Schweiz

Bistum Chur: Domherr Martin Bürgi gestorben

Er war ein Anhänger der Alten Messe und liess zusammen mit Generalvikar Martin Grichting die Bischofswahl platzen: Domherr Martin Bürgi. Nach Informationen von kath.ch ist er im Alter von 88 Jahren gestorben. Im Domkapitel hat das Grichting-Lager keine Mehrheit mehr.

Raphael Rauch

Vor knapp zwei Jahren, am 19. März 2019, feierte Bürgi sein 60. Weihejubiläum. Er lebte als Pfarrer im Ruhestand in Oberarth.

2014 hatte der damalige Bischof Vitus Huonder Büri zum Pfarradministrator der Personalpfarrei Maria Immaculata in Oberarth ernannt. Es handelt sich um eine Personalpfarrei, die die Messe nach altem Ritus feiert.

Verantwortlich dafür ist der Petrusbruder Martin Ramm. Er ist «Bischofsvikar für die Angelegenheiten der Ausserordentlichen Form des Römischen Ritus» im Bistum Chur, wie sein Titel offiziell heisst.

«Unflexibel in seiner Position»

Martin Bürgi hatte viele Kritiker. «Er hat sich im Kreise der Traditionellen bewegt. Er zelebrierte gerne im ausserordentlichen Ritus und wurde von den Gläubigen dieser Auffassung geschätzt», sagt ein Domherr über den verstorbenen Pfarrer. «Er war sehr unflexibel in seiner Position.»

Drei der Gegner der päpstlichen Terna (v. l.): die Domherren Martin Bürgi, Roland Graf, Paul Schlienger

Seinen letzten grossen Auftritt hatte Bürgi bei der Sitzung des Domkapitels am 23. November 2020. Nach Informationen von kath.ch gehörte Bürgi zu den konservativen Domherren, die den Kurs von Generalvikar Martin Grichting unterstützten, die Bischofswahl platzen zu lassen.

Vakante Sitze im Domkapitel

Papst Franziskus hatte dem Domkapitel als Kandidaten für das Bischofsamt Offizial Joseph Bonnemain, den Generaloberen der Zisterzienser, Mauro Lepori, und den Abt von Disentis, Vigeli Monn vorgeschlagen. Mit elf zu zehn Stimmen setzte sich das Lager um Martin Grichting durch, die Liste abzulehnen.

Mit dem Tod von Martin Bürgi sind drei Sitze im Domkapitel vakant. 2020 sind die Domherren Christoph Casetti und Hans Willy Cantoni gestorben. Laut Statuten sollen freiwerdende Posten innerhalb von drei Monaten besetzt werden.

Keine Ernennung in Sicht

«Bischof Peter Bürcher hat bis jetzt dazu tendiert, keine Ernennungen zu tätigen, die das freie Wirken des neuen Diözesanbischofs einschränken würden», sagt ein Insider des Bistums Chur.

«Es ist anzunehmen, dass er im Falle der Neubesetzung der Kanonikate auch so handelt.» Durch Bürgis Tod wäre das Grichting-Lager im Domkapitel mit zehn zu elf Stimmen in der Minderheit.

Von Lauerz über Schwyz nach Chur

Der «Bote der Urschweiz» berichtete 2019 anlässlich des Diamantenen Priesterjubiläums, Martin Bürgis Grossvater habe seine Jugend als Arther Bürger zuerst auf der Kilchstalden in Goldau verbracht. Später zog die Familie nach Lauerz – «oberhalb der Marienkapelle auf den Langberg, wo Domherr Martin Bürgi seine Schulzeit verbringen durfte», schrieb das Blatt.

«Im Anschluss an die Zeit in Lauerz erwarb er sich mit viel Fleiss im Kollegium Schwyz die Matura. Dem ersten Erfolg folgte darauf ein fünfjähriger Aufenthalt im Priesterseminar Chur.»

Generalvikar aus Vaduz predigt am Priesterjubiläum

Seine Verbundenheit zum konservativen Flügel innerhalb des Bistums zeigt auch der Festprediger seines Diamantenen Priesterjubiläums: Markus Walser, Generalvikar des Erzbistums Vaduz.

1998 sorgte Martin Bürgi für Schlagzeilen, weil er auf die Hälfte seines Lohns verzichtete. Die Kirchgemeinde Riemenstalden SZ schrieb rote Zahlen. Pfarrer Bürgi sprang ein, indem er auf die Hälfte seines Salärs von 40’000 Franken verzichtete.

Kampf gegen den Zeitgeist

Bürgi hatte grosse Sympathien für die erzkonservative Stiftung «Pro Ecclesia». 2004 sagte er anlässlich deren 20-Jahr-Feier: Die Kirche sei zum Kampf gegen den Zeitgeist aufgerufen.

«Wir müssen uns zwischen den beiden Möglichkeiten entscheiden: entweder unseren Glauben zu verteidigen oder ihn zu unserer Schande aufzugeben. Und doch ist die Angst vieler Leute wohl grösser, als notwendig wäre, da man nach menschlicher statt nach göttlicher Hilfe Ausschau» halte, sagte Bürgi.

Im November hat Martin Bürgi mit der geplatzten Bischofswahl seinen letzten Kampf gewonnen. Nun muss er nicht mehr kämpfen. Die Todesanzeige zitiert den Ersten Brief des Paulus an Timotheus: «Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.»


Die Domherren Martin Bürgi (li.) und Roland Graf auf dem Weg ins bischöfliche Schloss | © Manuela Matt
6. Januar 2021 | 15:00
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