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Basler Münsterpfarrer: «Ich habe Tränen in den Augen»

Riga, 2.1.17 (kath.ch) Das Taizé-Treffen findet 2017 in Basel statt. Dem Basler Münsterpfarrer Lukas Kundert treibt es bei seiner Rede in Riga die Tränen in die Augen. Die Baslerin Jessica rührt die Herzen der 15’000 Anwesenden mit ihrem Willkommensgruss nach Basel. Emotionale Eindrücke aus Lettland.

Christoph Koitka

Jubel brandet auf in der Arena von Riga. Tausende schreien ihre Freude hinaus und klatschen in die Hände. Alois Löser, Vorsteher der Gemeinschaft von Taizé, teilt den jungen Pilgern mit, wo das nächste Taizé-Jugendtreffen stattfinden soll.

Bedächtige Worte, eine Kunstpause, Taizé-typische Stille in der Arena, dann die Information: 2017 wird das 40. Europäische Taizé-Jugendtreffen in Basel zu Gast sein. Darauf folgt ein Gefühlsausbruch, ein kurzer Augenblick kontrollierter Ekstase. Eine kleine Schweizer Gruppe auf den Rängen hat ihre Landesflagge mitgebracht, sie wird kurz geschwenkt und dann rasch wieder eingepackt. In der grossen Gemeinschaft spielen Nationalitäten keine grosse Rolle.

Freie Schlafplätze schaffen

Der nächste Redner auf der kleinen Bühne in der grossen Arena ist Lukas Kundert, Pfarrer am Basler Münster und Präsident der reformierten Kirchen in Basel. «Wir freuen uns auf ein ökumenisches Treffen, das Gemeinsamkeiten statt Unterschiede betont», sagt er. Die Basler seien dankbar, dass die Taizé-Gemeinschaft die Einladung in die Schweiz angenommen habe. Die Stimme gerät ins Stocken. «Ich habe Tränen in den Augen», sagt er. Die Kulisse mit Tausenden beseelten Jugendlichen bewegt auch einen gestandenen Seelsorger.

Emotionaler Höhepunkt der Präsentation ist die kleine Jessica aus Basel, die in kindlichem Englisch in ihre Heimatstadt einlädt. «Wenn nächstes Jahr Gäste zu uns kommen, schlafe ich bei meinem kleinen Bruder im Zimmer, damit wir einen Schlafplatz frei haben.» Dazu eine einladende Geste, ein niedliches Lächeln. Das Publikum schmilzt dahin.

Grosse Emotionen

Emotionen sind ein grosses Thema in diesen Tagen der Begegnung. «Der Heilige Geist weht durch Riga. Das Treffen wird von Freude getragen», so nimmt es Alois Löser wahr. Peteris Betis, Diakon einer baptistischen Gemeinde in Riga, sieht es ganz ähnlich: «Der Heilige Geist ist deutlich wahrzunehmen und belebt uns alle.» Der 72-Jährige steht auf der Empore seiner Kirche und lächelt, während unten im Kirchenschiff ein paar hundert der 15’000 jugendlichen Pilger gemeinsam den Jahreswechsel feiern.

Der letzte Gottesdienst des Jahres fällt in der Baptistenkirche freilich sehr musikalisch aus. Gemeinsam werden in der Szene bekannte christliche Popsongs geschmettert. Kneifen gilt nicht: Der Text ist gross per Beamer auf eine Leinwand projiziert, die Melodien gehen schnell ins Ohr. Auch das anschliessende «Fest der Nationen» zum Jahreswechsel ist von Musik geprägt. Die Teilnehmer stellen in Ländergruppen bekannte Lieder ihrer Heimat vor. Ein Höhepunkt ist der Chanson-Klassiker «Aux Champs Elysees» von Joe Dassin, den die französische Gruppe zum Besten gibt.

«Taizé ist stiller»

Manchem Traditionalisten kann es bei so viel Ausgelassenheit und Emotion schnell ein bisschen zu viel werden. Die Jugendlichen haben aber nicht nur ihr Vergnügen im Kopf. «Uns gefällt am Taizé-Treffen, dass es mehr Gebete und Impulse als bei vergleichbaren Treffen gibt», betont Kilian Bergauer. Mit seiner Gruppe besuchte der 18-Jährige bereits den Weltjugendtag in Krakau. «Das war einfach wie eine grosse Party. Taizé ist viel stiller.» (kna/sys)

 

 

Schweizer Fahne am Taizé-Treffen 2016 im lettischen Riga | © KNA
2. Januar 2017 | 09:31
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