Ausland

Australische Kirche antwortet auf Missbrauchsbericht

Sydney, 1.9.18 (kath.ch) Mit einem Bekenntnis zum «Nie wieder» hat die katholische Kirche in Australien ihre offizielle Antwort auf den Abschlussbericht der staatlichen Missbrauchskommission veröffentlicht.

«Es wird keine Vertuschungen mehr geben. Es wird keine Versetzungen von Missbrauchsbeschuldigten mehr geben. Der Ruf der Kirche wird nicht mehr über die Sicherheit von Kindern gestellt», versicherte Erzbischof Mark Coleridge, Vorsitzender der Bischofskonferenz, in einer Pressemitteilung am Freitag.

Schwester Monica Cavanagh betonte als Vorsitzende des Dachverbands der Orden in Australien, die Kirche tue nicht nur «das unvermeidbare Minimum zur Vermeidung von Missbrauch», sondern verändere ihre gesamte «Kultur».

Ihren Abschlussbericht hatte die von der australischen Regierung 2013 eingesetzte Kommission zur Untersuchung des Umgangs mit sexuellem Missbrauch in kirchlichen und weltlichen Institutionen am 15. Dezember 2017 vorgelegt.

Kirche und Orden erklärten, «98 Prozent» der Empfehlungen der Missbrauchskommission zur Reform der Kirche für eine wirksame Prävention von Missbrauch zu akzeptieren. Dazu gehöre die Prüfung eines «freiwilligen Zölibats» sowie die Definition von Kindesmissbrauch als «Straftat» im Kirchenrecht, anstelle der bisherigen Definition als «moralische Verfehlung».

Beichtgeheimnis soll bleiben

Vehement lehnten sie jedoch die Empfehlungen zur Abschaffung des Beichtgeheimnisses in Fällen ab, in denen Beichtende sexuellen Kindesmissbrauch bekennen. «Wir lehnen den Bruch des Beichtgeheimnisses nicht ab, weil wir glauben über dem Gesetz zu stehen oder der Sicherheit von Kindern nicht höchste Bedeutung zumessen», betonte der Erzbischof in der live übertragenen Pressekonferenz.

Vielmehr sei die Forderung «nicht praktikabel» und trage nicht zum Schutz von Kindern bei. «Das geht an der Realität der Beichte vorbei, weil die meisten Beichten anonym sind. Wenn also jemand den Missbrauch eines Kindes beichtet, würde er das mit Sicherheit anonym machen», sagte Coleridge.

Problem der Priesterausbildung

Paul Collins, Journalist und ehemaliger katholischer Priester, zeigte sich in einer ersten Reaktion wenig beeindruckt von der Stellungnahme der Kirche zu dem Missbrauchsbericht. «Das war nichts wirklich Neues. Vieles davon hat man schon vorher oft gehört», sagte Collins im Interview mit ABC-Radio.

Die Kirche habe zwar schon vieles unternommen, um Missbrauch vorzubeugen, so Collins. Aber wenig überraschend habe Erzbischof Coleridge nichts zu den «enormen Problemen der Kirche» mit der Priesterausbildung, dem Klerikalismus und einer transparenten Führungs- und Verwaltungsstruktur gesagt. Grund dafür sei die «Spaltung der Bischofskonferenz».

Reaktionäre Bischöfe

Es gebe viele «reaktionäre Bischöfe», die das Ausmass des Missbrauchproblems noch immer nicht begriffen und sich nicht «von aussen» zu Reformen zwingen lassen wollten.

In den fünf Jahren ihrer Arbeit hatte die Kommission insgesamt 57 öffentliche Anhörungen abgehalten und hinter verschlossenen Türen die Aussagen von 8.013 Missbrauchsopfern gehört. 4.000 waren in Einrichtungen christlicher Kirchen sexuell missbraucht worden. Rund 5,5 Prozent der Ordenspriester sowie sieben Prozent der Weltpriester in Australien haben nach Erkenntnissen der Kommission zwischen 1950 und 2009 Kinder sexuell missbraucht. (kna)

Kindsmissbrauch | © 2016 pixabay CC0
1. September 2018 | 15:48
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