Civitas Schweiz hat die Vorführung des Dokumentarfilms "Hunky Jesus" verhindern wollen.
Schweiz

Civitas protestiert in Genf gegen «blasphemischen» Queer-Film

Die rechtskonservative katholische Bewegung Civitas Schweiz meldet sich zu Wort. Sie erwägt, Klage wegen Verletzung religiöser Überzeugungen gegen das Genfer Queer-Festival «Everybody’s Perfect» einzureichen, das vom 9. bis 18. Oktober im Kino Grütli stattfand.

Lucienne Bittar, cath.ch

Die katholische Organisation Civitas wurde Anfang Oktober 2023 in Frankreich aufgelöst, weil sie als Bedrohung für die Französische Republik angesehen wurde und antisemitische, islamfeindliche und homophobe Thesen vertrat.

In der Schweiz gibt es Civitas weiterhin. Jüngst hat sie die Streichung des Films «Hunky Jesus» aus dem Programm des Queer-Filmfestivals «Everybody’s Perfect» in Genf verlangt. Der Film wurde aber wie geplant am 17. Oktober gezeigt. Civitas erwägt nun, Strafanzeige zu erstatten, berichtet die Tageszeitung «Tribune de Genève».

Film über sexiesten Jesus-Doppelgänger

«Hunky Jesus» ist ein Dokumentarfilm über die Wahl des «sexiesten Jesus-Doppelgängers», die jedes Jahr zu Ostern in einem Park in San Francisco stattfindet. Dieser Wettbewerb wird von den «Sisters of Perpetual Indulgence» organisiert, einer als Nonnen verkleideten Männergruppe.

«Ihre Bewegung entstand dort im Jahr 1979, gegründet von Schwulen, die der christlichen Botschaft zutiefst verbunden waren, um dem vorherrschenden religiösen Konservatismus entgegenzuwirken. Anschliessend verbreiteten sie sich über die ganze Welt, um soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und ‹universelle Freude› zu fördern», heisst es auf der Website des Festivals. «Der Film vermischt skurrile Reinkarnationen mit blasphemischen Kabarettnummern.»

Civitas seinerseits sah darin eine «abscheuliche, blasphemische Farce», die sie in den sozialen Netzwerken anprangerte.

Civitas und die LGBTQ-Frage

Die 1999 gegründete Bewegung Civitas ist traditionalistisch, ähnlich wie die Priesterbruderschaft St. Pius X. Im Jahr 2012 hatte sie sich in Frankreich gegen die Ehe für alle engagiert und dabei die «Homofolie» angeprangert. Im April 2022 wurde gegen sie Anzeige erstattet, weil sie die Aktion eines katholischen Kollektivs unterstützt hatte, das in den sozialen Netzwerken Drohungen gegen den Sänger Bilal Hassani, eine LGBTQ-Ikone, ausgesprochen hatte.

Nachdem sich das Festival geweigert hatte, den Dokumentarfilm aus dem Programm zu nehmen, beantragte Civitas beim Kanton die Genehmigung, während der Vorführung vor dem Kino «Grütli» den Rosenkranz zu beten. Diese Aktion hätte in ihren Augen den Charakter einer öffentlichen Wiedergutmachung gehabt.

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Das kantonale Departement für Institutionen lehnte dies ab und wies darauf hin, dass in Genf religiöse Veranstaltungen im privaten Bereich stattfinden müssen und nur in Ausnahmefällen im öffentlichen Raum erlaubt sind.

Möglicher Rekurs

Alain Späth, Präsident von Civitas, erklärte, er respektiere diese Entscheidung, werde jedoch Rekurs einlegen: «Das Beten des Rosenkranzes ist nicht der Kern der Veranstaltung, bei der es sich um eine politische Kundgebung handelt – ein vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte garantiertes Recht. Und wir haben erst vor einer Woche von dieser Vorführung erfahren.»

In einem an Civitas gerichteten Schreiben schreibt die Festivalleitung ihrerseits: «Sie beurteilen einen Film, den Sie nicht gesehen haben. Niemand wird gezwungen, ihn sich anzusehen.» Dass ein Werk als beleidigend empfunden werde, reiche nicht aus, um einen Verstoss festzustellen.

Beschwerde gegen ein Plakat

Es ist nicht das erste Mal, dass Civitas in Genf aktiv wird. Im Jahr 2024 hatte sie Beschwerde gegen die «Bains des Pâquis» eingereicht, da sie ein Plakat, das eine «Madonna mit Faultier» darstellte, als blasphemisch empfand. Die Strafkammer für Rekurse hatte ihre Beschwerde als unzulässig zurückgewiesen, woraufhin der Verein verzichtete, weitere Schritte zu unternehmen. (Adaption und Übersetzung aus dem Französischen: Regula Pfeifer)


Civitas Schweiz hat die Vorführung des Dokumentarfilms «Hunky Jesus» verhindern wollen. | © queer film festival
21. Oktober 2026 | 12:00
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