Kurt Pauli | zVg
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Kurt Pauli | zVg

Das Stattkloster – ein etwas anderes Kloster in der Stadt

St. Gallen, 5.9.17 (kath.ch) St. Gallen hat seit Juli ein neues Angebot: Das Stattkloster. Die Kirche will hier Menschen ansprechen, die mit Spiritualität was anfangen können – aber nicht mit der Kirche. Kurt Pauli ist Leiter des Projektes und erzählt kath.ch, was er sich davon erhofft.

Francesca Trento

Es gibt mittlerweile viele kirchliche Projekte. Warum braucht es noch eins, das «Stattkloster»?

Kurt Pauli: Das Stattkloster ist eine Kirche, die auf die Menschen zugeht. Und das im Alltag, dort, wo sich die Menschen aufhalten: Auf den Märkten, auf den Strassen und in den Quartieren. Das Stattkloster will wahrgenommen werden, es will ebenso das Salz sein wie der Mensch es ist – wie Jesus sagte. Deshalb muss es zu den Menschen hin gehen. Es soll Menschen erreichen, die keinen traditionellen Zugang – oder keinen Zugang mehr – zur Kirche haben.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie sich das Stattkloster den Menschen nähert?

Pauli: Zum Beispiel mit dem Projekt «Brot und Wein». Ein Tisch, der unterschiedlich lang sein kann, wird während Veranstaltungen aufgestellt und mit Brot und Wein gedeckt. An diesem können Menschen auf den Strassen und Quartieren zusammensitzen und ins Gespräch kommen.

Was hat das mit Kirche zu tun?

Pauli: Mit «Brot und Wein» können sich Menschen begegnen, miteinander ins Gespräch kommen. Ziel ist, als Kirche damit fassbarer zu werden und auch Vertrauen zu gewinnen. Hier auf eine nicht-traditionelle Art und Weise.

Wann wird der nächste Tisch aufgestellt?

Pauli: Am 22. September findet die Theateraufführung «Play Luther» statt. Dort werden wir einen etwa 40 Meter langen Tisch aufstellen, unter freiem Himmel. Nächstes Jahr wandert der Tisch eine Woche lang zwischen dem St. Galler Vadiandenkmal und der Kathedrale. Die Länge des Tisches sollte dann Tag für Tag wachsen.

Der Trailer des Theaterstücks Play Luther:

Sie waren sieben Jahre lang Leiter des Projekts «Safranblau». Warum haben Sie nun zum Stattkloster gewechselt?

Pauli: Ich wünschte mir schon seit Längerem «Safranblau» an jüngere Hände weiterzugeben und mich einer anderen Aufgabe zu widmen. Denn «Safranblau» ist genau das: Kirche mit jungen Menschen.

Was sich in diesen sieben Jahren gezeigt hat, wurde nun ins Konzept des Stattklosters aufgenommen: Die Menschen wünschen sich nicht nur maximale Freiheit. Sondern bedürfen auch nach einer gewissen Verbindlichkeit. Als mir «WirkRaumKirche» mir die Möglichkeit gab, das Stattkloster zu übernehmen, nahm ich gerne an.

Stattkloster

Das Stattkloster St. Gallen bietet laut Internetseite Raum für einen anderen Lebensstil. Es handelt sich um ein ökumenisches Projekt mit interreligiöser Weite. Dabei will es an die «reformorientierten Impulse der klösterlichen und eremitischen Tradition St. Gallens» anknüpfen. Anders als andere Klöster ist das Stattklosters kein geschlossener Raum, sondern in der Stadt, auf der Strasse oder als virtueller Marktplatz präsent.

Das Projekt versteht sich als «ein Ort der Aufmerksamkeit und der Weltzugewandtheit». Im Konzept wird es als «Alternative zum Üblichen» und «Sinnfeld für einen anderen Stil» beschrieben. (ms)

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