Saad Sirop, apostolischer Visitator für die chaldäischen Katholiken in Europa | © Jacques Berset
Schweiz
Saad Sirop, apostolischer Visitator für die chaldäischen Katholiken in Europa | © Jacques Berset

Chaldäer hoffen auf eigene Mission in der Schweiz

Freiburg, 28.2.17 (kath.ch) Die gegen 200 chaldäisch-katholischen Familien in der Schweiz sollen noch dieses Jahr priesterliche Dienste erhalten. Dies bestätigt der irakische Bischof Saad Sirop nach einem Gespräch mit dem Westschweizer Bischof Charles Morerod. Sirop ist als apostolischer Visitator für die chaldäischen Gläubigen in Europa zuständig.

Bischof Saad Sirop hat sich am 27. Februar in Freiburg mit Charles Morerod, dem Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), über die Einrichtung einer chaldäischen Mission in der Schweiz unterhalten.

Kleine Gemeinde aus dem Irak

«Bischof Morerod hat sehr offen reagiert auf den Vorschlag, eine chaldäische Mission in der Schweiz auf die Beine zu stellen und uns Hilfe angeboten», erklärt Sirop. Der irakische Bischof, 1972 in Bagdad geboren, besucht die chaldäischen Gemeinden Europas seit vier Monaten. Er hat noch nicht entschieden, ob er seinen Sitz in Schweden oder Deutschland haben wird – den beiden Ländern mit den grössten assyro-chaldäischen Migrationsgemeinschaften.

Eine kleine assyrisch-chaldäische Diaspora, vor allem aus dem Irak, ist in den letzten Jahrzehnten in die Schweiz gekommen. «Die ersten haben sich vor ungefähr 30 Jahren niedergelassen, die anderen vor kurzem», sagt Sirop. «Es ist nicht einfach für einen Iraker, in der Schweiz anzukommen», fügte er hinzu.

Sirop war Weihbischof in Bagdad, bevor er von der chaldäischen Synode zum apostolischen Visitator für die chaldäischen Gläubigen in Europa bestimmt und am 19. November 2016 von Papst Franziskus dazu ernannt wurde. Er übernahm die Nachfolge von Ramzi Garmou, dem chaldäisch-katholischen Bischof von Teheran, der diesen Posten seit 1999 innehatte.

Arabische Christen eher anpassungsfähig

Bischof Sirop vermutet, dass die arabisch-christlichen Flüchtlinge sich besser in westlichen Ländern integrieren können als ihre muslimischen Landsleute – weil sie deren Religion besser verstehen. «Die Christen in unserem Land sind flexibler. Die Interpretation der Heiligen Schrift ist verstärkt der Vernunft und dem gesunden Menschenverstand unterworfen.»

In einer immer komplexeren Welt müsse man mit der Realität vernünftig umgehen können, betont Sirop. Man müsse Brücken bauen, um zu kommunizieren und keine Festungen, um sich vom Rest der Gesellschaft zu isolieren. Diese Öffnung sei wichtig, wenn man im Westen in einer demokratischen Gesellschaft lebe. «Die arabischen Christen sind eher befähigt sich anzupassen; die Prinzipien des Christentums helfen ihnen dabei.»

Nach Auskunft des apostolischen Visitators lebt heute rund eine halbe Million chaldäische Christen in der Diaspora – vorwiegend in Europa, den Vereinigten Staaten und Südamerika. In Irak hingegen sind es weniger als 300’000, wovon die meisten in die irakisch-kurdischen Gebiete geflohen sind. Kleinere Gemeinschaften existieren in Iran, Syrien, Libanon, Israel und Ägypten.

Baldige Rückkehr nicht zu erwarten

Im letzten Herbst wurden die ehemals christlich-irakischen Dörfer vom «Islamischen Staat» (IS) befreit. Die Christen werden aber nicht gleich dorthin zurückkehren, ist Sirop überzeugt. Es fehlten Sicherheitsgarantien. Sie hätten das Vertrauen in ihre muslimischen Nachbarn verloren, denn diese hätten sich an der Plünderung ihrer Häuser beteiligt und seien zum IS übergelaufen.

Unter der Diktatur von Saddam Hussein sei die Situation für die Christen und andere Minoritäten besser gewesen, sagt der irakische Bischof. Er bedauert, dass der Westen dem Irak seine Vision einer Demokratie auferlegen wollte. Das habe das Land destabilisiert. Er bezweifelt im Gespräch auch, ob der Islam mit Demokratie vereinbar sei. (cath.ch/rp)

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