Schweiz
Bischof Joseph Bonnemain: «Heiraten ist ein Wahnsinn»
Der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain spricht erstmals in einem Podcast. Er gibt Einblicke in seine Jugend und sein momentanes Leben – und er schlägt ehrliche Töne an: Als Arzt am Unispital Zürich dachte er, der Spitalseelsorger vergeude seine Zeit. «Jahre später bin ich Spitalseelsorger geworden.»
Jacqueline Straub
Rund 50 Minuten spricht der Bischof von Chur, Joseph Maria Bonnemain, im Podcast «drift.Ein-Blicke». Es sei sein erstes Mal. Zu Beginn werden dem Bischof kurze Fragen gestellt, die er mit einem Wort zu beantworten hat. Dabei erfahren die Zuhörenden, dass seine Lieblingsjahreszeit der Sommer und sein Lieblingsfrühstück Birchermüesli ist, er seiner Assistentin am meisten Whatsapp-Nachrichten schickt und die härteste Lektion im Leben ein beinahe Absturz von einer Felswand war.
Joseph Maria Bonnemain spricht auch über seine Bischofsernennung. Zu Beginn war er überzeugt, dass «der Kelch an mir vorbeigegangen» ist. «Ich bin befreit, es kann mir nichts mehr passieren. Ich kann glücklich weiter im Spital als Seelsorger arbeiten», sagt er. Doch drei Monate später erhielt er einen Anruf, dass er der künftige Bischof von Chur werden wird.
Dienen, nicht Karriere machen
Wenn junge Priester das Amt des Bischofs oder des Kardinals anstreben, «dann sind sie sicher nicht geeignet» für dieses Amt, sagt Bischof Joseph Maria Bonnemain. Die richtige Haltung in der Kirche sollte der Dienst sein. «Das Leben der anderen zu erleichtern und zu unterstützen, aber nicht um Karriere zu machen.»
Vater warf ihn ins Wasser
Im Podcast erzählt Bischof Joseph Maria Bonnemain auch von seiner «Liebe zum Meer». Jeden Sommer verbrachte er mit seinen Eltern einen Monat am Meer. Von morgens bis abends war er im Wasser. «Als ich sieben Monate alt war, hat mein Vater mich genommen und ins Meer geworfen.» Seine Mutter erschrak. Doch er begann zu schwimmen. «Seitdem bin ich mit dem Wasser vertraut.»
Bischof Joseph Maria Bonnemain ist bekannt dafür, dass er gerne Sport treibt. Regelmässig geht er ins Fitnessstudio. Ein eigenes kleines Fitnessstudio in seiner Wohnung besitze er aber nicht. «Das wäre langweilig», sagt er. Lieber wolle er mit seinen Kollegen trainieren, die er schon seit Jahren im Fitnessstudio antrifft.
Als Schüler im OP-Saal
Im Podcast kommt Bischof Bonnemain auch darauf zu sprechen, dass er eigentlich Chemie studieren wollte. Doch er hat sich doch für ein Medizinstudium entschieden. «Meine Mutter war Krankenschwester», sagt der Churer Bischof. Er konnte in der Privatklinik, in der seine Mutter arbeitete, «ein und ausgehen».
Als Schüler war er auch einige Male im Operationssaal. Er habe sogar mitgeholfen. Seine Idee war, bei einem Hilfeprojekt in Kamerun als Arzt zu arbeiten. Aber Gott hatte dann andere Pläne, so Joseph Maria Bonnemain.
Der Churer Bischof gibt ehrliche Einblicke: Als er im Unispital in Zürich als Arzt arbeitete und hin und wieder den Spitalseelsorger auf dem Flur sah, dachte er sich, dass dieser Mensch seine Zeit vergeude. «Was macht er da?», fragte sich Joseph Maria Bonnemain. «Jahre später bin ich Spitalseelsorger geworden.»
Grösse des menschlichen Herzens
Im Podcast kommt Bischof Joseph Maria Bonnemain auch auf das Thema Liebe und Heirat zu sprechen: «Heiraten ist ein Wahnsinn», weil es bedeute, dass man alles auf eine Karte setze. Und «riskiert», sein ganzes Leben mit einer Person zu verbringen. «Das bezeichnet die Grösse des menschlichen Herzens.»
«Heiraten ist die Entscheidung des Herzens. Mit dir für immer», so der Churer Bischof. Das sei die tiefste Befreiung eines Menschen. «Wir sind gefangene von uns selbst und nur aus Liebe kommen wir heraus. Und finden die Fülle in uns im anderen.»
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