Integrationskurse für junge Flüchtlinge | © Fabian Biasio/Caritas Schweiz
Schweiz
Integrationskurse für junge Flüchtlinge | © Fabian Biasio/Caritas Schweiz

Caritas Schweiz fordert verbindliche Anwendung der Integrationsagenda des Bundes

Immensee SZ, 24.5.18 (kath.ch) Im April haben sich Bund und Kantone auf eine gemeinsame Agenda für die Integration von Flüchtlingen und vorläufig aufgenommenen Personen geeinigt. Dafür stellt der Bund dreimal mehr Geld als bislang zur Verfügung. Caritas Schweiz fordert, dass den Kantonen beim Einsatz dieser Mittel auf die Finger geschaut werden soll.

Martin Spilker

«Wir begrüssen die Integrationsagenda von Bund und Kantonen für Flüchtlinge sehr», machte Caritas-Direktor Hugo Fasel am Mittwoch bei einer Medienkonferenz in Immensee im Kanton Schwyz gleich zu Beginn klar. Ab 2019 werden die Kantone schliesslich neu 18’000 anstelle der bisher 6000 Franken für Integrationsmassnahmen pro Person erhalten. Damit soll jugendlichen und jungen erwachsenen Flüchtlingen eine rasche Integration und Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt ermöglicht werden. Ziel ist es, dass diese in der Schweiz ihren Lebensunterhalt rasch selber bestreiten können.

Monitoring vorgeschlagen

Damit wären grundlegende Voraussetzungen für eine gute Integration erfüllt, wie sie die Caritas fordert. Doch dem einleitenden Satz des Caritas-Direktors folgte eben auch ein «Aber». Wenn der Bund die Mittel zur Integration von Flüchtlingen so stark erhöhe, dann müsse der richtige Einsatz dieser Gelder auch kontrolliert und ausgewiesen werden. Der Caritas schwebt hier ein Monitoring vor, mit dem sich die Arbeit der Kantone untereinander vergleichen und messen lässt.

Die Integrationsagenda übersetzen

Bewusst hatte Caritas Schweiz für die Präsentation ihrer Forderungen Räumlichkeiten im Missionshaus Bethlehem in Immensee gewählt, wo der Kanton Schwyz eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Asylsuchende eingerichtet hat. Gegen 50 Jugendliche leben dort und lernen Sprache, Kultur und Umgangsformen ihres neuen Zuhauses. «Die Integrationsagenda redet von Jugendlichen. Das wollen wir hier übersetzen.»

Bildungsstand wie nach der «Neunten»

Marianne Hochuli, Leiterin Bereich Grundlagen Caritas Schweiz | © Georges Scherrer
Solche Angebote seien von grosser Bedeutung für eine gelingende Integration, sagte Marianne Hochuli, Leiterin des Bereichs Grundlagen bei Caritas Schweiz. Auch sie begrüsst die neue Integrationsagenda. Bei den jungen Leuten sei es aber auch wichtig, ihnen eine tragfeste Struktur zu geben. Denn mit 18 Jahren müssen sie Unterkünfte wie die in Immensee verlassen und seien dann auf sich gestellt.

Darum ist es für Caritas Schweiz zentral, dass den jungen Leuten eine möglichst gute Voraussetzung für den Eintritt in eine Erwerbstätigkeit mitgegeben wird. Ziel müsse es sein, dass die jungen Flüchtlinge mit Erreichen des 18. Altersjahres eine vergleichbare Bildung wie nach dem 9. Schuljahr der obligatorischen Schule aufweisen könnten.

Möglichkeiten werden nicht ausgeschöpft

Marianne Hochuli wies an dieser Stelle darauf hin, dass vielerorts die Erfahrungen und Kenntnisse der jungen Leute überhaupt nicht ausgeschöpft, sprich für die Integration in die neue Umgebung berücksichtigt würden. Dies zeige auch die niedrige Erwerbsquote von nicht einmal 50 Prozent bei Flüchtlingen. Deren Motivation, in der Schweiz einen Beruf zu lernen oder eine Ausbildung fortzuführen, sei umgekehrt aber sehr gross.

«Die Arbeit mit Menschen verläuft nie nach dem Schema F.»

Wichtig ist für Hochuli auch, dass den jugendlichen Flüchtlingen, wenn sie in der Schweiz angekommen sind, Sicherheit vermittelt werde und sie dann auf eine enge und dauerhafte Begleitung zählen können. Denn, so Marianne Hochuli: «Die Arbeit mit Menschen verläuft nie nach dem Schema F.»

Bei Bundesrätin Sommaruga vorsprechen

Eine zielführende Verwendung der deutlich höheren Gelder für die Integration, das fordert Caritas Schweiz. Um diesem Anliegen Gewicht zu verleihen, trifft sich eine Vertretung des Hilfswerks Anfang Juni mit der zuständigen Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Hier will Fasel auch das Monitoring der vom Bund gesprochenen Gelder zur Sprache bringen. Denn hier fehlten, im Unterschied zu Bundesbeiträgen in anderen Bereichen, verbindliche Auflagen.

So sehen sowohl Marianne Hochuli wie Hugo Fasel denn auch die Gefahr, dass die Kantone die höheren Bundesbeiträge nicht voll und ganz für Integrationsmassnahmen von jungen Flüchtlingen verwenden könnten. Da will das Hilfswerk aber den Finger draufhalten.

Positionspapier zur Integration von Caritas Schweiz

Unterlagen zur Integrationsagenda von Bund und Kantonen

Pfingstbotschaft: Integration statt Ausgrenzung

Hugo Fasel | © Martin Spilker
Hugo Fasel | © Martin Spilker
Beispiel aus der Integrationsarbeit von Caritas Freiburg: Ein Migrant aus Eritrea arbeitet als Elektromonteur-Lehrling. | © Flurin Bertschinger/Ex-Press/Caritas
Beispiel aus der Integrationsarbeit von Caritas Freiburg: Ein Migrant aus Eritrea arbeitet als Elektromonteur-Lehrling. | © Flurin Bertschinger/Ex-Press/Caritas
News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum