Bruder-Klaus-Statue wird in die Kirche getragen | © Georges Scherrer
Schweiz
Bruder-Klaus-Statue wird in die Kirche getragen | © Georges Scherrer

Bruder Klaus als Inspiration für die heutige Zeit

Sachseln OW, 25.9.17 (kath.ch) Das Jubiläumsjahr zu Bruder Klaus hat den Blick auf die Schweiz geöffnet, erklärte der Priester des Predigerordens, Peter Spichtig, im katholischen Festgottesdienst in Sachseln zu Ehren des Heiligen. Dessen Beispiel für soziale Gerechtigkeit, Partnerschaft und Beziehungsgestaltung gewinne heute neue Bedeutung.

Georges Scherrer

Mit viel staatsmännischer Würde und katholischer Pracht wurde der dritte offizielle Gedenktag in Sachseln eröffnet. Nach dem Familientag am Samstag und dem nationalen ökumenischen Gedenken am Sonntag folgte am Montag das Bruder-Klausen-Fest. Zu diesem waren neben den Mitgliedern der Schweizer Bischofskonferenz zahlreiche Vertreter der Deutschschweizer Bistümer, Äbte und Äbtissinnen in die Innerschweiz gereist.

Nicht minder hochrangig waren die Delegationen, welche zwei Kantone stellten. Neben den Kantonsregierungen von Obwalden und Appenzell Innerrhoden nahm Ständeratspräsident Ivo Bischofberger teil. Die Delegation aus Innerrhoden war angereist, weil sie am 30. April am offiziellen Staatsakt zu Ehren des Heiligen fern bleiben musste. Gleichtags fand nämlich die Landsgemeinde statt.

Bis vor die Kirche

Die Delegationen füllten die Kirche von Sachseln. Für die Gläubigen, die zum Teil von weither angereist waren, blieb nicht mehr viel Raum. Eine stattliche Anzahl von ihnen folgte dem Gottesdienst auf dem Vorplatz der Kirche, wohin die Feier per Video übertragen wurde.

Auch Gäste aus dem Ausland waren zu verzeichnen, unter ihnen aus Burkina Faso der Erzbischof von Ouagadougou, Philippe Ouédraogo, aus Indonesien Erzbischof Vincentius Potokota und aus dem Kongo Bischof Nicolas Djomo. Kardinal Kurt Koch, der am Vortag am ökumenischen Gottesdienst teilgenommen hatte, konzelebrierte ebenfalls.

Schweizergardisten, Fahnenträger, Trachtenleute und eine lebensgrosse Statue des Heiligen, die durch die Kirche in den Altarraum getragen wurde, vervollständigten das festliche Bild, das akustisch von einem Chor, der Orgel und Harfenklängen mitgetragen wurde.

Beispiel des Heiligen

Dem Festgottesdienst stand Ortsbischof Vitus Huonder vor. Er begrüsste die Gottesdienstbesucher mit der Aufforderung, sich selbst einen guten Anteil davon zu geben, was der Heilige immer wieder benannt habe: Jesus. Der Bischof munterte dazu auf, aus dem Herzen zu entfernen, was nicht gut sei, und sich ganz dem Herrn hinzugeben.

Für einmal hatten in Obwalden nicht die Politiker das Wort. Sie durften sich vielmehr anhören, was die Kirche ihnen zu sagen hatte, dies aus dem Mund des Dominikaners und Co-Leiter des Liturgischen Instituts in Freiburg, Peter Spichtig, der sich eingangs fragte: «Was kann man im laufenden Jubiläumsjahr Neues zu Bruder Klaus sagen?» An zahlreichen nationalen und nicht nationalen Anlässen wurde viel über den Heiligen aus der Schweiz gesprochen.

«Friedensinsel Schweiz» in der unteren Ranftkapelle | © Bruder-Klausen-Stiftung Sachseln

Spichtig bettete seine Botschaft in die Begriffe soziale Gerechtigkeit, Partnerschaft und Beziehungsgestaltung ein und interpretierte das berühmte Votivbild «Friedensinsel Schweiz», das sich als Fresko in der unteren Ranftkapelle befindet, als eine ironisch-kritische Aussage. «Solange die Rhetorik der geistigen Landesverteidigung nachwirkte, konnte man es auch ganz naiv patriotisch lesen», sagte der Prediger.

Kein Heiliger des Wohlstandes

Bruder Klaus beschütze nach wie vor die Schweiz, «wenn wir ihn darum bitten». Aber möglicherweise nicht so, wie man es sich wünsche: «Der Schutz unseres Wohlstandes kann es nicht sein, denn wir leben auf zu grossen Fuss», so die kritischen Worte an die Gemeinde. Erklärend meinte der Dominikaner weiter: «Wie könnte Bruder Klaus vom Himmel her unsere Bankkonti schützen wollen?»

Die ethischen Spannungen der heutigen Schweizer seien anders als zurzeit von Bruder Klaus. Zwar klebte dem Eremiten als ehemaligen Kriegsmann Blut an den Händen. Aber auch der Mensch von heute habe blutbesudelte Hände. «Das Blut der ausgebeuteten Frauen und Kinder, die unsere billigen Kleider nähen und die Edelmetalle für unsere Mobiltelefone schürfen.» Niklaus von Flüe wollte trotz der Spannungen, in welche ihn sein Leben als Soldat, Politiker und Richter geführt hatte, «gerecht sein».

Ein Entwicklungsprozess

Ein weiteres Spannungsfeld war die Beziehung zu seiner Familie. «Er musste sie loslassen.» Seine Beziehung zu seiner Frau wie zu seinen Kindern veränderte sich. Daraus schloss der Prediger: «Klaus und Dorothee führen mir die Ehe als Entwicklungsprozess neu und erstaunlich modern vor.» Spichtig nannte die Ehe ein Lebensprojekt, das immerfort in Entwicklung sei. «Beziehung in lebenslänglicher Verbindlichkeit ist lebbar, auch wenn jedes der beiden sich weiter entwickelt.»

Nach dem Gottesdienst war die Festgemeinde zum Volksapéro eingeladen. Die drei Gedenktage wurden am Abend durch das Geläut der Kirchen und Kapellen in Obwalden abgeschlossen, begleitet vom Betruf und Alphornklängen in Flüeli-Ranft.

Bischof Vitus Huonder leitete den Gottesdienst | © Georges Scherrer
Bischof Vitus Huonder leitete den Gottesdienst | © Georges Scherrer
Peter Spichtig | © Georges Scherrer
Peter Spichtig | © Georges Scherrer
Die Konzelebrierenden | © Georges Scherrer
Die Konzelebrierenden | © Georges Scherrer
Gottesdienstübertragung auf den Kirchen-Vorplatz | © Georges Scherrer
Gottesdienstübertragung auf den Kirchen-Vorplatz | © Georges Scherrer
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