudium» und «Amoris Laetitia». Die Ergebnisse wurden jeweils in Form eines Empfehlungsschreibens ans Bistum weitergeleitet. «Bischof Felix Gmür ist immer auch anwesend, er hört die Anliegen also auch mündlich», sagt Eschmann.

Der Ratspräsident ist überzeugt: Die Anliegen der engagierten Gläubigen fliessen direkt oder indirekt ins Bistum ein. So fiel ihm auf: Nachdem sich der Seelsorgerat mit Migration beschäftig hatte, machte Felix Gmür die Sache zum Thema eines Hirtenbriefs. Auch das Ratsanliegen, den ehrenamtlich Tätigen ein Zeichen der Anerkennung zu geben, fand offenbar ein Echo. Es folgte ein bischöfliches Schreiben an die Betreffenden, in dem ihre Verdienste hervorgehoben wurden.

Eschmann, der – wie einige weitere Mitglieder – in diesen Tagen wegen der Amtszeitbeschränkung aus dem Rat scheidet, zieht eine positive Bilanz: «Wir konnten unsere Themen abschliessen.»

Hinweis: Der Festgottesdienst unter der Leitung von Bischof Felix Gmür ist öffentlich. Er findet am Samstag, um 11 Uhr, in der Klosterkirche Mariastein statt.

Markus Thürig | © Regula Pfeifer
Markus Thürig | © Regula Pfeifer
Joël Daniel Eschmann | © Georges Scherrer
Joël Daniel Eschmann | © Georges Scherrer
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