Claudius Luterbacher-Maineri  | © zVg
Schweiz
Claudius Luterbacher-Maineri | © zVg

Bischofskanzler: «Bürglen hat das Potenzial zu einem zweiten Fall Röschenz»

St. Gallen/Bürglen UR, 11.2.15 (kath.ch) Der jahrelange Streit zwischen dem damaligen Basler Bischof Kurt Koch und Franz Sabo, Priester in Röschenz BL, ging in die Annalen der neueren Schweizer Kirchengeschichte ein. Seit Sonntag, 8. Februar, macht auch in Bürglen UR im Bistum Chur ein Kirchenkonflikt Schlagzeilen. Parallelen scheinen offensichtlich. «Doch ohne Dossierkenntnis lässt sich nicht mit Sicherheit beurteilen, ob eine Röschenz-Konstellation vorliegt», sagte der Kirchenrechtler und Kanzler des Bistums St. Gallen Claudius Luterbacher am Mittwoch, 11. Februar, gegenüber kath.ch.

Barbara Ludwig

Im Fall Röschenz gab es eine Auseinandersetzung zwischen einem Bischof und einem Priester, der von der Kirchgemeinde unterstützt wurde: Obschon Bischof Kurt Koch dem früheren Pfarradministrator von Röschenz 2005 die Missio canonica, die kirchliche Beauftragung, entzogen hatte, wirkte Sabo weiterhin als Seelsorger in der Baselbieter Gemeinde. Die Kirchgemeinde weigerte sich, den Anstellungsvertrag mit dem suspendierten Priester aufzulösen. Der Fall kam schliesslich vor ein staatliches Gericht, das der Kirchgemeinde Recht gab. Das Baselbieter Kantonsgericht entschied, die Kirchgemeinde müsse dem Geistlichen nicht kündigen, weil Koch beim Entzug der Missio Sabo das rechtliche Gehör nicht gewährt hatte.

Auch in Bürglen sind drei Parteien involviert: Auf der einen Seite ein Bischof, der den Pfarrer wegschicken will, weil dieser im vergangenen Herbst ein Lesben-Paar gesegnet hat. Auf der anderen Seite ein Priester, der bereits öffentlich angekündigt hat, er wolle weiterhin Pfarrer in Bürglen bleiben. Und die Kirchgemeinde, die hinter dem Seelsorger steht. Als weiterer Akteur ist zudem der Westschweizer Bischof Charles Morerod im Spiel, in dessen Diözese Der Pfarrer von Bürglen inkardiniert ist. Auch dies eine Parallele zu Röschenz: Sabo stammte aus dem Erzbistum Bamberg.

Potential für ein zweites Röschenz

Drei «Voraussetzungen» müssten erfüllt sein, damit man «vordergründig» von einer Röschenz-Konstellation sprechen könne, sagte Luterbacher gegenüber kath.ch. Zunächst müsste Huonder Bucheli die Missio entziehen. Dann müsste der Priester sich trotz Missio-Entzug weigern, seine Aufgabe als Seelsorger in Bürglen aufzugeben. Und drittens müsste die Kirchgemeinde ihm weiterhin den Lohn auszahlen.

Einiges deutet darauf hin, dass «Bürglen» das Potential für ein zweites «Röschenz» in sich birgt. Trotzdem könne man «ohne Dossierkenntis» keine gesicherte Aussage machen, stellt Luterbacher klar. Es handle sich um einen anderen Kanton mit unterschiedlicher Rechtsgrundlage. So komme es etwa auf den Status des Pfarrers an: Ist er in einem Anstellungsverhältnis? Ist er vom Volk gewählt? Je nach Konstellation falle die rechtliche Beurteilung unterschiedlich aus, so Luterbacher.

Kirchgemeinde: «Kein Grund für Missio-Entzug»

Eine Anfrage in Bürglen ergibt: Es existiert einen Anstellungsvertrag zwischen der Kirchgemeinde und Bucheli, wie Peter Vorwerk, Vizepräsident des Kirchenrates, am Mittwoch, 11. Februar, gegenüber kath.ch bestätigte. Der Pfarrer sei zudem von der Kirchgemeindeversammlung gewählt worden.

Würde die Kirchgemeinde Bucheli weiterhin beschäftigen, wenn Huonder diesem die Missio entzöge? «Diese Frage kann ich nicht beantworten», sagte Vorwerk. «Im Moment gibt es aus unserer Sicht keinen triftigen Grund, Bucheli die Missio zu entziehen.» Soweit ist man in Chur nicht: Vorerst erwartet der Bischof von Bucheli, dass dieser seine Demission einreicht. (kath.ch)

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