Asylzentrum in Luzern. | © 2014 Keystone
Schweiz
Asylzentrum in Luzern. | © 2014 Keystone

Asylbetreuung Kanton Luzern: Caritas bleibt wachsam

Luzern, 1.5.15 (kath.ch) Der Kanton Luzern hat diese Woche bekannt gegeben, dass er ab 2016 die Betreuung von Asylbewerbern neu organisiert. Bislang war diese Arbeit durch die Caritas Luzern, eine christlich orientierte Non-Profit-Organisation, im Auftrag des Kantons wahrgenommen worden. Caritas Luzern steht damit vor der Herausforderung, die eigene Organisation um einen Viertel zu verkleinern.

Die Meldung kam kurzfristig: Am 2. April wurde Caritas erstmals informiert, dass der Kanton Luzern ab kommendem Jahr die Asylbetreuung selber übernehmen wird. Caritas betreut seit über 20 Jahren die Asylsuchenden im Auftrag des Kantons. Zurzeit sind dies rund 850 Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die an verschiedenen Standorten verteilt im Kanton durch rund 70 Personen betreut werden.

Entlassungen nötig, Sozialplan vorgesehen

50 bis 70 Mitarbeitenden wird die Organisation per Ende Jahr kündigen müssen. Der Kanton Luzern hat bei der Präsentation des neuen Betreuungskonzeptes diese Woche wohl festgehalten, dass die Mitarbeitenden der Caritas «bei der Erfüllung des Leistungsauftrages vor Ort sehr gute Arbeit» leisten und er daran interessiert sei, «soweit wie möglich» bisherige Fachmitarbeiter wieder anzustellen. Darauf hofft die Caritas sehr, denn diese Mitarbeitenden hätten sich im Lauf der Jahre ein grosses Fachwissen und Erfahrung angeeignet, die «bei der Erfüllung der Aufgabe von grossem Nutzen» seien, wie die Organisation in einer Stellungnahme hervorhebt.

Eine Garantie gibt es für die Caritas-Mitarbeiter aber nicht. Die Stellen werden im Juni neu ausgeschrieben. Die Organisation wird für Personen, die vom Kanton nicht wieder angestellt werden, einen Sozialplan einrichten, erklärte Urs Odermatt, Leiter Kommunikation der Caritas Luzern. Doch die Caritas hofft, dass der Kanton Luzern seine soziale Verantwortung wahrnehme.

Ohne den Auftrag für die Asylbetreuung im Kanton wird die Organisation mit einem Jahresumsatz von 26,5 Millionen Franken im Jahr 2014 per Ende Jahr auf einen Schlag 20 bis 25 Prozent kleiner. Dies bedeutet eine grosse Herausforderung, da damit auch ein bisheriges Kern-Handlungsfeld wegfällt. Aber auch 2016 wird sich Caritas für ein humanes Asylwesen einsetzen. So im Sozialdienst für vorläufig aufgenommene Flüchtlinge im Kanton, bei Übersetzungsdiensten und Spracherwerb, in der interkulturellen Vermittlung oder der sozialen und beruflichen Integration, die «hoffentlich auf vom Kanton genutzt werden», wie es Caritas-Direktor Thomas Thali gegenüber kath.ch ausdrückt.

Kanton will mehr Flexibilität

Der Kanton Luzern begründete den Entscheid damit, «rascher und flexibler» auf Veränderungen im Asylbereich reagieren zu können. Aufgrund der sich stets wandelnden Situation bei der Anzahl von Asylsuchenden musste auch die Caritas stets grosse Flexibilität zeigen und immer wieder die Strukturen anpassen sowie die Stellen von Betreuerinnen und Betreuern ausbauen oder reduzieren. Der Caritas-Direktor ist sich da nicht sicher, ob der Kanton hier wirklich so schnell reagieren kann wie eine private Organisation.

Der Kanton will die Unterbringung und Betreuung im Asylbereich in einem «mehrstufigen Zentrumskonzept» komplett neu gestalten. Ankommende Asylsuchende werden wie bisher die ersten zwei bis sechs Monate in einem Durchgangszentrum untergebracht. Danach werden die Personen ohne definitiven Asylentscheid in ein Aufenthalts- beziehungsweise Mininalzentrum (für Menschen mit geringem Betreuungsbedarf) untergebracht und nicht mehr dezentral in verschiedenen Gemeinden. – Thomas Thali ist hier aber skeptisch: «Für Personen, deren Verfahren nicht lange dauert, ist auf Aufenthalt in einem Zentrum sicher angemessen. Schwierig wird es in Bezug auf Menschen, deren Verfahren sich in die Länge zieht.»

Damit will der Kanton auch der «Verknappung von günstigem Wohnraum in den Gemeinden» entgegenwirken, wie es in der Medienmitteilung heisst, muss aber dafür die Zentren auf eine Kapazität von 400 bis 500 Plätzen ausbauen. Der zuständige Luzerner Regierungsrat Guido Graf fasste die Neuerungen so zusammen: «Eine menschenwürdige Betreuung und Unterbringung ist im Asylwesen zentral, gleichzeitig muss eine schnelle Steuerbarkeit sichergestellt werden.» (ms)

Medienmitteilung des Kantons Luzern

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