Bürgler Kirchenrat setzt auf Gespräch und legt neue Fakten offen

Bürglen UR, 27.2.15 (kath.ch) Der Bürgler Kirchenrat setzt alles auf den Dialog mit Bischof Vitus Huonder. Dies betonte er an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung am Donnerstagabend, 26. Februar. Der Konflikt zwischen Pfarrer Wendelin Bucheli und dem Bistum von Chur wegen der Segnung eines Lesbenpaares lockte Fernsehen und Presse an.

Regula Pfeifer

Das Wichtigste sei, «dass wieder Ruhe einkehrt in Bürglen, dass Gerüchte durch Informationen ersetzt werden und sich unser Pfarreiteam wieder um seine eigentliche Aufgabe, die Seelsorge, kümmern kann.» Das sagte die Präsidentin des Kirchenrats, Susanne Bätscher-Planzer, zum Auftakt der Versammlung. Was sie damit meinte, zeigte der Abend. Die Pfarrkirche von Bürglen war – bis auf die vordersten vier leeren Bänke – zum Bersten voll. Fernsehteams von Tele 1 und SRF, Fotografen und weitere Medienleute nahmen den Anlass auf und baten die Kirchenratsvertreter und Publikum vorgängig und nachträglich um Stellungnahmen.

«Wir setzen auf den Dialog mit dem Bischof»

Die Kirchenratsvertreter – auch Pfarrer Wendelin Bucheli – setzten sich an zwei Tische im erhöhten Altarraum. Peter Vorwerk, Vizepräsident und Medienverantwortlicher des Kirchenrats, trat ans Rednerpult und gab ausführlich Bericht über die Causa Wendelin Bucheli, wie sie aus Sicht des Kirchenrats ablief. Und zum Schluss äusserte er drei Anliegen: Als Erstes wünsche der Kirchenrat ein Gespräch mit Vitus Huonder. «Wir sind überzeugt, nur im direkten Gespräch zwischen den Beteiligten können gute Lösungen erarbeitet werden. Wir setzen deshalb voll auf den Dialog mit dem Bischof», sagte Vorwerk. Er zeigte sich überzeugt, Huonder «als Oberhirt des Bistums» werde ihnen «ein offenes Ohr schenken».

Der Kirchenratsvertreter verlangte eindringlich, das Thema sollte vorläufig aus der Öffentlichkeit verschwinden. Es gehe jetzt darum, sich an den runden Tisch zu begeben und das Problem zu lösen. Sobald eine Lösung da sei, werde man diese kommunizieren, versprach er den anwesenden Medien. Und er äusserte die Hoffnung, das werde dann eine gemeinsame Stellungnahme sein. Ausserdem sah er in der verzwickten Lage eine Chance: «Geben wir ein gutes Beispiel. Zeigen wir, wie wir einen Konflikt auf christliche Art und Weise, im Einklang mit unseren christlichen Grundwerten, lösen können.»

Im Oktober war Buchelis Verbleib noch gewiss

In Vorwerks Darstellung kamen einige neue Punkte zur Sprache. Offenbar fand Ende Oktober – nach der Segnung des lesbischen Paars und unabhängig davon – ein Gespräch zwischen dem Bischofsvikar von Freiburg, Nicolas Glasson, und Pfarrer Wendelin Bucheli statt. Der Bischofsvikar wollte im Auftrag des Freiburger Bischofs wissen, ob Wendelin in sein Ursprungsbistum zurückzukehren möchte. Aus dem Gesprächsverlauf ging laut Vorwerk hervor, Bucheli könne weitere fünf Jahre in Bürglen bleiben. Am 8. Februar verlautete dann aber aus Chur, Bischof Huonder habe mit Bischof Morerod beschlossen, Bucheli nach Freiburg zurückzuschicken.

Auch die verschiedenen Gesprächsbemühungen brachte Vorwerk in seiner Rückblende zur Sprache: Nach dem ersten Gespräch unter vier Augen zwischen Wendelin Bucheli und Vitus Huonder habe der Bischof in einem Brief, datiert vom 4. Februar, an den Pfarrer festgehalten, Bucheli habe seine Verfehlungen eingesehen und selber festgestellt, ein Verbleib in Bürglen sei so nicht möglich. Diese Gesprächsdarstellung wies Wendelin in einem Telefonat vom 7. Februar mit der Bistumssekretärin entschlossen zurück. Er doppelte am 10. Februar in einem Schreiben an den Bischof nach, da er keine Rückmeldung auf sein Telefonat erhalten hatte. Im selben und einem weiteren Brief tags darauf bat Bucheli um einen Gesprächstermin mit dem Bischof. Die Antwort kam von der Sekretärin, ohne Terminvorschlag.

Schritte hin zum Dialog

Der neuste Versuch des Bürgler Kirchenrats, einen Dialog in Gang zu bringen, datiert vom Mittwoch, 25. Februar. In einem Brief ans Bistum schlug er ein Treffen einer Zweierdelegation des Kirchenrats mit dem Bischof vor. Das Gespräch könne auf neutralem Boden – also weder in Chur noch in Uri – stattfinden und – falls der Bischof einverstanden sei – von einem Moderator geleitet werden.

Der Kirchenrat ist überzeugt: Um diesen Konflikt zu lösen, werden mehrere Gespräche notwendig sein, am besten in unterschiedlicher Besetzung. Je nach Fragestellung könnte der Generalvikar, eine Vertretung des Dekanats, des Kirchenrats oder des Pfarreirats in den Dialog einbezogen werden, so die Idee des Kirchenrats.

27. Februar 2015 | 12:26
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