Vatikan

Abschlussdokument der Jugendsynode gibt es jetzt auch auf Deutsch

Bonn, 20.12.18 (kath.ch) Das Abschlussdokument der Jugendsynode im Oktober gibt es jetzt auch auf Deutsch. Am Donnerstag veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn eine eigene Übersetzung. Das zuständige Synodensekretariat im Vatikan veröffentlichte in diesen Tagen jeweils eine portugiesische, französische und spanische Version.

Das Dokument fasst die gut dreiwöchige Arbeit der Weltbischofssynode zum Thema «Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung» zusammen. Darin geht es um die unterschiedlichen Lebenswelten junger Menschen weltweit, ihr Verhältnis zu Kirche und Glauben sowie die Frage, wie die Kirche sich ändern muss, um Jugendliche besser begleiten zu können.

Bischöfe sollen jungen Menschen zuhören

Ungewohnt für eine Synode beginnt der Text mit der Aufforderung an die Bischöfe, zuerst einmal jungen Menschen zuzuhören; zu diesem Zweck hatte der Papst die Synode vor allem einberufen. Diese Erfahrung war während des Welt-Bischofstreffens für viele Teilnehmer besonders prägend. Nach einem ersten Blick auf die Vielfalt jugendlicher und kirchlicher Lebenswelten behandelt das Dokument beispielhaft die Themen Digitalisierung, Migration und Missbrauch.

Klerikalismus als Ursache von Missbrauch

Letzteres hatte vor allem zu Beginn der Synode eine grosse Rolle gespielt, drohte die Jugendsynode zu überschatten. Die Aussagen dazu fallen im Abschlusstext allerdings schwächer aus, als noch in einem ersten Entwurf. So heisst es jetzt: «Dieses Phänomen ist in der Gesellschaft verbreitet, es betrifft auch die Kirche und stellt ein ernsthaftes Hindernis für ihre Sendung dar.» Die Synode will sich «entschlossen für die Umsetzung rigoroser Präventionsmassnahmen» einsetzen und verurteilt Klerikalismus als eine der Ursachen für verschiedene Formen von Missbrauch.

Lehre zu Sexualität besser vermitteln

Weitere wichtige Stichworte sind Familie, Körperlichkeit und Sexualität, Verletzbarkeit junger Menschen, Spiritualität sowie Beteiligung. Zu dem für junge Menschen wichtigen Thema Sexualität räumt die Synode ein, dass die Kirche einerseits ihre eigene Lehre noch besser vermitteln muss. Andererseits gebe es «Fragen zu Körper, Gefühlsleben und Sexualität, die eine noch eingehendere anthropologische, theologische und pastorale Ausarbeitung erfordern».

Missionarische Kirche

Im mittleren Teil des Dokumentes geht es ums Erwachsenwerden, Lebensentscheidungen und die dafür notwendigen «Unterscheidungen» mit Hilfe des Glaubens, einem wesentlichen Konzept in der Theologie von Papst Franziskus. Abschliessend verlangt das Dokument eine erneuerte, jugendliche und missionarische Kirche, die an jenen Orten zu finden sein soll, an denen sich junge Menschen tatsächlich aufhalten.

Anders als bei früheren Synodendokumente waren betroffene Personengruppen an der Entstehung deutlich stärker beteiligt. So fasste das Arbeitspapier der Synode, auf dessen Grundlage das Abschlussdokument erstellt wurde, unter eine weltweite Online-Umfrage sowie einer einwöchigen «Vorsynode» zusammen. Im März hatten daran 300 Jugendliche und junge Erwachsene aus aller Welt teilgenommen.

Mitwirkung von jungen Auditoren

Bei der Synode selbst hatten rund 50 junge Auditoren sowie weitere Fachleute vielfach mitgewirkt. Über das Dokument abstimmen konnten sie aber nicht. Laut der vom Papst Ende September erlassenen neuen Synodenordnung sollen die Ergebnisse nun in den Bistümern konkretisiert und umgesetzt werden. Ob und wann der Papst wie früher ein eigenes nachsynodales Schreiben verfasst, ist bisher nicht bekannt. (kna)

Junge Synodenteilnehmer am 5. Oktober in der Audienzhalle im Vatikan | © KNA
20. Dezember 2018 | 15:22
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