Daniel Anrig, Kommandant der Schweizergarde verabschiedet sich am 31. Januar 2015 von den Gardisten. | © 2015 Kasia Artymiak/Schweizergarde
Vatikan
Daniel Anrig, Kommandant der Schweizergarde verabschiedet sich am 31. Januar 2015 von den Gardisten. | © 2015 Kasia Artymiak/Schweizergarde

Abschied für den Oberst – Daniel Anrig gibt Führung der Schweizergarde ab

Rom, 31.1.15 (kath.ch) Zum letzten Mal hat Daniel Anrig am Samstag, 31. Januar, die grosse Paradeuniform seiner Truppe getragen. Mit einer Ehrenzeremonie im Vatikan wurde der Kommandant der Schweizergarde aus dem Dienst entlassen. Seinen Abschiedsbesuch bei Papst Franziskus hat er bereits hinter sich. Was dabei an diesem Freitag gesprochen wurde, ist unbekannt, würde aber viele interessieren. Denn nach Bekanntwerden seiner Entlassung Anfang Dezember schossen Spekulationen über die Gründe für die päpstliche Entscheidung ins Kraut.

Christoph Schmidt

Zu streng sei der 42-jährige Schweizer mit seinen Mannen gewesen, mutmasste die italienische Presse, wobei die Quellen allerdings unklar blieben. Der Drill des früheren Polizeikommissars und studierten Juristen sowie die scharfen Dienstvorschriften sollen Unmut in der Truppe erzeugt haben – und beim Papst. Franziskus, der im Vorübergehen den Gardisten in den gestreiften Uniformen auch schon mal die Hand schüttelt, habe es zum Beispiel missfallen, dass die Männer während ihres stundenlangen Wachdienstes nicht einmal einen Schluck Wasser trinken dürften, wurde kolportiert.

Für den Mann mit dem kernigen Gesicht ist das nicht nachvollziehbar. Wer den repräsentativen Dienst in der Öffentlichkeit nicht ohne Wasser durchstehen könne, «ist ganz einfach am falschen Ort», sagte Anrig jüngst der «Neuen Zürcher Zeitung». «Ich weiss, was es bedeutet, acht Stunden Dienst zu leisten. Ich habe es immer geschafft, auch längere Phasen vor dem Publikum ohne Wasser auszuhalten.»

Päpstliche Rückendeckung

Auch das grosszügige Appartement des Gardeobersten soll Franziskus geärgert haben, erfuhr die französische Nachrichtenagentur I.media aus vatikanischen Kreisen. Anrig hatte sich die Wohnung angeblich auf 380 Quadratmeter ausbauen lassen. Anrig ein «Protzgardist» mit Schleiferallüren?

Der Papst selbst jedoch gab dem scheidenden Kommandanten – zumindest nach aussen – Rückendeckung. Schliesslich habe Anrig vier Kinder, sagte Franziskus kurz nach der Entlassung in einem Presseinterview mit Blick auf die Grossraumwohnung. Auch überzogene Strenge sei nicht der Grund für die Abberufung. Die sei ein ganz normaler Wechsel. Er habe Anrigs fünfjährige Dienstzeit, die kurz nach der Papstwahl endete, nur vorläufig verlängert. «Da gibt es nichts Merkwürdiges.» Anrig lobte er als «exzellente Persönlichkeit» und «guten Katholiken».

Anrig deutet seine Absetzung positiv

In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» (31. Januar) zeigte Anrig Verständnis für seine Absetzung durch den Papst. Franziskus sei ein Papst, der Zeichen setzt, «ein Papst der Erneuerung». Der Entscheid, ihn zu entlassen, sei «auch ein positives Zeichen»: «Es zeigt, dass sich der Papst für die Garde interessiert.» Die Wahl von Franziskus im März 2013 sei ein Höhepunkt seiner Amtszeit gewesen, erklärte Anrig, der sein Amt 2008 antrat. «Dabei war mir klar, dass dies auch ein Wechsel für mich bedeuten kann. So ist es gekommen, auch wenn ich das Amt gern weiter ausgeübt hätte.»

Beobachter gehen davon aus, dass der Papst mit der Neubesetzung auch eine Grundsatzentscheidung über den inneren Charakter der traditionsreichen Schutztruppe treffen will. Auch mit Blick auf die Rivalität zwischen der Schweizergarde und der mit Italienern besetzten Vatikan-Gendarmerie. Offenbar hatte Anrig sich wiederholt über deren wachsenden Einfluss beschwert, etwa die Bewachung der päpstlichen Residenz, dem vatikanischen Gästehaus Santa Marta. Der Schutz des Papstes ist die eigentliche Kernaufgabe der 1506 gegründeten Garde, während die Gendarmerie allgemeine Polizeidienste im Vatikanstaat erledigt. Mehr als unwahrscheinlich klingen indes Befürchtungen, Franziskus könnte sie demnächst sogar auflösen.

Wird Vizekommandant Graf Nachfolger von Anrig?

Wer die 110 Mann starke Truppe künftig als ihr 35. Kommandant befehligt, dürfte feststehen. Es gilt jedoch als ungeschriebene Regel, dass der Name des Neuen erst nach der Verabschiedung des alten Chefs bekanntgegeben wird. Viel spricht für ihren Vizekommandanten Christoph Graf. «Graf ist ein langjähriger Gardist, ein sehr loyaler Mensch mit einem guten Gespür für das, was die Gardisten brauchen», urteilte am Donnerstag Anrigs Vorgänger Elmar Mäder gegenüber der Schweizer Nachrichtenagentur kath.ch.

Formell entscheidet zwar der Papst über die Besetzung, doch die Würfel fallen im Staatssekretariat. Eine öffentliche Ausschreibung für den Posten gibt es nicht. Interessenten können beim Nuntius in Bern oder direkt in Rom vorstellig werden, aber auch die Schweizer Bischofskonferenz kann Anregungen geben.

Mit der Garde verlasse er seine emotionale Heimat, bekannte Anrig im Interview. Nun zieht er zurück in die Schweiz. Dort werde er sich neuen Herausforderungen stellen. (cic/bal)

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