Grosser Rat des Kantons Waadt erkennt anglikanische Kirche an
Die Abgeordneten des Grossen Rates des Kantons Waadt haben jüngst fast einstimmig den Gesetzesentwurf angenommen, der darauf abzielt, die Föderation der anglikanischen und christkatholischen Kirchen im Kanton Waadt als gemeinnützige Körperschaft anzuerkennen. Ein Projekt, das «den sozialen Zusammenhalt und den konfessionellen Frieden» im Kanton stärken kann.
Maurice Page, cath.ch
Die 2003 revidierte Waadtländer Kantonsverfassung gewährt der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Kirche den Status einer öffentlich-rechtlichen Institution. Sie erkennt die Israelitische Gemeinde als gemeinnützige Institution an.
Die Kantonsverfassung öffnet zudem die Tür für eine ähnliche Anerkennung anderer Religionsgemeinschaften. Das Gesetz, das die Bedingungen für diese Anerkennung festlegt, wurde 2007 verabschiedet, die Durchführungsverordnung dazu 2014.
«Abschluss einer langen, sorgfältigen Arbeit»
Mit der Anerkennung verfügt die Föderation der anglikanischen und christkatholischen Kirchen im Kanton Waadt (FACCV) nun über neue Befugnisse. Sie kann Seelsorge in Gesundheitseinrichtungen und Gefängnissen ausüben und kommt in den Genuss derselben Steuerbefreiungen wie die staatlich anerkannten Kirchen. Sie erhält jedoch keine automatische öffentliche Finanzierung, da diese an bestimmte Aufgaben gebunden ist.
Zu Beginn der parlamentarischen Debatte würdigte die Präsidentin der Waadtländer Regierung, Christelle Luisier, laut der Nachrichtenagentur Keystone-SDA «den Abschluss einer langen und sorgfältigen Arbeit» sowie ein Projekt, das «den sozialen Zusammenhalt und den konfessionellen Frieden» im Kanton stärken könne.
20 gesetzliche Voraussetzungen
Um die Anerkennung zu erhalten, musste die FACCV nicht weniger als zwanzig gesetzliche Voraussetzungen erfüllen, die insbesondere ihre finanzielle Transparenz, ihre Rechtsordnung und ihre Beteiligung am ökumenischen und interreligiösen Dialog betrafen. Zudem musste sie seit mindestens 30 Jahren ihren Sitz im Kanton Waadt haben. Vorgesehen war eine Prüfungsfrist von mindestens fünf Jahren.
Der Staatsrat hatte im April 2025 festgestellt, dass alle Bedingungen erfüllt waren. Er hatte damals die «vollständige Integration» der Gemeinden der FACCV in das soziale Gefüge des Kantons Waadt sowie ihre Rolle «bei der Integration einer Migrantenbevölkerung, insbesondere der englischsprachigen» hervorgehoben. Nach der Debatte im Grossen Rat wurde der Antrag einstimmig bei einer Enthaltung angenommen.
Jahrhundertelange Präsenz
Sowohl die anglikanische Kirche als auch die christkatholische Kirche sind seit langem im Kanton vertreten: Die erste anglikanische Gemeinde wurde 1818 in der Waadtländer Hauptstadt offiziell gegründet, während die Gründung der christkatholischen Gemeinde von Lausanne auf das Jahr 1908 zurückgeht. Der Zusammenschluss der beiden Kirchen zu einem gemeinsamen Verband im Kanton Waadt erfolgte im Jahr 2016.
Obwohl es sich um verschiedene Konfessionen handelt, haben sich diese Kirchen Ende des 19. Jahrhunderts einander angenähert. Sie unterzeichneten 1931 das Bonner Abkommen, das es ihren Gläubigen ermöglichte, gemeinsam die Eucharistie und andere Sakramente zu empfangen.
Sechs Gemeinden im Kanton Waadt
Die FACCV umfasst derzeit sechs Gemeinden im Kanton Waadt. Dabei handelt es sich um die Gemeinden Christchurch in Lausanne, All Saints in Vevey, St. Peter in Château-d’Oex, St. John in Montreux und Villars-sur-Ollon, die anglikanische Kirche in La Côte sowie die christkatholische Gemeinde in Lausanne.
Zwei weitere Anerkennungsgesuche sind anhängig, eines von der Union vaudoise des associations musulmanes (UVAM) und das andere von der Fédération évangélique vaudoise (FEV). Beide wurden 2019 eingereicht.
(Übersetzt aus dem Französischen von woz)
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