Schweiz

Der vielseitige Weg des Boris Schlüssel zum Priesteramt

Zug-Oberwil, 13.8.18 (kath.ch) Erst mit 50 Jahren ist Boris Schlüssel am 10. Juni von Bischof Felix Gmür in Solothurn mit zwei weiteren Kandidaten zum Priester geweiht worden. Dabei wusste er schon als Kind, dass er Pfarrer werden wollte. Nach dem Theologiestudium machte er aber manche berufliche Schlaufe, um die er heute froh ist.

Martin Spilker

«Ich bin ein Spätantwortender», bezeichnet sich Boris Schlüssel. Die Wortschöpfung grenze ihn ab von den sogenannt «spätberufenen» Priesteramtskandidaten. Und sie stelle auch ein wenig die Eigenart seiner Laufbahn dar, so der Neupriester des Bistums Basel. Denn: Nach dem Theologiestudium brach Schlüssel vor zwanzig Jahren eine erste Berufseinführung als Seelsorger ab und arbeitete als Lokaljournalist. Danach lebte er vier Jahre im Dominikanerorden in Frankreich, Belgien und der Schweiz.

Abbruch erforderte Mut

Vor dem ewigen Versprechen trat er aber wieder aus dem Predigerorden aus – und arbeitete, nun 37 Jahre alt, als Wirt, als Taxi- und Reisebusfahrer und war danach noch sechs Jahre lang als Geschäftsleiter eines Bestattungsunternehmens im Kanton Luzern tätig.

Er werde wegen dieses Lebenslaufs oft für seine breite Erfahrung beglückwünscht. Doch Schlüssel winkt ab: «1997 habe ich die Berufseinführung abgebrochen, weil ich damals den Schritt ins Priestersein nicht zu gehen wagte. » Das habe auch einigen Mut erfordert, so Boris Schlüssel. Denn letztlich habe sich sein Berufswunsch, sein Ziel, seine Berufung nicht verändert: Sich als Priester in den Dienst des Glaubens zu stellen, sich zu verschenken.

«Es blieb für mich immer eine Suche als glaubender Mensch.»

Was er auf seinen verschiedenen beruflichen Stationen erlebt hat, das möchte er dennoch nicht missen: «Ich habe ganz unterschiedliche Realitäten des Lebens und des Glaubens kennengelernt», so Schlüssel. Und er ergänzt: «Es blieb für mich immer eine Suche als glaubender Mensch. Dies hat mich bestärkt, den Weg trotz aller Windungen weiterzugehen.»

Dasein und Dienen

Boris Schlüssel ist in Dietwil im aargauischen Oberen Freiamt zwischen dem Luzerner Seetal und dem Kanton Zug aufgewachsenen. «Im Schatten der Dorfkirche», wie es im Luzerner Pfarreiblatt beschrieben wird. Aufgrund der geografisch besonderen Lage besuchten die Kantonsschüler aus dem Freiamt denn auch nicht ein Aargauer Gymnasium, sondern das Gymnasium Immensee im Kanton Schwyz.

Die Nähe zum Missionshaus muss Boris Schlüssel entgegengekommen sein. Seine Vorstellung von der Arbeit des Seelsorgers ist der Dienst und das Dasein. Er gibt denn auch offen und ehrlich zu, dass ihn damals das Theologiestudium nicht vom Hocker gehauen habe. Für ihn war es damals schlicht die Grundlage um seinen Berufswunsch zu erreichen. Heute, so Schlüssel, vertiefe er sich hingegen gerne in theologische und spirituelle Literatur.

Neue Position mit Respekt angehen

Im Sommer 2016 hat Boris Schlüssel zum zweiten Mal die Berufseinführung als künftiger Seelsorger des Bistums Basel angetreten. Er war dafür in der Pfarrei Bruder Klaus in Bern tätig, wo er nach Diakonen- und Priesterweihe am 24. Juni auch seine Primiz feierte (siehe Zusatzbeitrag rechts).

Dieser Gottesdienst, in dem ein neugeweihter Priester erstmals der Eucharistie vorsteht, war aber auch schon wieder ein Abschied. Seit Anfang August ist Boris Schlüssel Vikar in Oberwil, einem Stadtteil von Zug. Die kleine Pfarrei mit 1400 Katholikinnen und Katholiken gehört zum Pastoralraum Zug-Walchwil und wurde während langen Jahren durch Gemeindeleiter geleitet.

«Das Amt des Priesters ist immer auch eine Machtposition.»

Schlüssel hat in der ihm vom Bistum zugewiesenen Pfarrei eine Doppelrolle: Einerseits ist er in Oberwil Ansprechperson, andererseits absolviert er hier sein Vikariat und wird in den ersten Jahren als Priester durch den Pastoralraumpfarrer Reto Kaufmann in Zug begleitet.

«Das Amt des Priesters ist in unserer Kirche immer auch eine Machtposition», ist er sich bewusst. Für ihn, der seit seiner Jugend vom einfachen Leben des französischen Mönchs und Priesters Charles de Foucauld fasziniert ist, liegt das Zentrum seines Priesterseins aber im Sakramentalen, im Sich verschenken. Er will «mit den Menschen auf dem Weg sein, für die Menschen da sein».

Seine Erfahrungen in der Seelsorge und in den Kursen der Berufseinführung haben ihm zudem gezeigt, dass im Bistum Basel das Verhältnis zwischen geweihten und nichtgeweihten Seelsorgerinnen und Seelsorgern mit Respekt und Achtsamkeit voreinander gelebt werde beziehungsweise gelebt werden müsse.

Die vielfältige katholische Kirche

«Es ist Sache der Hauptamtlichen in der Seelsorge, die Vielfalt gelten zu lassen», sagt Boris Schlüssel angesprochen auf die hierarchischen Verhältnisse in der katholischen Kirche. Die werden gerade in Zeiten des Priestermangels kritisiert und eine Öffnung von Leitungsämtern gefordert. Hier brauche es, so Schlüssel, Mut, Geduld und Vertrauen, um gemeinsam um Lösungen zu ringen und neue Wege zu gehen.

Eingebunden in einen Pastoralraum und als Vikar, freut sich Boris Schlüssel, sich nun voll und ganz seinem Traumberuf widmen zu können. Ganz besonders freut er sich auf die Buntheit in der Kirche, die sich an so vielen Orten zeige. In der Öffentlichkeit werde die Kirche durch Extrempositionen «von links und rechts» regelrecht kaputtgemacht, sagt Schlüssel. Die bunte Vielfalt und Lebendigkeit dazwischen werde oft gar nicht wahrgenommen.

«Es gibt viele, die glauben zu wissen, wie es sein soll.»

Die katholische Kirche befinde sich – in unseren Breitengraden – in einem starken Umbruch. Aber: «Wir kennen das Ergebnis dieses Erneuerungsprozesses nicht», hält der Seelsorger fest. Statt sich an altbekannten Strukturen oder neu gesetzten Zielen festzuklammern, plädiert Schlüssel für Vertrauen: «Es gibt viele, die glauben zu wissen, wie es sein soll. Das lenkt aber davon ab, was lebt und sich bereits verändert.»

Das Priestersein jetzt leben

Und wie hält er es selber mit dem Respekt und Vertrauen, neue Wege einzuschlagen? «Da legen Sie den Finger in die Wunde», sagt Boris Schlüssel offen und ehrlich zum Journalisten. Er habe grossen Respekt vor der Aufgabe. Ab jetzt könne er nicht mehr nur von den Idealen des Priesterseins reden, sondern müsse sie auch konkret zu leben versuchen.

Boris Schlüssel (rechts) bei der Priesterweihe durch Bischof Felix Gmür. | © zVg/Bistum Basel
13. August 2018 | 13:31
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Mehrere Schritte bis zur Priesterweihe

Künftige Priester in der römisch-katholischen Kirche müssen ein Theologiestudium an einer Universität oder einen vom Bistum anerkannten theologischen Abschluss vorweisen. In dieser Zeit erhalten sie zudem im Priesterseminar ihres Bistums eine spirituelle Ausbildung.

Daran anschliessend findet die sogenannte Berufseinführung, ein zweijähriges Nachdiplomstudium statt. Hier werden künftige Priester und Diakone sowie Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten über weite Teile gemeinsam ausgebildet.

Voraussetzung für die Priesterweihe ist die Diakonenweihe, welche die Kandidaten einige Monate früher erhalten. Hier wird unterschieden zwischen den künftigen Priestern, welche bereits hier die Ehelosigkeit versprechen, sowie den sogenannten Ständigen Diakonen. Diese müssen aber nicht ehelos leben und können in der Seelsorge auch Taufen, Trauungen und Beerdigungen vornehmen. Diese Weihe ist in der römisch-katholischen Kirche Männern vorbehalten.

Die Priesterweihe wird – wie die Diakonenweihe – durch den Bischof des künftigen Einsatzortes erteilt. Bei den Weihen verpflichtet sich der Bischof umgekehrt auch, die Diakone und Priester in seinem Bistum zu beschäftigen.

Die Primiz, die erste Eucharistiefeier, der ein neugeweihter Priester vorsteht, ist dann sozusagen «sein» Fest. Oft wird dieser Gottesdienst nebst dem aktuellen Einsatzort auch noch in der Heimatgemeinde des neuen Priesters gefeiert. (ms)