Bischof Gmür lobt US-amerikanische Bischöfin und Trump-Kritikerin
Mariann Edgar Budde hat den Zorn von US-Präsident Donald Trump auf sich gezogen. Die Bischöfin wagte es, im Gottesdienst zur Amtseinführung an sein Mitgefühl für Flüchtlinge zu appellieren. Beim Basler Bischof Felix Gmür ist ihre Predigt gut angekommen.
Barbara Ludwig
Mariann Edgar Budde ist Bischöfin der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika. Zuständig ist sie in dieser Funktion seit 2011 für die Diözese Washington. Im Gottesdienst zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump letzte Woche hielt sie in der Washington Cathedral die Predigt – und wurde politisch.
Ihre eindringlichen Worte richtete Budde direkt an Trump, wie die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete. So forderte die Bischöfin den Präsidenten auf, denjenigen zu helfen, die aus Kriegsgebieten fliehen. Und Erbarmen zu haben mit Kindern, die «Angst haben, dass ihnen ihre Eltern weggenommen werden».
Sie bat ihn auch, an die «schwulen, lesbischen und transsexuellen Kinder in demokratischen, republikanischen und unabhängigen Familien zu denken, von denen nun einige um ihr Leben fürchten».
«Die Bischöfin hat das gut gemacht.»
Dass sie auf diese Weise politisch Stellung bezogen hat, stösst beim Basler Bischof Felix Gmür auf Zustimmung. «Die Bischöfin hat das gut gemacht», sagte Gmür am Samstag an einem kirchlichen Anlass in Frankfurt am Main. Die Kirche soll sich politisch nicht einmischen, aber wo es nötig sei, müsse sie verantwortlich Stellung beziehen, so Gmür laut einem Bericht auf der Webseite des Bistums Limburg.
Kirche darf Stellung beziehen
«Die Kirche macht keine Politik, aber sie ist dennoch politisch, denn wenn man nichts sagt, ist man dafür», umschrieb Gmür seine Haltung. Die Kirche dürfe Stellung beziehen zu Themen, aber keine klare Wahlempfehlungen für eine bestimmte Partei oder einen Kandidaten aussprechen.
Mit Geschichte gegen Populismus
Dem Bericht zufolge wurde der Basler Bischof auch gefragt, wie die Kirche Populismus begegnen solle. Gmür räumte ein, dafür habe er auch kein Patentrezept. «Der wachsende Extremismus beelendet auch mich», sagte er. Dennoch seien Menschen, die extrem wählten, nicht per se schlecht, sondern «hochgeschaukelt». Nötig sei eine sehr gute Schulung in Geschichte und im Medienkonsum.
Im Anschluss an das sogenannte Domgespräch leitete Gmür das traditionelle Karlsamt im Frankfurter Bartholomäusdom. Dabei handelt es sich um ein Pontifikalamt, das zu Ehren von Karl dem Grossen jährlich um dessen Todes- und Gedenktag (28. Januar) gehalten wird. Gemeinsam mit ihm feierten Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Präsident der Deutschen Bischofskonferenz, und Weihbischof Thomas Löhr in einem vollbesetzten Dom, heisst es im Bericht.
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