Judith Butler | © 2014 flickr  Javier Ignacio Acuña Ditzel
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Judith Butler | © 2014 flickr Javier Ignacio Acuña Ditzel

1'200 Unterschriften gegen die Gender-Ideologie an der Uni Freiburg

Freiburg i.Ü., 19.2.15 (kath.ch) Vier Organisationen verlangen mit 1’200 Unterschriften von der Universität Freiburg, sich von der Gender-Ideologie zu distanzieren. Sie verlangen von der Uni, das im November verliehene Ehrendoktorat für die amerikanische Gender-Theoretikerin Judith Butler rückgängig zu machen.

Es gehe um die akademische Würde der Universität, diese sei mit einem Ehrendoktorat für eine «Genderistin» unvereinbar, wie es in der Mitteilung vom 18. Februar heisst. Die Organisationen kritisieren, Butler behaupte, «die Geschlechtsidentität habe mit der Natur nichts zu tun, sondern sei eine beliebig veränderbare soziale Konstruktion.» Und sie aberkennen der Gender-Theorie jeden wissenschaftlichen Anspruch. Eine «‘Wissenschaft’, die alle empirischen Fakten leugnet, zwischen Realität und Fiktion nicht unterscheiden will, die Existenz jeder Objektivität bestreitet, und die folglich nicht auf Erkenntnis, sondern nur auf willkürliche Macht und Umgestaltung der Gesellschaft aus ist, (hat) im Kanon der Wissenschaften nichts verloren», so das Protestschreiben.

Theorie Butlers sei widerlegt

Die involvierten Organisationen sind überzeugt: «Alle seriösen Erkenntnisse der modernen Hirnforschung, der Psychologie der Geschlechter, der Hormonforschung, jede empirische Erhebung über die Lebensgewohnheiten vom Menschen und ganz einfach all das, wovon jeder Mensch im Umgang mit anderen und sich selbstselbstverständlich ausgeht, widerlegt die Theorie Judith Butlers, der zufolge Mann und Frau nur beliebige gesellschaftliche Konstruktionen sein sollen.»

Bei den vier Organisationen handelt es sich um «Bürger für Bürger», Human Life International Schweiz, Jugend und Familie sowie Zukunft CH. «Bürger für Bürger» ist laut eigenen Angaben eine «Bürgerbewegung, die sich für die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger sowie für die Eigenständigkeit der Gemeinden, Kantone und der Schweiz, also für die Volkssouveränität einsetzt.» Sie hat letztes Jahr auch eine Petition lanciert mit dem Titel: «Kein Gender im Lehrplan 21».

Human Life International bezeichnet sich als weltweit grösste Pro Life-Organisation. Sie steht ein für «die Förderung der Achtung und des Schutzes eines jeden Menschen von der Befruchtung bis zum natürlichen Tode», wie sie auf ihrer Homepage schreibt.

«Jugend und Familie» definiert sich als eine überkonfessionelle, christliche Arbeitsgemeinschaft vielfach junger Ehepaare und Familien. «Wir setzen uns ein für die eheliche Treue und für die Familie. Wir kämpfen für den Schutz des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum natürlichen Tod. Ausserdem setzen wir uns ein für die christlichen Grundwerte in Schule, Gesellschaft und Staat», schreibt sie auf ihrer Webseite.

Uni reagiert mit Diskussionen

Laut Rektor Guido Vergauwen ist das Protestschreiben eines von vielen, das seine Universität erhalten hat, wie er gegenüber den Freiburger Nachrichten (19. Februar) aussagte. Seine Reaktion dazu: «Als akademische Institution können wir dem nur begegnen mit der Diskussion über das Thema.» Die Uni sei ein Ort der Debatte und es sei ihre Aufgabe, Kontroversen aufzunehmen. Stellungnahmen Vergauwens und Judith Butlers gegenüber kath.ch stehen noch aus.

Die Philosophische Fakultät der Universität Freiburg verlieh Judith Butler, Titularprofessorin am Maxine Elliot Lehrstuhl des Departements für vergleichende Literaturwissenschaften der Universität Berkeley in Kalifornien, am 15. November 2014 den Ehrendoktor. Butlers Werk habe die Gender-Frage in den Fokus der Gesellschafts- und Sozialwissenschaften gerückt und dazu beigetragen, die diesbezüglichen Theorien in politischer und moralischer Philosophie neu zu überdenken, schrieb die Fakultät laut der Vorgängerin von kath.ch, der Agentur kipa, in ihrer Begründung der Ehrung. Butlers «Geschlechterstudien» hinterfragen ein Machtverhältnis im sozialen, historischen und kulturellen Kontext. (rp)

 

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