Attentat auf Synagoge in Halle – zwei Tote

Ein Mann hat am Mittwoch die Synagoge in Halle bei Leipzig angegriffen. Er habe vergeblich versucht, in das jüdische Gotteshaus einzudringen, in dem sich bis zu 80 Menschen aufgehalten hätten, schreibt Spiegel online unter Berufung auf den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorozki.

Nach Angaben der Polizei tötete er mindestens zwei Passanten; der Tatverdächtiger wurde festgenommen. Laut dem jüdischen Wochenmagazin «Tachles» soll es sich um einen Neonazi handeln. Die genauen Hintergründe sind bislang unklar. Die Polizei ging zuerst von mehreren Tätern aus.

Juden in aller Welt begingen am Mittwoch ihren höchsten Feiertag Jom Kippur (Versöhnungstag). Die Polizei erhöhte in anderen Städten, etwa in Dresden, die Überwachung an Synagogen. Wie die Polizeidirektion Magdeburg mitteilte, werden derzeit alle jüdischen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt von Polizeikräften aufgesucht.

Hinweise auf Rechtsextremismus

Die deutsche Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Gegenüber Medien erklärte sie, es gebe Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund.

Angriff direkt gegen Synagoge

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, ist überzeugt, dass sich der Angriff direkt gegen die Synagoge gerichtet hat. «Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschiessen», sagte Privorozki als Augenzeuge der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten».

«Der Mann sah aus wie von einer Spezialeinheit», sagte er. «Aber unsere Türen haben gehalten.» Der oder die Täter hätten ausserdem versucht, das Tor des danebenliegenden jüdischen Friedhofs aufzuschiessen, sagte der Vorsitzende weiter.

«Wir haben auf die Polizei gewartet»

In der Synagoge, in der die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gefeiert habe, seien die Menschen sehr geschockt gewesen.

Vor der Tür habe ein Todesopfer des Angreifers gelegen. «Wir haben die Türen von innen verbarrikadiert und auf die Polizei gewartet», so Privorozki. «Inzwischen feiern wir weiter unseren Gottesdienst», sagte er. Derzeit befänden sich zwischen 70 und 80 Menschen in der Synagoge.

Unterdessen erklärte der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch auf Twitter: «Wir werden nicht zulassen, dass Hass gleich welcher Art, insbesondere aber der Hass auf das Judentum, sein Ziel erreicht, unsere Gesellschaft zu spalten!»

Gezieltes Attentat

Katholische und evangelische Bischöfe haben sich nach den Ereignissen von Halle bestürzt geäussert und ihre Solidarität mit den Juden in Deutschland bekundet. Papst Franziskus gedachte am Mittwoch der Opfer des Attentats, wie das vatikanische Presseamt am Abend mitteilte.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte: »Ich bin entsetzt und erschüttert über den feigen Anschlag». Die Täter hätten offensichtlich gezielt die Synagoge von Halle ausgesucht, um am höchsten jüdischen Feiertag Blut zu vergiessen. (kna/aktualisiert: 10.10. sys)

Davidstern und Thora | © pixabay.com/Hurk, pixabay licence
9. Oktober 2019 | 16:44
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