Schweiz

Die spirituelle Modeschau zum Einsiedler Gnadenbild

Einsiedeln, 9.12.15 (kath.ch) Adrett, ja gar bezaubernd sieht sie aus, die schwarze Einsiedler Madonna in ihren 33 verschiedenen Roben mit den kostbaren Schmuckstücken wie goldener Krone, reichverzierten Armreifen und Brustkreuzen, dem Perlen-Rosenkranz und den diamantenen Ohrringen. Das Jesuskind ist jeweils mit demselben Stoff geziert. Ihr Garderobier, Bruder Gerold Zenoni, hat diese Prachtstücke neu aufgenommen und sie in einem Bildband mit dem vielsagenden Titel «Madonnas Fashion» dokumentiert.

Pia Bühler

«Das Vorgängerbuch von Pater Thaddäus Zingg aus dem Jahr 1974 war schon längst nicht mehr aktuell», sagt Bruder Gerold, der im Kloster schon seit mehr als 20 Jahren das «Ehrenämtli» des Garderobiers der Muttergottes von Einsiedeln innehat. «Die Besucher des Heiligtums lagen mir in den Ohren, wann endlich ein aktuelles Buch erscheine. So brachte ich das Anliegen vor Abt Urban Federer, der mir das Okay gab, jedoch betonte, dass ich selber einen Sponsor suche müsse.» Darauf musste Bruder Gerold indes nicht lange warten: Sehr rasch willigte die «Vereinigung der Freunde des Klosters Einsiedeln» ein, sich als Sponsoren für das wertvolle Einsiedler Projekt zur Verfügung zu stellen.

Vielfältiger Spenderkreis

30 Kleidungsstücke der Muttergottes sowie zahlreiche Schmuckstücke sind in «Madonnas Fashion» professionell abgebildet. Die meisten dieser Kleider wurden dem Kloster geschenkt. Als Sponsoren werden etwa aufgeführt eine Fürstin, eine Königin, ein Pater, eine Dienstmagd, eine Hindu-Familie, eine Muslimin, eine italienische Familie als Dank für einen lang ersehnten Kinderwunsch, eine Stickerei-Inhaberin, Menzinger Klosterfrauen oder ein Admiral der südkoreanischen Flotte und seine Frau aus Seoul. «Heutzutage geben auch immer wieder tamilische Familien Schmuckstücke für die Madonna im Kloster ab», sagt Zenoni. «Und kurz nach Abgabe des Buches wurde uns sogar ein neues Gewand geschenkt», ergänzt der Benediktiner.

15 bis 18 Mal pro Jahr wechselt Garderobier Zenoni die Gewänder der Muttergottes und des Jesuskindes sowie dazugehöriger Garnitur. – Die Neueinkleidung erfolgt immer dann, wenn die liturgische Farbe wechselt. Demensprechend sind weisse, goldene, rote, violette, grüne und auch blaue Gewänder zu finden. Nein, blau sei nicht liturgisch, erklärt Bruder Gerold. Aber die Muttergottes werde oft in blauen Farben dargestellt. Bei den Erscheinungen in Lourdes und Fatima sei ihr Gewand denn auch mit blau durchsetzt.

Fingerspitzengefühl gefragt

Auf die Frage, wie er sich denn fühle, wenn er auf derselben Höhe wie die Muttergottes stehe und ihr Kleid wechsle, antwortet Bruder Zenoni: «In diesem Moment fühle ich mich der Muttergottes tatsächlich besonders nahe. Ich schaue in ihr schönes Gesicht und vertraue ihr meine Anliegen an.» Doch schon gehe die Arbeit weiter, so der Benediktiner, der das Mütterliche als einen guten Aspekt in der katholischen Kirche empfindet. Der Kleiderwechsel geschieht jeweils nach dem abendlichen Stundengebet der Mönche, der Komplet um 20.15 Uhr. Ein Mitbruder hilft Zenoni bei dieser Arbeit.

«In diesem Moment fühle ich mich der Muttergottes besonders nahe.»

Und wieso wurde ausgerechnet er für dieses Ehrenamt ausgewählt? «Das weiss ich nicht», schmunzelt Bruder Gerold. Er habe Typograf gelernt, musste jahrelang Bleibuchstaben setzen. Aber auch als Garderobier brauche es Fingerspitzengefühl, vielleicht sei deswegen die Wahl auf ihn gefallen. Das Schwierigste bei dieser Aufgabe sei übrigens, den Mantel und den Schleier hinter der Marienfigur mit Klammern zusammenzufügen. «So, dass der Schleier auf beiden Seiten gleich lang ist», ergänzt er. Denn da gäbe es halt ab und zu Besucher, denen es auffalle, wenn der Schleier schief sitze…

Literarische Zugaben

Um das Buch zu vervollständigen, hat Bruder Zenoni das Werk literarisch mit spannenden Begebenheiten berühmter Persönlichkeiten rund um den Wallfahrtsort ergänzt. So beschreibt der Schriftsteller Thomas Hürlimann einen Kleiderwechsel der Madonna, James Fenimore Cooper, Autor von «Lederstrumpf», lässt wissen wie eine Adlige der Muttergottes von Einsiedeln ein Kleid schenkt und die Autorin Eveline Hasler hat gar das Vorwort zu «Madonnas Fashion» geschrieben. «So ist das Verweilen auf den Seiten des folgenden Buches eine Hommage an das Göttliche, das sich dem Menschen zuneigt und an den Menschen in seiner Hingabe an das Göttliche», heisst es darin. Ja, und so sei es, lässt sich nach einer Begegnung mit dem Garderobier der Muttergottes-Statue von Einsiedeln sagen. (pb)

Angaben zum Buch von Bruder Gerold Zenoni: Madonnas Fashion. Die «Spirituelle Modeschau» zum Einsiedler Gnadenbild. 152 Seiten; 38.80 Fr.; ISBN 978-9524034-3-3. Erhältlich im Klosterladen Einsiedeln und im Buchhandel.

Bruder Gerold Zenoni mit seinem Buch «Madonnas Fashion». | © 2015 Pia Bühler
9. Dezember 2015 | 06:00
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