Taubenkot gefährdet Bausubstanz des Kirchturms
Taubenkot gefährdet Bausubstanz des Kirchturms. In den Turm der katholischen Kirche in Buchs sind Tauben eingezogen. Der Kirchenverwaltungsrat will sie loswerden, weil sie Schäden verursachen.
Von Corinne Hanselmann
Eine Taubenplage beschäftigt die Katholische Kirchgemeinde Buchs-Grabs. Weil durch den Kot Schäden entstehen, besteht dringender Handlungsbedarf, wie es in einem Bericht des für den Bereich Bau zuständigen Kirchenverwaltungsrats Matthias Lehmann heisst. Um eine geeignete Lösung zu finden, sei man unter anderem mit Lieferanten für Schutzsysteme gegen Tauben in Kontakt. Auch der Einsatz eines Raubvogels steht zur Diskussion.
Warum sind Tauben im Kirchturm ein Problem?
Taubenkot verunreinigt die Böden, Treppen, Glocken und das Läutwerk. Gemäss Matthias Lehmann ist der Kot aggressiv und beschädigt die gesamte Infrastruktur im Kirchturm. Eine regelmässige Reinigung muss durch eine Reinigungsfirma mit geeigneten Mitteln und Schutzausrüstung für die Mitarbeitenden erfolgen.
Seit wann besteht diese Problematik?
Die Tauben haben sich vor rund zwei Jahren im Turm niedergelassen. Seither vermehrten sie sich massiv. Die Brutzeit, bis Küken schlüpfen, dauert nur 18 Tage. Eine genaue Anzahl der Tauben im Buchser Kirchturm ist gemäss Lehmann schwierig anzugeben. Er schätzt, dass es etwa 40 bis 50 Tiere sind.
Was machen die Tauben im Kirchturm?
Die Tauben nutzen den Turm als ihr Zuhause, schlafen und brüten dort. Es gibt zahlreiche Träger, Balken und Zwischenböden, die Sitz- und Nistgelegenheiten bieten.
Warum befürchtet die Kirchgemeinde Schäden an der Bausubstanz?
Der Turm ist grösstenteils aus Beton. Durch den Taubenkot entstehen Schäden an der Oberfläche, die Folge sind Absplitterungen und Risse, erklärt Lehmann. In diese Stellen dringt Wasser ein, welches die Konstruktion schädigt. Bei tiefen Temperaturen gefriert das Wasser im Beton und die Schäden werden immer grösser.
Die Zwischenböden beim Kreuzgang im Treppenhaus des Turms bestehen aus Holz und sind stellenweise stark angefault. Da der Turm aktuell stark verschmutzt ist, können auch notwendige Wartungsarbeiten an der Glockenanlage nicht durchgeführt werden, was weitere Schäden zur Folge haben könnte.
Hat man schon versucht, die Vögel zu vertreiben?
Es wurden Versuche mit Akustiklösungen gemacht. Diese sind wirkungslos verlaufen. Derzeit prüfe und teste man in Absprache mit einem Spezialisten weitere Möglichkeiten, um den Turm als Aufenthaltsort und Brutstätte unattraktiv zu machen, so der Kirchenverwaltungsrat. Neben anderen Massnahmen ist der Einsatz eines Falken in der Prüfung.
Zieht der Kirchenverwaltungsrat ein Schutz- oder Abwehrsystem in Erwägung?
Chromstahldrähte, Spikes und Netze wären mögliche Lösungen. Die vielen Träger und Balken im Turm würden aber sehr viele Drähte und Spikes benötigen. Die Montage wäre entsprechend aufwendig und teuer. Auch der Einsatz eines Netzes ist eine Option, die allerdings sehr kostenintensiv ist und mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden müsste. Das Netz würde den Zugang der Tauben in den Turm verhindern und wäre wohl die wirksamste Lösung.
Warum muss ein Taubenabwehrsystem mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden?
Der Denkmal- und Ortsbildschutz ist beteiligt, um die optischen Einflussfaktoren zu beurteilen. Die Gefährdung der Bausubstanz ist ein gewichtiger Faktor, der eine Lösung zur Abwehr der Tauben notwendig macht. Netze sind kaum sichtbar und sind daher auch bei vielen denkmalgeschützten Objekten eingesetzt worden, weiss Matthias Lehmann.
Wie viel wird ein Schutzsystem die Kirchgemeinde kosten und wann soll es realisiert werden?
Da aktuell noch andere Optionen geprüft werden, wurde noch keine konkrete Offerte für ein Schutzsystem eingeholt. Nach einer ersten Schätzung geht Lehmann aber davon aus, dass eine Netzlösung im mittleren fünfstelligen Bereich liegen würde. Eine allfällige Kostenbeteiligung durch den Denkmalschutz könne erst diskutiert werden, wenn ein definitiver Entscheid getroffen worden ist. Auch einen Zeitplan für die Umsetzung gibt es noch nicht.



