Bischof Jean-Marie Lovey
Schweiz

Bischof Lovey ruft zur Fronleichnams-Kollekte für Blatten auf

Bischof Jean-Marie Lovey bittet alle Pfarreien seines Bistums Sitten, die Kollekte an Fronleichnam für die vom Bergsturz betroffene Pfarrei Blatten einzuziehen. Die Initiative dazu geht von einer Privatperson aus.

Regula Pfeifer

Alle Pfarreien des Bistums Sitten sollen die Kollekte am Fronleichnamstag für die Pfarrei Blatten einziehen, dazu ruft Bischof Jean-Marie Lovey in einer Mitteilung auf. Die Pfarrei ist wie das Dorf Blatten vom Bergsturz am 28. Mai und der nachfolgenden Überflutung durch die Lonza betroffen.

Kirche und Friedhof verloren

«Die dramatische Geschichte des Dorfes Blatten hat sich in das Bewusstsein von uns allen eingebrannt», schreibt Lovey. «Hinter versunkenen Häusern liegt ein Dorfgeist, der zutiefst verletzt ist, eine Gemeinde, die ihre Orientierungspunkte verlor, eine Pfarrei, der ihre Kirche, ihr Friedhof, ihre historischen Aufzeichnungen und so viele unermessliche Schätze genommen wurden.»

Blick auf das Geröll, welches grosse Teile von Blatten unter sich begrub.
Blick auf das Geröll, welches grosse Teile von Blatten unter sich begrub.

Die Initiative stammt nicht vom Bischof, sondern von einer anderen Person, die laut Bistumssprecher Paul Martone anonym bleiben will. Der Autor der Initiative schrieb gemäss Mitteilung, man wolle damit «ein Zeichen der Einheit und Unterstützung senden und die Gebete der Gläubigen im ganzen Kanton und darüber hinaus mit dem Herzen von Blatten verbinden».

Lötschentaler Pfarrer begrüsst Initiative

Der Autor hat demnach die Bistumsleitung angefragt, ob sie sich an der Initiative beteilige. Das tut diese nun mit dem Kollektenaufruf. Der fürs Lötschental zuständige Pfarrer Thomas Pfammatter gebe dafür die «volle und bewegte Zustimmung», versichert der Bischof und fügt an: «Ich sage Ihnen ein riesiges Dankeschön dafür, dass Sie den Sinn des Teilens in den Herzen der Gläubigen lebendig halten.»

Thomas Pfammatter ist Pfarrer im Oberwalliser Lötschental.
Thomas Pfammatter ist Pfarrer im Oberwalliser Lötschental.

Nach dem Bergsturz sagte Pfarrer Thomas Pfammatter gegenüber kath.ch, er sei eng in Kontakt mit den Menschen von Blatten. Der Verlust der Gotteshauses schmerze die Gläubigen. Dies, «selbst wenn die Kirche nur die Hülle ist, unter der Gläubige miteinander ihre Beziehung zu Gott feiern, und wir Menschen ja eigentlich die Kirche sind».

Das «Fest der Feste»

Fronleichnam ist für das Bistum Sitten das «Fest der Feste», schreibt Bistumssprecher Paul Martone auf Anfrage von kath.ch. An diesem Tag im Kirchenjahr würden am meisten Menschen die Messe besuchen. Deshalb solle die Kollekte dann für die Pfarrei Blatten aufgenommen werden.

An Fronleichnam würden traditionell in allen Pfarreien des Lötschentals die sogenannten Herrgottsgrenadiere, Soldaten in Uniformen, eine Prozession mit dem Allerheiligsten durchführen. Die Tradition erinnere daran, dass die Lötschentaler Söldner früher an königlichen Höfen von Versailles und Neapel gedient hätten und nun nur noch Gott dienen wollten.

Kein normaler Fronleichnam für Blattener

«Umso schwerer wird es dieses Jahr vor allem für die Bevölkerung von Blatten, dass sie dieses Fest nicht im gewohnten Rahmen feiern kann, da ihr durch den Bergsturz ja nicht nur ihre Pfarrkirche genommen wurde, sondern auch ihre Uniformen und Trachten», so Martone.

Bischof Jean-Marie Lovey und der ehemalige örtliche Pfarrer Paul Martone hatten am Freitag, den 6. Juni, das Lötschental besucht. Sie seien von den Menschen beeindruckt gewesen, schreibt Martone. «Wir haben Menschen getroffen, die alles verloren haben und doch nicht verzweifeln, sondern voll Mut und Hoffnung in die Zukunft schauen.» Aber auch solche, die Zweifel an Gott formuliert hätten oder ein schlechtes Gewissen hatten, weil ihr Haus unversehrt geblieben war.

Solidarität konkret

«Wir wollen diesen Menschen nicht nur durch unseren Besuch und unser Gebet nahe sein, sondern auch durch eine finanzielle Unterstützung», so Martone. Das sei eine Möglichkeit, die Solidarität konkret zu zeigen. Und eine Selbstverständlichkeit fürs Bistum, nachdem viele Institutionen, Vereine und Private Hilfe zugesagt hätten.

Kollekte in der Kirche
Kollekte in der Kirche

Ein massiver Bergsturz hatte das Walliser Dorf Blatten am 28. Mai unter sich begraben, auch die Kirche verschwand unter den Geröll- und Eismassen. Die rund 300 Bewohnerinnen und Bewohner Blattens waren wenige Tage zuvor evakuiert worden. Ein Schafhirte wird seit der Naturkatastrophe vermisst, dessen Gehöft lag ausserhalb der vorab definierten Gefahrenzone. Weitere Häuser Blattens wurden durch die nachfolgende Überflutung zerstört.

Am letzten Donnerstag präsentierte Blattens Gemeindepräsident ein Wiederaufbauprojekt für das zerstörte Dorf in einem der intakt gebliebenen Weiler.

Anstelle der Kollekten in den Kirchen können Spenden für die Pfarrei Blatten auch direkt auf ein dafür eingerichtetes Spendenkonto einbezahlt werden. Spendenkonto der Kirche Blatten: CH0380808001074175334, Inhaber: Katholische Pfarrei, Konto:  «Spendenkonto Bergsturz».

Anzeige ↓     Anzeige ↑

Bischof Jean-Marie Lovey | © Barbara Ludwig
16. Juni 2025 | 15:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!