Daniel Kosch,  ehemaliger RKZ- Generalsekretär
Schweiz

Daniel Kosch: Bereitschaft zu tiefgreifenden Reformen ist wichtig für Synodalität

«Abreissen und neu bauen» geht nicht, schreibt der Schweizer Theologe Kosch auf feinschwarz.net. Reformen müssten aus der bestehenden Kirche heraus entwickelt werden. Dabei könne die Schweiz aus Erfahrungen lernen.

 (KNA) Auch in der Schweiz müssen reformorientierte synodale Prozesse laut dem ehemaligen Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz mit römischen Einwänden rechnen. Entscheidend sei, ob die schweizerische Kirche aus Bischöfen, Laienorganisationen und staatskirchenrechtlichen Körperschaften in der Lage sei, solche Konflikte gemeinsam zu führen, schreibt der Theologe Daniel Kosch in einem am Samstag veröffentlichten Gastbeitrag für das theologische Portal feinschwarz.net.

Kosch erklärt mit Blick auf den Reformprozess Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland, solche Positionierungen stärkten die Reformdynamik: «Eine synodale Kirche ist nicht ohne Konflikte, Verletzungen und Enttäuschungen zu haben.»

Aus deutschen Erfahrungen lernen

Angesichts von Parallelen zwischen der Schweiz und Deutschland analysiert Kosch den Prozess des deutschen Synodalen Weges. Dabei gehe es darum, auf die in Deutschland gemachten Erfahrungen zu hören und daraus zu lernen.

Kosch, der selbst als offizieller Schweizer Beobachter am Synodalen Weg mitgewirkt hatte, hält die vielfältige Radikalkritik am Synodalen Weg für unangebracht. Dieser Weg sei von zahlreichen Bischöfen, Theologen und verantwortungsbewussten Laien mitgetragen und gestaltet worden. «Ich empfinde es als arrogant, ihnen Sachverstand, Verwurzelung im Glauben und in der Gemeinschaft der Kirche und wohl überlegtes Vorgehen abzusprechen.» Zudem entspreche vieles, was der Synodale Weg vorschlage, Erkenntnissen, Forderungen und Erwartungen, die in verschiedenen Teilen der Welt schon lange formuliert würden.

Tiefgreifende Reformen nötig

Aus kirchenrechtlicher Perspektive habe der Synodale Weg «Beachtliches geleistet», wenn es um das Ausloten von Spielräumen des geltenden Rechts, seine Weiterentwicklung und seine Reform gehe. In der Praxis sei es nötig, dem Bestehenden das Neue abzuringen.

Schliesslich führe kein Weg an einem Umbau der Kirche vorbei: «Abreissen und dann neu bauen ist ebenso unmöglich, wie neben dem bestehenden Kirchenhaus ein neues zu planen, zu realisieren und dann umzuziehen.»

Synodale Prozesse bekämen nur dann Kraft, wenn sie sich der Krise der innerkirchlichen Erosion und des gesellschaftlichen Relevanzverlusts wirklich stellten: «Wo Synodalität nur als Versuch erscheint, die Kultur des Miteinanders zu verbessern, ohne zu tiefgreifenden Reformen und Transformationsprozessen bereit zu sein, verliert sie ihre Energie», schreibt Kosch.

Mitentscheiden auch über Pastoral

In der Schweiz sei eine Ausweitung des Prinzips der Mitentscheidung auf pastorale und theologische Fragen erforderlich: «Synodale Gremien müssen auch dort mitentscheiden dürfen, wo es um die Ausrichtung des kirchlichen Lebens geht – und nicht nur dort, wo es ums Geld geht», so der Theologe. Synodale Prozesse bräuchten Öffentlichkeit und Transparenz, um den Kontakt zur kirchlichen Basis und zur Gesellschaft nicht zu verlieren.

Der Synodale Weg in Deutschland habe Lern- und Veränderungsprozesse in Gang gesetzt, hinter die es kein einfaches Zurück gebe: «Selbst wenn Beschlüsse kirchenrechtlich folgenlos bleiben, verändern sie das Bewusstsein, die Sprache, die Erwartungen.»

Auch in der Schweiz brauche die Stärkung der Synodalität langen Atem und Toleranz für Frustrationen, bei gleichzeitig gesetzten konkreten Zeichen. «Wer wartet, bis alle Bedingungen stimmen, wird nicht aufbrechen. Wer aufbricht, macht den Weg», so der Theologe.

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Daniel Kosch, ehemaliger RKZ- Generalsekretär | © Jeannette Häsler Daffré
5. Oktober 2026 | 16:00
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